Brasilien Tausende Polizisten stürmen Rios größtes Armenviertel

Die "Operation Friedensschock" hat begonnen: Mit Hubschraubern und einem Großaufgebot an Polizisten und Marinesoldaten will Rio de Janeiro die Kontrolle über die berüchtigte Favela Rocinha gewinnen - um die Sicherheit in der Stadt für zwei anstehende Sport-Großereignisse verbessern.

AFP

Rio de Janeiro - Großeinsatz in Brasiliens größter Favela: Schätzungsweise 2000 Polizisten und Marinesoldaten haben am Sonntag in Rio de Janeiro damit begonnen, die Armensiedlung Rocinha zu besetzen.

Sie wollen mit der Aktion die seit 30 Jahren uneingeschränkte Macht der Drogenkartelle brechen. Der örtliche Fernsehsender Globo berichtete am frühen Morgen unter Berufung auf die Eliteeinheit der Militärpolizei (Bope), die gesamte Favela Rocinha sei unter ihrer Kontrolle.

Starke Einheiten von Polizei und Armee waren ab 4.10 Uhr in die Armensiedlung eingedrungen. Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten, dass die gepanzerten Einheiten langsam in die kleinen Straßen des Viertels vorrückten. Sie wurden von Hubschraubern unterstützt. Militärpolizisten drangen auch in die benachbarte Favela Vidigal ein.

Weiße Fahne als Friedenszeichen

Auf großen Widerstand stießen die Sicherheitskräfte bei ihrer "Operation Friedensschock" offenbar bislang nicht. Tausend Polizisten seien bereits in Rocinha, und es sei kein Schuss gefallen, hieß es. Auf Fernsehbildern war ein Favela-Bewohner zu sehen, der eine große weiße Fahne als Friedenszeichen schwenkte. Vor einem Jahr hatte die Polizei mit Hilfe des Militärs die Favela Complexo do Alemão im Norden Rios besetzt. Damals waren bei Schießereien fast 40 Menschen ums Leben gekommen.

Am Mittwoch hatte die Polizei in Rocinha einen der meistgesuchten Drogenbosse der Stadt gefasst. Antonio Francisco Bonfim Lopes, genannt "Nem", und einer seiner wichtigsten Komplizen, "Coelho", wurden in Untersuchungshaft genommen.

Rocinha hat rund 120.000 Einwohner. Das Armenviertel liegt zwischen wohlhabenden Stadtvierteln von Rio de Janeiro. In der brasilianischen Metropole mit ihren mehr als sechs Millionen Einwohnern leben mehr als 1,5 Millionen Menschen in über tausend Favelas.

Die Regierung will die Kontrolle über die hundert gewaltträchtigsten Armenviertel gewinnen, bevor in dem Land 2014 die Fußball-Weltmeisterschaft und 2016 die Olympischen Sommerspiele ausgerichtet werden. Ziel ist es, sogenannte Friedensstiftende Polizeieinheiten ("UPPs") fest in den Favelas zu installieren.

sto/AFP/dpa



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