Brasilianische Sportidole für Bolsonaro Rechtsaußen im Wahlkampf

Der brasilianische Rechtspopulist Bolsonaro schimpft über Frauen, Schwarze und Schwule. Sportidolen wie Fußballstar Ronaldinho ist das egal. Sie unterstützen den Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl massiv.

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Als Ronaldinho Anfang des Jahres seine Karriere als Fußballprofi offiziell beendete, bedankte sich der FC Barcelona, für den der Brasilianer mehrere Jahre sehr erfolgreich spielte, überschwänglich bei "Camp Nous immer lächelndem Magier".

Doch jetzt hat der weltberühmte Verein, der schon in den Zeiten des spanischen Diktators Franco zum Widerstandslager gegen den Faschisten zählte, ein Imageproblem. Denn der inzwischen 38-jährige Ronaldinho ist seit ein paar Monaten wieder sehr offensiv unterwegs - aber diesmal nicht auf dem Rasen, sondern im brasilianischen Wahlkampf: Er unterstützt Jair Bolsonaro, jenen ultrarechten Politiker, der am Sonntag vermutlich die Präsidentschaftswahl in seiner Heimat gewinnen wird.

Nur wenige Stunden vor dem ersten Wahlgang am 7. Oktober hatte Ronaldinho in einem Twitter-Eintrag im Selecao-Trikot mit der 17 auf dem Rücken für Bolsonaro geworben. "Für ein besseres Brasilien wünsche ich Frieden, Sicherheit und einen, der uns die Freude zurückgibt", schrieb Ronaldinho. Die 17 ist die Nummer von Bolsonaro auf der Wahlliste.

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Wahl in Brasilien: Idole für Bolsonaro

Der Weltmeister von 2002 und zweimalige Weltfußballer ist nicht der einzige Unterstützer des Kandidaten, der Frauen, Schwarze und Schwule verunglimpft, hart gegen Verbrecher vorgehen will und auch eine Militärdiktatur nicht abwegig findet. Auch viele andere aktive oder ehemalige Spitzensportler zeigen ihre Sympathie für den rechtsextremen Kandidaten:

So warben mit Rivaldo, 46, und Cafú, 48, auch zwei andere Mitglieder der Weltmeistermannschaft von 2002 für Bolsonaro. "Deine Stimme wird einen Präsidenten wählen und keinen Vater", schrieb Rivaldo auf Instagram: "Wir brauchen ihn, um die Probleme unseres Landes zu lösen, und nicht, um uns Werte beizubringen." Cafú schrieb: "Der Kapitän der fünften Weltmeisterelf wird für Bolsonaro stimmen." Kaká, Weltfußballer von 2007, gilt ebenfalls als Sympathisant.

Als Ex-Nationalspieler Felipe Melo (Palmeiras São Paulo) im September nach seinem Ausgleichstreffer zum 1:1 beim EC Bahia vor den Mikrofonen am Spielfeldrand anhielt, sagte er: "Dieses Tor widme ich unserem zukünftigen Präsidenten Bolsonaro." Palmeiras distanzierte sich von dem Auftritt.

Ein Fan ist augenscheinlich auch der zweimalige Formel-1-Weltmeister Emerson Fittipaldi. Er besuchte Bolsonaro im Krankenhaus, nachdem der Kandidat bei einer Messerattacke im Wahlkampf verletzt worden war. Die Volleyball-Nationalspieler Wallace und Mauricio formten auf dem Foto einer offiziellen Verbandsmeldung die Zahl 17 mit ihren Fingern. Mixed-Martial-Arts-Idol José Aldo nahm ein Video für den Kandidaten auf. Futsal-Legende Falcao verbreitet seine Bewunderung über Instagram.

Nationalspieler Lucas Moura von Tottenham Hotspur verteidigte Bolsonaro auf Twitter gegen dessen Kritiker. Der Premier-League-Klub missbilligte das Vorgehen des Spielers. Mittelfeldspieler Alan Patrick, der bei Schachtar Donezk spielt, unterstützte den ultrarechten Kandidaten per Twitter ebenfalls - und Superstar Neymar sowie Gabriel Jesus von Manchester Coty gaben einem entsprechenden Beitrag einen Like.

Über die Gründe, warum sich so viele bekannte Sportler für Bolsonaro aussprechen, lässt sich nur spekulieren. Auffällig ist, dass die meisten, wie der Kandidat, zu den rechtskonservativen Evangikalen gehören, die in Brasilien immer einflussreicher werden.

Öffentlich positioniert sich gegen den Kandidaten, der auch als "brasilianischer Donald Trump" bezeichnet wird, kaum ein Sportidol. Eine Ausnahme ist der frühere Nationalspieler Juninho. "Wie kannst du Bolsonaro unterstützen, Bruder?" fragte der 43-Jährige deshalb Ronaldinho und die anderen einstigen Mitspieler.

Juninho
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Juninho

Der FC Barcelona positionierte sich eindeutig gegen den Werbefeldzug Ronaldinhos für Bolsonaro: Man respektiere laut Pressesprecher Josep Vives zwar die Meinungsfreiheit, aber: "Unsere Wertvorstellungen entsprechen nicht den Worten, die wir von diesem Kandidaten vernommen haben." Die Katalanen überlegen jetzt, Ronaldinhos Präsenz im Legenden-Team und bei weltweiten PR-Aktionen einzuschränken.

als/sid

insgesamt 107 Beiträge
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Seite 1
tpro 28.10.2018
1.
Da schreibt Spon seit Tagen gegen Bolsonaro an, und kein Aas in Brasilien interessiert es. Wie können die in Brasilien nur machen, was ihnen gefällt. Vielleicht liegt es daran, daß die Menschen dort die Zustände im Land besser kennen, als die Schreiber in sicheren, warmen Redaktionsstuben in Hamburg. Ich war in verschiedenen Gegenden in Brasilien. Fast jedes Grundstück mit einem Elektrozaun gesichert, keine größere Feier ohne bewaffnete Aufpasser. Kein Wunder, daß die Leute einen Law- und Ordermann wählen, nachdem jahrelang nichts gegen die Kriminalität gemacht wurde.
recepcik 28.10.2018
2. Hirnlos
Daß gerade so viele Schwarze Spieler einen Rassisten unterstützen.
Renoir7 28.10.2018
3. Jeder,
der die unhaltbaren Zustände in Brasilien kennt, kann nur für Bolsonaro stimmen. Mit ihm wird wieder Vernunft und Ordnung einkehren. Der linke Lula und seine korrupte, menschenverachtende Truppe wird zu Recht verlieren. Er sitzt verdient im Gefängnis und soll seine vollen zwölf Jahre absitzen.
ben1409 28.10.2018
4. Setzt die Brille ab!
"Über die Gründe, warum sich so viele bekannte Sportler für Bolsonaro aussprechen, lässt sich nur spekulieren." Wenn 60% eines ganzen Landes für einen einen Politiker stimmen, dann hat dies Gründe. Jahrelange Misswirtschaft, Korruption, die bis in den Himmel stinkt, Zerstörung der Familie und göttlicher Werte, wachsende Kriminalität und der Schere zwischen Arm und Reich, Verfall der Währung, Politiker der Gegenseite die entweder strafrechtlich verfolgt oder bereits im Gefängnis sitzen... Wer hier noch von Spekulation spricht muss eine Brille aufhaben, die die Wirklichkeit verzerrt und klares Sehen unmöglich macht...
taglöhner 28.10.2018
5. Begabungen
Diese Leute sind nicht wegen ihrer herausragenden analytisch-kognitiven Leistungen prominent. Auch bei uns werden politische Statements von Sportlern und Künstlern für mein Gefühl zu sehr medial hochgejubelt. Andererseits -ganz wichtig zu wissen - ist rechts immer die letzte Antwort auf Kriminalität und das Gefühl des Kontrollverlusts.
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