Trumps Richterkandidat Weitere Frau erhebt schwere Vorwürfe gegen Kavanaugh

Brett Kavanaugh soll in den Achtzigerjahren bei Gruppenvergewaltigungen mindestens anwesend gewesen sein. Das behauptet eine weitere Frau. Die Aussagen stehen im Gegensatz zu Kavanaughs eigener Darstellung.

Brett Kavanaugh
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Brett Kavanaugh


Er habe in seiner Schulzeit und noch "viele Jahre später" keinen Sex gehabt und nie eine Frau sexuell belästigt - das behauptet Brett Kavanaugh selbst. Dem steht nun eine weitere Aussage einer Frau gegenüber, die Kavanaugh in den Achtzigerjahren auf Partys erlebt haben will. Demnach war der Richterkandidat von US-Präsident Donald Trump bei Gruppenvergewaltigung wehrloser Frauen zumindest anwesend und ist immer wieder durch sexuelle Belästigungen aufgefallen.

Die Frau, Julie Swetnick, berichtet laut einem Statement, welches ihr Anwalt Michael Avenatti bei Twitter veröffentlichte, dass bei den von ihr beschriebenen Partys Gruppenvergewaltigungen immer wieder vorgekommen seien. Die Mädchen seien wehrlos gewesen - etwa durch Alkohol oder Drogen - und die jungen Männer hätten angestanden, um sich nacheinander an dem Opfer zu vergehen. Mindestens einmal habe sie gesehen, wie auch Kavanaugh in einer solchen Schlange gestanden habe. Auch sie selbst sei Opfer dieses Verbrechens geworden, bei der Party soll Kavanaugh ebenfalls anwesend gewesen sein.

Darüber hinaus habe sie mitbekommen, dass Kavanaugh bei den Partys immer wieder sehr betrunken gewesen sei und ein "körperlich aggressives Verhalten" gegenüber der Frauen gezeigt habe. Dazu zähle, dass er sich gegen den Willen der Frauen an ihnen gerieben habe oder sie ohne Erlaubnis teilweise ausgezogen habe. Zudem sei er sie verbal sexuell angegangen mit dem Ziel, sie herabzuwürdigen und zu beschämen. Die Aussagen, mit denen sich Kavanaugh selbst gegen die bisherigen Anschuldigungen beim TV-Sender Fox zu wehren versuchte, seien Lügen, heißt es in dem Statement.

Swetnick ist damit die dritte Frau, die schwere Anschuldigungen gegen Kavanaugh erhebt.

  • Die Psychologieprofessorin Christine Blasey Ford aus Kalifornien beschuldigt ihn der versuchten Vergewaltigung bei einer Schülerparty im Jahr 1982. Ford hatte die Vorwürfe zunächst anonym geschildert. In einem Interview mit der "Washington Post" gab sie dann ihre Identität preis.
  • Deborah Ramirez beschuldigt Kavanaugh, sich bei einer Party an der Universität Yale im Lehrjahr 1983/84 vor ihr entblößt und ihr seinen Penis ins Gesicht geschoben zu haben. Das schilderte Ramirez dem Magazin "New Yorker".

Für Donnerstag ist eine Anhörung im Justizausschuss des US-Senats angesetzt. Dabei sollen Ford und Kavanaugh getrennt voneinander angehört werden. Für die Ernennung Kavanaughs zum Supreme-Court-Richter ist eine Mehrheit im Senat notwendig, die schon bei zwei republikanischen Abweichlern gefährdet sein könnte. Am Freitag soll über die Ernennung Kavanaughs abgestimmt werden.

Video: Trump steht "voll und ganz" hinter Kavanaugh

REUTERS

Die Besetzung des Richterpostens ist in den USA ein großes Politikum. Die Nachbesetzung mit Kavanaugh könnte dem obersten Gericht der USA auf viele Jahre ein konservatives Übergewicht geben.

vks

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Duffy73 26.09.2018
1.
Warum kommen diese Vorwürfe erst jetzt? Wie soll sich jemand gegen solche Vorwürfe verteidigen können? Und warum kommt das Statement des Anwalts über Twitter und nicht - so wie es sich meiner Meinung nach gehört - im direkten Schreiben an den Betroffenen? Ohne Kavanaugh verteidigen zu wollen (ich weiß ja nicht, was wirklich war), aber irgendwie finde ich das seltsam.
s.l.bln 26.09.2018
2. Bislang ist noch gar nichts belegt.
Zumindest ist aber inzwischen genug zusammen, um eine Untersuchung zu rechtfertigen. Sollten die Republikaner immernoch bei der Auffassung bleiben, sich einer Untersuchung zu verweigern und daß sie selbst das nach einer kurzen Anhörung zu entscheiden hätten, kann ihnen das böse vor die Füße fallen. Mit Recht. Nebenbei hat das inzwischen eine Dynamik bekommen, die im Normalfall Kavanaughs Interesse an einer Untersuchung steigern müßte, um seinen Ruf zu retten. Zumindest wenn er unschuldig ist. Dem steht allerdings entgegen, daß dann evtl. seine Ernennung platzt, falls sich das bis nach den Midterms hinzieht.
s.l.bln 26.09.2018
3. Realsatire 2.0
Zitat von Duffy73Warum kommen diese Vorwürfe erst jetzt? Wie soll sich jemand gegen solche Vorwürfe verteidigen können? Und warum kommt das Statement des Anwalts über Twitter und nicht - so wie es sich meiner Meinung nach gehört - im direkten Schreiben an den Betroffenen? Ohne Kavanaugh verteidigen zu wollen (ich weiß ja nicht, was wirklich war), aber irgendwie finde ich das seltsam.
Was ist daran so ungewöhnlich? Die hätten im Normalfall nie wieder was mit dem zu schaffen gehabt. Jetzt ist der Mann plötzlich jeden Tag im Fernsehen zu sehen und entscheidet demnächst unter Umständen über die Rechte dieser Frauen . Daß auch andere ihn beschuldigen, hilft vielleicht auch sich rauszutrauen. Noch besser gefällt mir die Frage nach der Twitterbekanntmachung. Die haben einen Präsidenten der auf Twitter Handelskriege, Atomschläge und Sanktionen androht/verkündet. Das dürfte jede andere Verlautbarung dort an Tragweite locker toppen.
g.eliot 26.09.2018
4. Warum per Twitter?
Zitat von Duffy73Warum kommen diese Vorwürfe erst jetzt? Wie soll sich jemand gegen solche Vorwürfe verteidigen können? Und warum kommt das Statement des Anwalts über Twitter und nicht - so wie es sich meiner Meinung nach gehört - im direkten Schreiben an den Betroffenen? Ohne Kavanaugh verteidigen zu wollen (ich weiß ja nicht, was wirklich war), aber irgendwie finde ich das seltsam.
Warum betätigt der amtierende US Präsident seine Amtsgeschäfte weitgehend durch Twitter? Also das finde ich weitaus seltsamer. Avenati liegt eine eidesstattliche Erklärung von Julie Swetnick vor. Sie hat im Finanzinisterium gearbeitet und hat deren PSI The Personnel Security Investigation bestanden. Also kann sie wohl nicht ganz unzuverlässig sein. Natürlich kann man versuchen, auch dies als Schmierkampagne abzubürsten, und das wird wieder garantiert geschehen, noch zorniger. Dass Sie das Timing als Mann nicht verstehen, bleibt Ihnen unbenommen. Ich verstehe ja auch nicht das hier beschriebene sexuelle Verhalten von manchen Jugendllichen und Männern, aber es existiert trotzdem.
bcdb 26.09.2018
5. Jetzt ist der Zeitpunkt
Zitat von Duffy73Warum kommen diese Vorwürfe erst jetzt? Wie soll sich jemand gegen solche Vorwürfe verteidigen können? Und warum kommt das Statement des Anwalts über Twitter und nicht - so wie es sich meiner Meinung nach gehört - im direkten Schreiben an den Betroffenen? Ohne Kavanaugh verteidigen zu wollen (ich weiß ja nicht, was wirklich war), aber irgendwie finde ich das seltsam.
Die Vorwürfe kommen erst jetzt, weil Kavanaugh erst jetzt das Verfahren zur Besetzung der Richterstelle durchläuft und dieses Verfahren dazu da ist, diese Dinge an das Licht zu bringen. Denn womöglich erinnern sich erst jetzt manche der Opfer an ihn, vielleicht kommen diese jahrzehntealten Erinnerungen erst jetzt wieder hoch, vielleicht ist bei den Opfern erst jetzt der Punkt erreicht, an dem sie an die Öffentlichkeit gehen möchten. Unterstellen wir, die Vorwürfe seien wahr - wäre Kavanaugh deswegen ein geeigneter Richter, weil die Vorwürfe erst jetzt kamen?
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