Brexit-Debatte EU-Parlamentsvize wirft Cameron Unglaubwürdigkeit vor

Erst lästerte Premier Cameron über die EU, jetzt kämpft er gegen einen Brexit: Diesen Widerspruch kritisiert FDP-Europapolitiker Lambsdorff. Brüssel könne sich die EU auch ohne Großbritannien vorstellen.

David Cameron
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Eine Woche vor dem Referendum in Großbritannien über einen Austritt aus der EU hat der stellvertretende EU-Parlamentspräsident Alexander Graf Lambsdorff (FDP) den britischen Premierminister David Cameron kritisiert. Man könne nicht jahrelang den obersten Europaskeptiker geben und anschließend Anführer einer Pro-Europa-Kampagne werden, sagte Lambsdorff der "Heilbronner Stimme".

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Heft 24/2016
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Camerons Werben für den Verbleib Großbritanniens in der EU sei natürlich nicht glaubwürdig. "Dieser Widerspruch trifft leider auf viele EU-Befürworter in Großbritannien zu, die vorher ständig über die EU gelästert haben", sagte Lambsdorff. Cameron habe das Brexit-Referendum gar nicht gewollt, "sondern ist ein Getriebener der Euro-Skeptiker seiner Partei und der Rechtspopulisten".

Über das Niveau des Brexit-Wahlkampfs sagte Lambsdorff der Zeitung: "99 Prozent der Debatten sind Panikmache, Verunglimpfungen, Lügen und Verzerrungen von Tatsachen - vor allem aufseiten der Brexit-Befürworter."

Die Lage in Brüssel sei vor dem Referendum "sehr ruhig". Man könne sich die EU - selbst wenn man das nicht wolle - auch ohne Großbritannien vorstellen, sagte der FDP-Politiker. "Schließlich war das Land an den ersten 16 Jahren der EU gar nicht beteiligt."

Am 23. Juni stimmen die Briten über den Verbleib ihres Landes in der EU ab. Jüngsten Umfragen zufolge liegen die Brexit-Befürworter vorne. Die wichtigsten Beiträge zum Thema finden Sie hier in einer Übersicht.

Erklärvideo zum Brexit-Referendum:

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aar/dpa

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