Austritt aus der EU Nur gut ein Viertel der Briten für harten Brexit

Nur noch acht Monate bis zum EU-Austritt, und kein Plan: 78 Prozent der Briten sind der Meinung, dass die Regierung schlecht verhandelt. Und jeder Zweite würde gern erneut abstimmen.

Union Jack und Big Ben
DPA

Union Jack und Big Ben


Auch zwei Jahre nach dem knappen Brexit-Votum ist Großbritannien in der Frage des EU-Austritts gespalten. Laut einer Umfrage des privaten Nachrichtensenders Sky News befürworten 50 Prozent einen Brexit, 48 Prozent sind dagegen.

Bemerkenswert ist allerdings die Aufteilung der Befürworter eines Ausscheidens aus der EU: 27 Prozent wären demnach auch mit einem sogenannten harten Brexit, also einem Austritt ohne Anschlussvereinbarung mit der EU, zufrieden. 13 Prozent würden einem Brexit zustimmen, wenn es dafür eine neue Vereinbarung mit Brüssel gibt.

50 Prozent wollen über Brexit-Übereinkunft abstimmen

Außerdem sprach sich jeder zweite Befragte dafür aus, über eine Brexit-Übereinkunft in einem weiteren Referendum abzustimmen. 40 Prozent wollen keine weitere Volksabstimmung in der Frage, zehn Prozent waren unentschieden.

Die Frist für eine Einigung zwischen der EU und Großbritannien über den Austritt läuft im März 2019 aus, dann muss Großbritannien die Union verlassen, ob mit oder ohne Anschluss-Deal.

Briten stellen May schlechtes Zeugnis aus

Bislang hat Regierungschefin Theresa May die meiste Zeit mit innerparteilichen Streitereien über den richtigen Brexit-Kurs verloren. Der Regierungschefin stellten die Befragten in der Sky-Umfrage in Sachen Brexit ein schlechtes Zeugnis aus: 78 Prozent sind der Meinung, dass May mit Brüssel schlecht verhandelt. Das sind 23 Punkte mehr als bei einer Umfrage im März.

May hatte vor wenigen Wochen in einem Weißbuch ihre Vorstellung für die Zollzusammenarbeit mit der Europäischen Union nach dem Brexit präsentiert. Kernpunkt ist, dass die EU künftig für Großbritannien Zölle eintreiben soll, wenn die Regierung in London dies auch für die EU tut. Dem erteilte die EU-Kommission in der Vorwoche jedoch eine deutliche Absage.

Mitte Juli hatten mehrere Brexit-Hardliner, darunter Außenminister Boris Johnson, und der bisherige Brexit-Minister David Davis Mays Regierungsmannschaft verlassen.

Die von Sky selbst durchgeführte Onlinebefragung bezog die Antworten von 1466 Nutzern ein, die entsprechend der britischen Bevölkerung gewichtet wurden. Die detaillierten Ergebnisse der Befragung, durchgeführt zwischen dem 20. und dem 23. Juli durch Sky Data, veröffentlichte Sky auch als pdf.

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cht/Reuters



insgesamt 243 Beiträge
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Seite 1
nadworks 30.07.2018
1. Brexit nicht zwingend
Ihr Bericht enthält einen entscheidenden Fehler. Trotz Artikel 50 Einreichung MUSS Grossbritannien die EU nicht zwingend im März verlassen. Als Mitglied der „People‘s Vote“ Bewegung weiß ich, das bei einem erneuten Referendum auch wieder „Verbleib in der EU“ auf dem Zettel stehen kann, falls ein bestimmter Deal oder No-Deal abgelehnt werden.
Riven 30.07.2018
2. @ 1
Und ich als Jurist sage, dass der Austritt zwingend ist. Art. 50 EUV ist da recht eindeutig: "Die Verträge finden auf den betroffenen Staat ab dem Tag des Inkrafttretens des Austrittsabkommens oder andernfalls zwei Jahre nach der in Absatz 2 genannten Mitteilung keine Anwendung mehr, es sei denn, der Europäische Rat beschließt im Einvernehmen mit dem betroffenen Mitgliedstaat einstimmig, diese Frist zu verlängern." Und im Absatz 5: "Ein Staat, der aus der Union ausgetreten ist und erneut Mitglied werden möchte, muss dies nach dem Verfahren des Artikels 49 beantragen." Die Briten WERDEN ausscheiden. Das ist das, was sie sich immer gewünscht haben. Viel Spaß in der Zukunft, sich gegen USA, China, Russland UND die EU global durchzusetzen.
ttvtt 30.07.2018
3. komplexe Wirtschaftszusammenhänge
50 % wollen über die ausgehandelte Brexit-Übereinkunft in einem weiteren Referendum abzustimmen. Was soll so ein Referendum bringen? Die Übereinkunft wird so komplex sein, dass wohl die Tragweite nur von wirklichen Fachleuten verstanden wird. Und darüber soll dann die Hausfrau Klein-Britney und der Taxifahrer Brain-George abstimmen?
RedOrc 30.07.2018
4. Radio Eriwan: Im Prinzip ja, aber..
Zitat von nadworksIhr Bericht enthält einen entscheidenden Fehler. Trotz Artikel 50 Einreichung MUSS Grossbritannien die EU nicht zwingend im März verlassen. Als Mitglied der „People‘s Vote“ Bewegung weiß ich, das bei einem erneuten Referendum auch wieder „Verbleib in der EU“ auf dem Zettel stehen kann, falls ein bestimmter Deal oder No-Deal abgelehnt werden.
Klar kann man ein Referendum abhalten, genau wie man auch ein Referendum gegen die Hitzewelle initiieren könnte - beides hätte ungefähr die gleichen Auswirkungen. Der Rücktritt vom Rücktritt (Brexit) ist zwar prinzipiell möglich, aber nur wenn alle anderen restlichen EU-Mitglieder dem zustimmen - und das hätte nur dann überhaupt einen Hauch von Chance wenn GB die ganzen Privilegien und Sonderlocken, die es im Laufe der Jahre so erhalten hat, aufgibt und den Euro einführt. Wie wahrscheinlich ist das Szenario? (Wurde im übrigen schon elendig oft durchgekaut)
stadtmusikant123 30.07.2018
5. Es komt wie es kommt
Nun, 50 % wollen einen Brexit. Den werden sie auch bekommen. Wie der Brexit ausfällt steht in den Sternen. Beeinflussen kann der "Mann auf der Straße" das Ergebnis nicht mehr. Rechtlich gibt das das Austrittsverfahren nicht her, und der Zeitablauf ebenfalls nicht. Und dann sind da noch all die anderen Mitgieder, die den Briten ihre Extra-Würste so uneingeschränkt gönnen. Ausgelöst ist er, und rückgängig machen ist rechtlich und politisch mehr wie nur unwahrscheinlich. Denn angenommen, die EU-Mitglieder würden einer Rücknahme des Brexit zustimmen, dann wären die , bei den anderen Mitgliedern so beliebten britischen Extra-Würste manifestiert, wer glaubt also an so was?
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