Vor Parlamentsvotum Britischer Handelsminister befürchtet Exit vom Brexit

Im Januar entscheidet das britische Parlament über das von Theresa May ausgehandelte Brexit-Abkommen. Handelsminister Fox hält ein Scheitern des EU-Austritts für möglich.

EU-Flagge und britische Nationalflagge vor dem britischen Parlament
DPA

EU-Flagge und britische Nationalflagge vor dem britischen Parlament


Der britische Handelsminister Liam Fox hat vor einer Abkehr vom Brexit gewarnt. Das sagte Fox in einem Interview mit der "Sunday Times". Sollte das Parlament das mit Brüssel ausgehandelte Austrittsabkommen ablehnen, stünden die Chancen "50 zu 50", dass der Brexit nicht stattfinde.

Die Botschaft des Handelsministers richtet sich vor allem an Brexit-Hardliner im britischen Parlament. Sie lehnen das Abkommen von Premierministerin Theresa May ab, weil ihnen der darin vorgesehene Bruch mit Brüssel nicht deutlich genug ist.

Liam Fox
Getty Images

Liam Fox

"Wir können uns zu 100 Prozent sicher sein, dass wir am 29. März austreten werden, wenn wir für den Deal der Premierministerin stimmen", sagte Fox - und fügte hinzu: "Wenn wir nicht dafür stimmen, bin ich mir nicht sicher, ob ich dem (Austritt) viel mehr als eine 50-zu-50-Chance geben würde."

Zusätzliche Fähren gechartert

May hatte die eigentlich für den 11. Dezember vorgesehene Abstimmung auf Mitte Januar verschoben, weil sich eine deutliche Niederlage abgezeichnet hatte. Sie muss mit dem Widerstand von rund hundert Abgeordneten in den eigenen Reihen rechnen. Sollte der Deal abgelehnt werden, droht jedoch in erster Linie ein Brexit ohne Abkommen mit schweren Konsequenzen für die Wirtschaft und viele andere Lebensbereiche.

Für diesen Fall bereitet sich London inzwischen verstärkt vor. Einem BBC-Bericht zufolge schloss die britische Regierung in den vergangenen Monaten Verträge in Höhe von knapp 108 Millionen Britischen Pfund (umgerechnet rund 120 Millionen Euro) mit Fährgesellschaften ab, um Engpässe am Haven von Dover mithilfe von gecharterten Fähren zu vermeiden.

Die Fährverbindung zwischen dem französischen Calais und dem britischen Dover ist die bei Weitem wichtigste Route für den Warenhandel zwischen Großbritannien und dem Festland. Dort müssten im schlimmsten Fall Zollkontrollen eingeführt werden, die zu kilometerlangen Staus führen könnten.

boj/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 262 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Zaunsfeld 30.12.2018
1.
Das ist doch Quatsch. Es gibt keinen automatischen Exit vom Brexit. Britannien hat vor nun fast 2 Jahren offiziell seinen Austritt erklärt. Dieser tritt im März 2019 vollautomatisch in Kraft, egal ob es bis dahin eine Vereinbarung gibt oder nicht. Wenn es keine Vereinbarung über die Formalitäten des Brexit oder eine Übergangsphase gibt, dann ist Britannien von einem Tag auf den anderen dann einfach raus. Komplett ohne Abkommen und ohne Sondervereinbarungen. Britannien kann auch nicht automatisch oder gar einseitig in der EU drin bleiben, wenn kein Abkommen zustande kommt. Wie gesagt: im März 2019 ist Britannien raus, wenn bis dahin keine Vereinbarung steht. Denn jedes einzelne EU-Land müsste seinerseits zustimmen, wenn Britannien über das Austrittsdatum hinaus noch weiter in der EU bleiben können soll. Und ob das so ist, ist durchaus fraglich. D.h. Britannien müsste offiziell beantragen über März 2019 hinaus in der EU zu bleiben und die gesamte EU müsste dem dann auch noch zustimmen. Ich glaube, das wird nicht passieren. Die EU würde dem ganzen vielleicht sogar noch zustimmen, aber Britannien wird diesen Antrag nicht stellen. Zu groß wäre die Blamage im eigenen Land, wenn man erst jahrelang den Europäern den Stinkefinger zeigt und versucht, sie am Nasenring durch die Manege zu führen, und zu behaupten ohne EU-Mitgliedschaft wäre ja alles besser, und dann kurz vor der Angst käme man angekrochen und müsste die EU kleinleut bitten, noch ein bisschen länger im Verein bleiben zu dürfen, weil es außerhalb der EU wahrscheinlich dann doch so unschön ist, dass man sie lieber doch nicht so schnell verlassen will.
oeflinger 30.12.2018
2. Sollte der brexit nicht stattfinden
MUSS man die Briten für die entstandenen Kosten seitens der anderen EU Staaten in Regress nehmen... wird nur leider wieder mal nicht passieren...
Actionscript 30.12.2018
3. Wie jetzt?
Wenn das Abkommen mit der EU nicht vom britischen Parlament abgesegnet wird, findet kein Brexit statt? Ich bin immer davon ausgegangen, dass es dann einen harten Brexit gäbe, doch der Brexit fände statt. Habe ich da was falsch verstanden?
bigroyaleddi 30.12.2018
4. Isses nicht goldig,
da hat einer Angst, dass es mit dem Brexit nicht so ganz klappt, wie es sich doch abzeichnet. Glaubt der wirklich, mit seinen Argumenten könnte der Brexit durchgewunken werden? Oder glaubt er, es gibt eine Abkehr vom Brexit überhaupt? Da muss ich schon mal ganz irritiert fragen, auf welchen Grundlagen das denn jetzt der Fall sein sollte, Weil die Briten evtl. neu abstimmen werden?
markus_wienken 30.12.2018
5.
Zitat von ZaunsfeldDas ist doch Quatsch. Es gibt keinen automatischen Exit vom Brexit. Britannien hat vor nun fast 2 Jahren offiziell seinen Austritt erklärt. Dieser tritt im März 2019 vollautomatisch in Kraft, egal ob es bis dahin eine Vereinbarung gibt oder nicht. Wenn es keine Vereinbarung über die Formalitäten des Brexit oder eine Übergangsphase gibt, dann ist Britannien von einem Tag auf den anderen dann einfach raus. Komplett ohne Abkommen und ohne Sondervereinbarungen. Britannien kann auch nicht automatisch oder gar einseitig in der EU drin bleiben, wenn kein Abkommen zustande kommt. Wie gesagt: im März 2019 ist Britannien raus, wenn bis dahin keine Vereinbarung steht. Denn jedes einzelne EU-Land müsste seinerseits zustimmen, wenn Britannien über das Austrittsdatum hinaus noch weiter in der EU bleiben können soll. Und ob das so ist, ist durchaus fraglich. D.h. Britannien müsste offiziell beantragen über März 2019 hinaus in der EU zu bleiben und die gesamte EU müsste dem dann auch noch zustimmen. Ich glaube, das wird nicht passieren. Die EU würde dem ganzen vielleicht sogar noch zustimmen, aber Britannien wird diesen Antrag nicht stellen. Zu groß wäre die Blamage im eigenen Land, wenn man erst jahrelang den Europäern den Stinkefinger zeigt und versucht, sie am Nasenring durch die Manege zu führen, und zu behaupten ohne EU-Mitgliedschaft wäre ja alles besser, und dann kurz vor der Angst käme man angekrochen und müsste die EU kleinleut bitten, noch ein bisschen länger im Verein bleiben zu dürfen, weil es außerhalb der EU wahrscheinlich dann doch so unschön ist, dass man sie lieber doch nicht so schnell verlassen will.
Nein, das ist falsch. Wenn GB den Brexit Antrag zurück ziehen würde (oder wie auch immer man das juristisch korrekt bezeichnet), dann müsste niemand in der EU dem noch zustimmen. GB würde einfach in der EU bleiben wie bisher.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.