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David Cameron vs. Boris Johnson: Duell der Studienfreunde

Londoner Bürgermeister Boris Johnson: "Kann ich den Premierminister um eine Erklärung bitten?" Zur Großansicht
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Londoner Bürgermeister Boris Johnson: "Kann ich den Premierminister um eine Erklärung bitten?"

Einst studierten sie zusammen in Oxford, heute dominieren sie die britische Politik: Im Streit über den EU-Ausstieg Großbritanniens treten David Cameron und Boris Johnson gegeneinander an - die Öffentlichkeit schaut gebannt zu.

Im britischen Unterhaus kam es am Montag zu einem denkwürdigen Aufeinandertreffen. Der konservative Premierminister David Cameron hatte gerade die EU-Reform verteidigt, die er vergangenen Freitag den anderen Regierungschefs in Brüssel abgerungen hatte. Nun hatte sein Parteifreund, der einfache Abgeordnete Boris Johnson, noch eine Frage an den Chef.

"Kann ich den Premierminister bitten, dem Unterhaus und dem Land zu erklären, wie genau dieser Deal die Souveränität in irgendeinem rechtlichen Bereich an dieses Parlament zurückgibt?"

Auf den Bänken der Tories wurde ein Getöse laut, das deutlich machte, dass der Fragesteller kein gewöhnlicher Hinterbänkler war. Vielmehr sprach der heimliche Anführer der Brexit-Brigade, der Abgeordneten also, die den Ausstieg Großbritanniens aus der EU herbeisehnen. Davon gibt es bei Camerons Konservativen reichlich, Schätzungen gehen von der halben Unterhausfraktion aus.

Cameron hatte am Samstag das langerwartete Datum für das EU-Referendum bekannt gegeben: Die Briten sollen nun schon am 23. Juni abstimmen. Am Sonntag dann erklärte Johnson, dass er für den Brexit werben werde - und stellte sich damit gegen den Premier.

Mit Johnsons Bekenntnis hat die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen. Der Nochbürgermeister von London ist einer der beliebtesten Politiker des Landes und ein hervorragender Wahlkämpfer. Die Brexit-Kampagne freute sich über den prominenten Unterstützer, die Anleger an den Finanzmärkten hingegen reagierten verschreckt: Das Pfund stürzte am Montag zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit 2009 ab.

Cameron weiß, wie gefährlich der harmlos wirkende Wuschelkopf ist. Bis zuletzt hatte er versucht, Johnson in sein Lager zu ziehen. Die beiden kennen sich seit Jahrzehnten: Sie besuchten die Eliteschule Eton, studierten in Oxford und haben ein Leben lang versucht, sich gegenseitig zu übertrumpfen - bei Trinkspielen, auf dem Tennisplatz, im Beruf. In der Politik hat Cameron es bis in die Downing Street geschafft, Johnson bisher nur ins Londoner Rathaus und ins Unterhaus. Doch er will gleichziehen: Sollten die Briten für den EU-Austritt stimmen, hätte er wohl Chancen, Cameron zu beerben.

Im Parlament zeigte der Premier aber am Montag, wer immer noch das Sagen hat. Geduldig erklärte Cameron dem Abgeordneten Johnson, was er in Brüssel erreicht habe: die Kürzung der Sozialleistungen für EU-Ausländer, die Sicherheiten für die britischen Banken, die Zementierung des britischen Sonderwegs. Johnson blieb stumm. Laut "Guardian" soll er nur ein Wort gemurmelt haben: "rubbish" ("Müll").

Das Duell ist eröffnet.

cvo

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insgesamt 20 Beiträge
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1. Die beiden Public-School boys riskieren die Glaubwürdigkeit der britischen Politik
HAJ 22.02.2016
Cameron hat das Referendum und den "better deal for Britain" vom Zaun gebrochen, um die EU-Hasser auszumanövrieren. Johnson macht Cameron jetzt lächerlich, indem er den EU-Austritt unterstützt, aber ankündigt, danach weitere Forderungen an die anderen EU-Mitglieder zu stellen, und darüber ein zweites Referendum durchzuführen. Diese Burschen machen die Politik Grossbritanniens völlig unglaubwürdig. Angesichts der realen Probleme Europas zynisch und unverantwortlich.
2. Da kommt ...
freddygrant 22.02.2016
... auf die stolzen Briten im Juni d.J. etwas zu. Sie sollen sich für oder gegen die EU entscheiden. Die Briten sind mit ihrer aktuellen Wirtschaft, Gesellschaft und besonders ihrer Politik ohnehin "Out of Europe" und für einen fundierten, zukunftsorientierten Volksentscheid unfähig. Das einzige Ergebnis wird sein, dass das Wahlergebnis die Engländer tief spalten wird. Die Wunden die sie sich selbst zufügen werden tief und schmerzlich sein. Narben werden bleiben, wenn sie überhaupt heilen. Und wenn alles schief geht, werden die schottischen Highlands bald zum Kernland Europas und damit der EU gehören.
3. Es liegt auch an Deutschland
Europa! 23.02.2016
Mit der Parteinahme von Boris Johnson hat der Brexit ein populäres Gesicht. Die Wahrscheinlichkeit eines Austritts hat sich dramatisch erhöht. Und er wird mit jedem Tag größer, an dem Angela Merkel ihre intransigente pseudo-moralische Flüchtlingspolitik weiterverfolgt, die ALLE Europäer mit blankem Entsetzen erfüllt. Europa ist nur zu retten, wenn Angela Merkel in der Versenkung verschwindet und die sogenannte "deutsche Hegemonie" endlich ihr Ende findet.
4. Spiess zum Ende
fatrick 23.02.2016
Irgendwie machen Sie hier in Ihrem Artikel den Spiess zum Ende......immerhin wird die Öffentlichkeit in UK gefragt , während in Deutschland die Öffentlichkeit brav zuschauen darf-nicht wahr ?
5. Kasperltheater......
lasalette13 23.02.2016
und Vedummung der Menschen, was die zwei Englände rmachen ! Nur noch Theater in der EU zuerst Griechenland und jetzt England und....und....und Deutschland , d.h.. Merkel regelt alles, denn "wir schaffen das " --- und noch viel viel mehr !!! Eine Trauerbühen die EU 7und die Nato !
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