Brexit Briten erwägen offenbar Doppelstatus für Nordirland

Die Rede ist von einem Sonderstatus und einer 16 Kilometer breiten Pufferzone: Die britische Regierung hat offenbar eine Idee, wie Grenzkontrollen in Nordirland nach dem Brexit verhindert werden könnten.

Brexit-Minister David Davis
REUTERS

Brexit-Minister David Davis


Es ist vielleicht die entscheidende Frage bei den Brexit-Verhandlungen: Was wird aus Nordirland? Wenn die Briten - wie angekündigt - die Zollunion verlassen, könnte zwischen dem EU-Staat Irland und dem zum Vereinigten Königreich gehörenden Nordirland wieder eine sogenannte harte Grenze verlaufen. Doch auf diese Weise den regionalen Handel oder gar den Friedensprozess auf der irischen Insel zu gefährden - das will niemand, weder in London noch in Brüssel.

Die britische Regierung hat nun wohl eine neue Idee, wie sie das Problem lösen will. Laut Berichten der Zeitung "The Sun" und der Nachrichtenagentur Reuters erwägt Westminster nach dem Austritt aus der EU einen Doppelstatus für Nordirland. Demnach könnte das Land sowohl zu Großbritannien als auch zur EU gehören. Ziel sei es, dass Nordirland freien Handel mit beiden Seiten betreiben könne.

Reuters zufolge handelt es sich dabei um einen von mehreren in der Regierung diskutierten Plänen zur Nordirland-Frage, an denen Brexit-Minister David Davis arbeite. Laut den Berichten ist eine 16 Kilometer breite Pufferzone im Grenzgebiet zwischen Nordirland und dem in der EU verbleibenden Irland angedacht. In dieser könnten nach dem Brexit lokale Händler agieren, etwa Milchbauern. Händler machen 90 Prozent des Grenzverkehrs aus. Die Einrichtung von Grenzkontrollposten solle durch die Pufferzone überflüssig gemacht werden.

Eine Sonderregelung für Nordirland könnte allerdings etwa auch in Schottland Begehrlichkeiten erwecken - und damit den Druck auf die britische Regierung weiter erhöhen. Die Schotten hatten 2016 mehrheitlich den Brexit abgelehnt und werben für möglichst enge Beziehungen zur EU.

Zudem droht Widerstand der nordirischen DUP, die die Regierung von Premierministerin Theresa May in London unterstützt. Die nationalkonservative Partei lehnt eine Lösung ab, die für Nordirland andere Regeln als für den Rest des Vereinigten Königreichs bedeuten würde.

kev/Reuters



insgesamt 46 Beiträge
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Ein_denkender_Querulant 01.06.2018
1. Freier Warenverkehr durch die Hintertüt
Sehr gute Idee, dann hat Englang über Nordirland weiterhin völlig freien Zugang zum EU Binnenmarkt. Wie wäre es mit einer Abstimmung in Nordirland, ob man wieder mit Irland vereinigt werden möchte und gemeinsam in der EU bleibt? Das sollten sich die Schotten auch überlegen.
sikasuu 01.06.2018
2. Nein, nicht schon wieder so toller ein Vorschlag aus GB:-(
Ob die Grenze ein "Strich" auf der Straße ist ober eine 10 Meilen breite Zone mit 2 Strichen ist doch gleich. . Der Milchbauer, der kleine Händler & die Lezte rechts&links der Grenze, sind doch wirklich nicht das Problem bei der Kontrolle von Ein-&Ausfuhr! . Ich darf an die DE- Außen-Grenze usw. vor Schengen erinnern. Die Bevölkerung im grenznahen raum kommt gut damit zurecht. . Die großen Warenströme müssen aber kontrolliert werden. In Irland genau wie an The Channel. Oder will London auch bei Dover eine 10 Meilen breite Zone ohne Zollgrenzen einrichten und erst im Hinterland kontrollieren:-) . Den manchmal etwas exzentrischen Humor der Briten finde ich ja ganz amüsant, doch sie sollten darauf im Brexit besser verzichten:-) . Nordirland, ein Streifen davon gehört zur EU & zum Empire? Wer sich diesen Streifen ausdachte, wäre sogar als Hofnarr bei einem Georg IV nicht zu halten gewesen:-) Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_IV._(Vereinigtes_Königreich)
obersterhofnarr 01.06.2018
3. jetzt zerfällt das UK
wenn solch eine Regelung kommt, wird das UK am Ende sein. Als nächstes wird Schottland und vielleicht sogar London-City eine Sonderrolle erzwingen wollen, weshalb die Spannungen nicht kleiner werden auf der Insel, im Gegenteil. Und Ms. Sturgeon wird clever genug sein die britische Regierung entsprechend unter Druck setzen zu können: entweder Sonderstatus oder Abspaltungsreferendum. Und wenn das Spielchen in Nordirland und in Schottland funktioniert, wird London dem nicht nachstehen wollen. PM May wäre gut beraten diesen Schwachsinn sofort zu beenden und endlich zur Vernunft zu kommen, oder will sie die britische Karre bewusst und absichtlich gegen die Wand krachen lassen um den Brexiteers ein für alle mal die Klappe zu zu machen? Wahnsinn.....
eronx 01.06.2018
4. Wie soll das funktionieren?
Ich habe die Idee nicht ganz verstanden. Sollen die Grenzkontrollen dann 16 km weiter im Inland stattfinden. Denn eines ist sicher, es müssen welche geben, wenn NIrland zu GB weiterhin gehören möchte. Wie soll das sonst funktionieren? Alle Waren die von GB zur EU sollen und umgekehrt, werden dann über den Umweg NIrland zollfrei exportiert? Damit wäre GB quasi im Binnenmarkt ohne die Nachteile. Da das bestimmt nicht die Idee war, könnte mir vielleicht jemand den Vorschlag etwas genauer erklären?
M. Vikings 01.06.2018
5. Ein weiterer untaulicher Vorschlag.
Keine Grenzkontrolle bleibt keine Grenzkontrolle. Ob nun mit Pufferzone oder ohne Pufferzone. London verschwendet Zeit, und offenbart seine absolute Planlosigkeit. Ich bin gespannt wie das endet.
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