Ausstehende EU-Zahlungen Großbritannien will bis zu 40 Milliarden Euro für Brexit zahlen

Großbritannien hat laut Brüssel mit der EU eine 100-Milliarden-Euro-Rechnung offen. Nun soll London bereit sein, etwa die Hälfte zu überweisen - stellt dafür aber Bedingungen.

Theresa May, Premierministerin Großbritanniens
AP

Theresa May, Premierministerin Großbritanniens


Die britische Regierung ist offenbar bereit, beim Brexit bis zu 40 Milliarden Euro an die EU zu überweisen. Wie der "Sunday Telegraph" unter Berufung auf britische Regierungskreise berichtet, will London aber nur bezahlen, wenn der Geldtransfer Teil der Gespräche über die künftigen Beziehungen und ein mögliches Handelsabkommen ist.

Die EU verlangt von den Briten, eingegangene finanzielle Verpflichtungen zu erfüllen - selbst über das Austrittsdatum Ende März 2019 hinaus. Bisher hat London noch nicht grundsätzlich anerkannt, dass es zu solchen Zahlungen verpflichtet ist.

Die nun genannten 40 Milliarden Euro dürften Brüssel zu wenig sein. Die EU schätzt die Gesamtsumme auf bis zu 100 Milliarden Euro. Der britische Außenminister Boris Johnson hatte solche Zahlen im Juni als "absurd" bezeichnet und gedroht, Großbritannien könne austreten, "ohne überhaupt etwas zu bezahlen".

Vor so einem "chaotischen" Brexit warnt allerdings nicht zuletzt die renommierte britische London School of Economics. Auch in der EU geht man davon aus, dass ein ungeordneter Brexit ohne eine Begleichung der EU-Rechnung - und ohne neue Handelsabkommen - nachteilig für Großbritannien wäre. Der frühere italienische Ministerpräsident und EU-Kommissionspräsident Romano Prodi sagte, ein Austritt aus der EU ohne Kompromiss wäre für die britische Wirtschaft "selbstmörderisch".

Die EU will mit London erst über die künftigen Beziehungen und ein Handelsabkommen sprechen, wenn wesentliche Austrittsfragen geklärt sind. Neben den Finanzforderungen an London sind das der Status der EU-Bürger in Großbritannien und die Nordirland-Frage.

cht/AFP

insgesamt 118 Beiträge
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eunegin 06.08.2017
1. UK kann das Erpressen nicht lassen
Wie während der gesamten EU-Mitgliedschaft kann das Land es einfach nicht lassen, Bedienungen zu stellen und zu erpressen. Das kommt davon, wenn man damit aber auch immer wieder durchkommt. Übel.
crazy_swayze 06.08.2017
2.
Die Briten haben immer noch nicht verstanden, dass die EU über ihr Schicksal entscheiden wird. Die Briten haben überhaupt kein Druckmittel und keinen Plan B (fallback Position), daher ist das keine Verhandlung.
kuestenvogel 06.08.2017
3. x Milliarden (!) über Jahre?
Über laufende Zahlungen, die von der EU gefordert werden, bin ich informiert. Die Überschrift und evtl. auch der Text klingen so, als müsse GB dieses auf einen Schlag zahlen...? Über wie viele Jahre sollen denn all die Milliarden bezahlt werden und weshalb ist dieses eine so ernorme Summe, d. h. woraus setzt sich das zusammen? Wenn man bedenkt, dass H. Tusk über einen Poxit spekuliert... Polen könnte sich somit keinen Austritt leisten, die EU ist gerettet ;) :D !
peter.di 06.08.2017
4. Deutschland zahlt 10 dauerhaft mehr als 10 Milliarden Euro pro Jahr
Da sind einmalig 40 Milliarden für den Austritt aus der EU auf jeden Fall gut investiertes Geld. Die Briten haben alles richtig gemacht. Frage ist aber, wenn eine Nettozahler bezahlen muss für den Austritt, mit dem Hinweise auf länger laufenden Verträge, bekommen Nettokassierer dann Geld für den Austritt mit der selben Begründung?
w.diverso 06.08.2017
5. So gehen einfach Verhandlungen!
Am Anfang legt mal jede Partei ihre Maximalforderungen auf den Tisch, und dann wird geschaut wie der andere reagiert. GB hat halt damit angefangen, dass sie gar nichts zahlen wollen. Jetzt sind es angeblich schon 40 Milliarden, die aber noch an Wunschbedingungen geknüpft. Leider haben sie bei den Verhandlungen eindeutig die schlechtere Position, also werden sie noch mehr bieten müssen. Unangenehm für sie, aber so ist halt die Realität. Über die kann auch ein Boris Johnson nicht drüberspringen. Am Ende werden die Briten viel zahlen um einen offenen Marktzugang zu haben, aber mitreden dürfen sie dann nicht mehr. Das Volk (zumindest der Teil der weniger nachdenkt) hat es so gewollt!
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