Jahrhundertereignis in Brüssel Der Brexit hat begonnen

Jetzt verhandeln die Chefunterhändler von Großbritannien und der EU in Brüssel über den Austritt aus der Gemeinschaft. Drei Kernthemen stehen zum Auftakt im Fokus.

Brüssel: Brexit-Unterhändler erstmals an einem Tisch (Archivbild)
AFP

Brüssel: Brexit-Unterhändler erstmals an einem Tisch (Archivbild)


Fast genau ein Jahr nach dem Referendum der Briten für den EU-Austritt sitzen die Brexit-Unterhändler erstmals am Verhandlungstisch. Um 11 Uhr begannen am Montag in Brüssel die Gespräche, geleitet von EU-Chefunterhändler Michel Barnier und dem britischen Brexit-Minister David Davis.

Der britische Außenminister Boris Johnson geht von einem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen aus. "Ich denke, der Prozess wird ein glückliches Ende finden, und ich denke, er kann so gestaltet werden, dass er für beide Seite profitabel und würdevoll ist", sagte Johnson am Montag am Rande eines EU-Ministertreffens in Luxemburg. Das Wichtigste sei seiner Meinung nach, über die zukünftige Partnerschaft nachzudenken, die aus britischer Sicht eng und besonders sein soll. "Langfristig wird das gut für das Vereinigte Königreich und für den Rest von Europa sein."

Mehrere EU-Außenminister riefen zur Eile in den Gesprächen auf. "Es ist jetzt ein Jahr, dass dieses Referendum stattgefunden hat", sagte der Luxemburger Jean Asselborn mit Blick auf die britische Entscheidung für einen EU-Austritt im Juni 2016. "Die Zeit läuft davon. Das ist ein Jahrhundertereignis, das sind keine Peanuts, was da zu verhandeln ist." Man müsse den in den EU-Verträgen festgesetzten Tag des Brexits Ende März 2019 im Blick haben. Bei der ersten Verhandlungsrunde am Montag in Brüssel werde es nach seiner Einschätzung zunächst nur ein Abtasten beider Seiten geben.

EU-Chefunterhändler Barnier (Mitte) und Brexit-Minister Davis (Zweiter von links)
AP

EU-Chefunterhändler Barnier (Mitte) und Brexit-Minister Davis (Zweiter von links)

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz sagte vor dem regulären Treffen mit seinen EU-Kollegen in Luxemburg: "Man darf diesen Zustand, der im Moment herrscht, nicht ewig in die Länge ziehen, sondern der Brexit muss abgewickelt werden." Er werde sich für eine Lösung einsetzen, die es weniger attraktiv mache, außerhalb der EU zu sein als innerhalb.

Die EU hat bei den Verhandlungen eine Abfolge vorgegeben, die Großbritannien inzwischen offenbar akzeptiert. Zunächst soll über drei wichtige Themen gesprochen werden:

  • Die Rechte der rund 3,2 Millionen EU-Bürger in Großbritannien und der rund eine Million Briten in den bleibenden 27 EU-Ländern.
  • Die Abschlussrechnung für die britische EU-Mitgliedschaft, die sich Schätzungen zufolge auf rund 100 Milliarden Euro belaufen könnte.
  • Die weitere Durchlässigkeit der Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und dem britischen Nordirland.

Die britische Regierung geht nach der Wahlschlappe der Konservativen von Premierministerin Theresa May geschwächt in die Verhandlungen. Spekulationen über eine Neuausrichtung der Brexit-Politik erteilte London aber eine Absage. May will ihr Land nicht nur aus der EU, sondern auch aus dem Binnenmarkt und der Zollunion führen und stattdessen ein besonderes Freihandelsabkommen abschließen.

Der CDU-Europapolitiker Elmar Brok warnte die Regierung in London vor einem harten Brexit. Wenn bei den Verhandlungen kein Ergebnis erzielt werde, sei Großbritannien "am 29. März 2019 draußen" und in den Handelsbeziehungen nur noch ein "Drittstaat" nach den Regeln der Welthandelsorganisation WTO, sagte der Brexit-Beauftragte der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament am Montag im ZFD-"Morgenmagazin".

als/dpa/AFP

insgesamt 184 Beiträge
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Seite 1
lartner 19.06.2017
1.
- die britische Position ist geschwächt. Wenn die Schwäche derart häufig benannt wird, dann wird aus einer Schwäche eine Stärke, siehe Griechenland, welches quasi jeden Monat gerettet wird.
dirtygary 19.06.2017
2. Eine Abschwur an die Zukunft
England beweist sein Inseldasein, seine Unfähigkeit über den Ärmelkanal hinaus zu denken. Es wird schwer für die EU und es wird katastrophal für England.
mikelinden 19.06.2017
3.
"Langfristig wird das gut für das Vereinigte Königreich und für den Rest von Europa sein." Arrogant wie immer, bei solcher Wortwahl wünscht man sich, dass es langfristig gut für Europa sein wird und der Rest des Vereinigten Königreichs bleiben kann wo es will.
Marellon 19.06.2017
4. Arrogante Erpresserbande
Die EU-Bonzen verkommen immer mehr zu einer arroganten Erpresserbande. Das können sie sein, weil sie wissen, dass die Bevölkerung der EU-Länder kaum etwas zu sagen hat, sobald sie mal ihre Parlamente gewählt hat. Hätte sie, die Bevölkerung, was zu sagen, würden weitere Mitglieder aus der EU Reissaus nehmen. Schade - die EU ist eine gute Sache, aber sie ist in mancherlei Beziehung pervertiert.
Ottokar 19.06.2017
5. Das ist doch wohl leicht überzogen
gleich von einem "Jahrhundertereignis" in Brüssel zu schreiben..........
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