Sorge wegen Brexit Immer mehr Briten beantragen irischen Pass

Rund sechs Millionen britische Bürger haben Anspruch auf einen irischen Pass - und wegen des drohenden Brexits machen sie von diesem Recht auch häufiger Gebrauch. Die Zahl der Anträge stieg 2018 noch einmal stark.

Irische Pässe (Symbolbild)
Getty Images

Irische Pässe (Symbolbild)


Am 29. März 2019 will sich Großbritannien aus der Europäischen Union verabschieden - so zumindest der bisherige Plan. Ob dieser Aussicht beantragen deutlich mehr Briten einen irischen Pass. Ihre Zahl sei 2018 um 22 Prozent auf fast 100.000 gestiegen, wie das irische Außenministerium am Montag mitteilte.

Noch 2015 waren es lediglich 46.000 gewesen. Jeder, der in Irland oder Nordirland geboren wurde oder dessen Eltern oder Großeltern aus Irland stammen, kann einen irischen Pass beantragen. Das trifft auf etwa sechs Millionen Briten zu, die so die doppelte Staatsbürgerschaft bekommen könnten.

Irland ist nicht Teil des Vereinigten Königreichs und wäre auch über 2019 hinaus weiterhin Mitglied der Europäischen Union. Eine entscheidende Frage bei den Verhandlungen ist, wie mit der Abgrenzung zu Nordirland im Norden der irischen Insel umgegangen werden kann. Eine neue, harte Grenze soll unbedingt vermieden werden, auch um den Nordirlandkonflikt nicht neu aufflammen zu lassen.

In Deutschland stieg die Zahl der eingebürgerten Briten zuletzt ebenfalls kräftig an: 2017 beantragten mit 7493 Briten so viele wie nie zuvor einen deutschen Pass.

Unklar ist, ob es dem britischen Parlament bis zum März-Termin gelingt, ein Austrittsabkommen zu verabschieden oder ob es zu einem Brexit ohne Folgevereinbarung kommt. Dies hätte schwere Konsequenzen für die Wirtschaft und viele andere Lebensbereiche zu Folge.

Handelsminister spricht von "50 zu 50"-Chance

Für einen solchen Fall bereitet sich London inzwischen verstärkt vor. Einem BBC-Bericht zufolge schloss die britische Regierung in den vergangenen Monaten Verträge in Höhe von knapp 108 Millionen Britischen Pfund (umgerechnet rund 120 Millionen Euro) mit Fährgesellschaften ab, um Engpässe am Hafen von Dover mithilfe von gecharterten Fähren zu vermeiden.

Zusätzliche Fähren am Ärmelkanal gechartert
DPA

Zusätzliche Fähren am Ärmelkanal gechartert

Allerdings gibt es auch immer wieder Stimmen, die sich mit der Möglichkeit einer Abkehr Großbritanniens vom Brexit beschäftigen. Zuletzt hatte sich der britische Handelsminister Liam Fox in einem Interview mit der "Sunday Times" geäußert. Sollte das britische Parlament das mit Brüssel ausgehandelte Austrittsabkommen im Januar ablehnen, stünden die Chancen "50 zu 50", dass der Brexit nicht stattfinde.

Premierministerin Theresa May hatte die eigentlich für den 11. Dezember vorgesehene Abstimmung auf Mitte Januar verschoben, weil sich eine deutliche Niederlage abgezeichnet hatte. Sie muss mit dem Widerstand von rund hundert Abgeordneten in den eigenen Reihen rechnen.

jok/dpa



insgesamt 91 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
koch-51 31.12.2018
1.
Diese Nachricht muss beim Kampf gegen den Brexit prominent in den englischen Medien platziert werden. Wenn sie nur in Deutschland erscheint, hat das keine Bedeutung, den die Deutschen vor einem Schritt wie den Brexit zu warnen, ist nicht nötig
HerrPeterlein 31.12.2018
2. Unbedeutend
Auch wenn 22% mehr oder doppelt soviele nach viel klingt, ist das keine relevante Zahl. Klingt ein bisschen so, Hauptsache etwas schreiben. In der Summe würden dann nichtmal 200.000 Briten einen "EU-Pass" beantragen, eine sehr kleine Gruppe. Oder mehr als 95% die einen irischen Pass beantragen könnten, machen es nicht.
hru 31.12.2018
3.
Zitat von HerrPeterleinAuch wenn 22% mehr oder doppelt soviele nach viel klingt, ist das keine relevante Zahl. Klingt ein bisschen so, Hauptsache etwas schreiben. In der Summe würden dann nichtmal 200.000 Briten einen "EU-Pass" beantragen, eine sehr kleine Gruppe. Oder mehr als 95% die einen irischen Pass beantragen könnten, machen es nicht.
Wird es: https://www.theguardian.com/politics/2018/dec/31/record-number-of-britons-seeking-irish-passports-ahead-of-brexit 100.000 von 6 Mio klingt erst mal nicht so viel, es ist aber schon eine kleine Großstadt. Und bisher sind es ja nur die Leute die vorsichtig sind, sollte es wirklich zum Brexit kommt sehen wir vermutlich noch ganz andere Zahlen. Wie hoch die Gesamtzahl ist, die einen EU Pass beantragen steht da ja gar nicht. Deutschland ein paar Tausend jedes Jahr aber in Deutschland leben nicht soviele Briten. Was passiert wohl in Frankreich und Spanien?
susuki 31.12.2018
4.
Keine Angst, die Welt geht nicht unter wenn statt 30 Sorten Kartoffelchips eine weile nur drei Sorten in den Regalen stehen. Viele Briten werden, ab April, einen Sabatical nehmen, von dem sie ihren Enkeln noch erzählen werden. Relax, very British. Nach einem Gurken-Sandwich sie die Welt schon ganz anders aus.
Trevor Philips 31.12.2018
5.
Zitat von koch-51Diese Nachricht muss beim Kampf gegen den Brexit prominent in den englischen Medien platziert werden. Wenn sie nur in Deutschland erscheint, hat das keine Bedeutung, den die Deutschen vor einem Schritt wie den Brexit zu warnen, ist nicht nötig
Natürlich würden die Medien im UK nie über die gigantische Anzahl von Briten die in Deutschland oder Irland die Möglichkeit einer doppelten Staatsbürgerschaft wahrnehmen berichten. Immerhin 1.67% der Berechtigten im Fall Irland und rund 6.4% der im Jahre 2017 in Deutschland lebenden Briten. Seien wir also ehrlich, einen richtigen Run haben wir hier nicht zu verzeichnen, auch wenn der Artikel richtig mit den Zahlen claast , Shoddy workmanship wie der Engländer sagen würde.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.