Neuer britischer EU-Kommissar Cameron nominiert Diplomaten Julian King

Aus Ärger über das Brexit-Votum schmiss der bisherige britische EU-Kommissar hin. Jetzt ist ein Nachfolger für Jonathan Hill gefunden - der arbeitet aber noch in Frankreich.

Julian King (r.), britischer Botschafter in Frankreich
AFP

Julian King (r.), britischer Botschafter in Frankreich


Großbritanniens Premierminister David Cameron hat den britischen Botschafter in Frankreich, Julian King, als Nachfolger des zurückgetretenen EU-Kommissars Jonathan Hill vorgeschlagen. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker werde King am Montag empfangen und mit ihm sprechen, teilte Junckers Sprecherin in Brüssel mit.

EU-Finanzkommissar Hill hatte sein Amt wegen des Brexit-Votums niedergelegt. Hill hatte erklärt, er könne nicht einfach weitermachen, als sei nichts geschehen. Die Entscheidung seiner Landsleute habe ihn "sehr enttäuscht". Hill hatte seit 2014 für die EU-Kommission gearbeitet. Juncker erklärte sich grundsätzlich bereit, womöglich erneut einen Briten in die Kommission aufzunehmen.

London und die Europäische Union suchen derzeit weiter nach einem Weg, wie ein Austritt Großbritanniens aus der Staatengemeinschaft umzusetzen ist. Außerdem müssen London und die 27 verbleibenden Mitgliedstaaten klären, wie die künftige Beziehung der Briten zur EU aussehen soll.

Am 23. Juni hatten 52 Prozent der Briten für den Austritt aus der EU gestimmt, allerdings ist der formelle Austrittsprozess noch nicht im Gang. Bis zum Ausscheiden der Briten aus der Union in frühestens zwei Jahren bleibt Großbritannien Vollmitglied.

cht/AFP/dpa

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totalmayhem 08.07.2016
1.
Is ja witzig, Hill mag nicht weitermachen, als sei nichts geschehen, Cameron dagegen schon. Wenn die Briten raus wollen, waere die EU doch bescheuert, ihnen ein Mitspracherecht bei der Besetzung von Posten zu geben, erst recht nicht, wenn es um die so wichtige Position des Finanzkommissars geht. Ein Brite in diesem Job haette ja nur die eine Aufgabe, den EU-Austritt so vertraeglich wie moeglich fuer den Standpunkt London zu gestalten, natuerlich zu Lasten derer, denen die Mehrheit der Briten gerade den Finger gezeigt haben
kuac 08.07.2016
2.
Nach der Brexit-Entscheidung bleibt jeder britischer EU-Kommisar eine Lame duck. Niemand wird ihn ernst nehmen.
Thomassimo 08.07.2016
3. Britische Höflichkeit und britisches Fairplay
gibt's nicht mehr, hat sich aus der EU eben auch verabschiedet. Die wären ja schön blöd, wenn sie Cameron noch solche Personalentscheidungen treffen ließen.
ambulans 08.07.2016
4. wie bitte?
ein land, das raus will - und dessen wahrscheinlich nächster PM theresa may sein wird, eine entschiedene Brexit-befürworterin - bekommt trotzdem wieder einen EU-kommissarsposten: und was, wenn entscheidungen zu treffen sind, die über die rest-laufzeit der britischen EU-zugehörigkeit hinaus gehen? geht mr. king dann dafür raus, vor die tür? die briten sind draußen ...
discprojekt 08.07.2016
5. Also,
in den Denkfabriken werden wohl die Köpfe rauchen. Es muss doch möglich sein, alles ungeschehen zu machen. Den Völkern der EU muss das schluckbar gemacht werden. Die Karte mit den Sündenböcken zog ja nicht. Stimmen nochmal nachzählen? Wurde ein Wäschekorb übersehen? Oder hatte Putin irgendwie seine Finger drin? Blair hat das mit dem Irak vermasselt, Cameron mit der EU. Thatcher hat den Neokapitalismus in Europa eingeführt. Deshalb liebt das Establishment die Engländer ja so. Das schöne London und die Börse.
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