Protest gegen Brexit-Politik von Corbyn Sieben Labour-Abgeordnete verlassen Partei

Paukenschlag bei Labour: Sieben Abgeordnete der britischen Sozialdemokraten sind aus Protest gegen Parteichef Jeremy Corbyn ausgetreten. Hintergrund sind dessen Haltung zum Brexit - und Antisemitismus-Vorwürfe.

Labour-Abgeordnete Luciana Berger
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Labour-Abgeordnete Luciana Berger


Sieben Abgeordnete der oppositionellen Labour Partei haben ihren Austritt erklärt. Sie begründeten dies am Montag bei einer Pressekonferenz mit der Brexit-Politik von Parteichef Jeremy Corbyn sowie dem Umgang mit antisemitischen Tendenzen.

Besonders hart dürfte Labour der Rücktritt des charismatischen Abgeordneten Chuka Umunna treffen. Er gilt als Jungstar seiner Partei und führt eine Gruppe an, die ein zweites Brexit-Referendum fordert. Die sieben Mitglieder werden künftig als "unabhängige Gruppe" im Parlament vertreten sein, wie die Abgeordnete Luciana Berger in London auf einer Pressekonferenz bekannt gab (lesen Sie hier die Erklärung der Abgeordneten im Original).

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Chris Leslie
AFP

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"Die Partei, in die wir eingetreten sind, für die wir geworben haben und an die wir geglaubt haben, ist nicht mehr die Labour Partei von heute", sagte der Abgeordnete Chris Leslie. "Wir haben alles getan, um die Partei zu retten, aber sie wurde von der radikalen Linken gekapert." Der Betrug der Partei an Europa sei für alle sichtbar, so Leslie weiter. So ermögliche die Partei unter Corbyn den Brexit und verpasse es, den Bürgern die Chance eines zweiten Referendums zu geben.

Schon länger wird befürchtet, dass die Partei auseinanderbrechen könnte. Die Meinungen über Parteichef Corbyn, der auf Neuwahlen setzt, gehen weit auseinander. Viele werfen dem Alt-Linken vor, im Streit um den EU-Austritt zu lange keine klare Position bezogen zu haben. Ihm wird fehlender Enthusiasmus für die EU vorgeworfen. Corbyn äußerte sich enttäuscht über die Entscheidung der Abgeordneten.

Kürzlich stellte Corbyn Premierministerin Theresa May die Unterstützung seiner Partei in Aussicht, falls sie beim Brexit eine Zollunion und eine Anbindung an den EU-Binnenmarkt akzeptiere. May lehnte dies strikt ab. Großbritannien will die Europäische Union in knapp sechs Wochen - am 29. März - verlassen.

Zudem werden seit Jahren Antisemitismus-Vorwürfe gegen Corbyn und seine Partei erhoben. Im vergangenen Sommer räumte er öffentlich in einem Video ein, dass Disziplinarverfahren gegen antisemitische Parteimitglieder zu langsam und zaghaft betrieben worden seien. Kritiker werfen dem 69-Jährigen eine einseitige Unterstützung der Palästinenser im Nahostkonflikt vor.

cte/Reuters/dpa



insgesamt 72 Beiträge
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Seite 1
archi47 18.02.2019
1. Es gibt doch noch einige in diesem Parlament,
die vernünftigerweise erfahren wollen, was ihr Wähler nun über den Brexit nach Offenliegen aller Infos denkt. Jeder vernünfige Mensch darf sich korrigieren, wenn er vorschnell und uninformiert, oder auch desinformiert, eine Entscheidung getroffen hat. Dieses Parlament versucht dieses Recht zu unterlaufen mit Demokratiehinweisen. Also ob gerade Demokratie das Wissen über Fakten und Wahrheiten nicht als Voraussetzung bräuchte, um zu entscheiden ...
frenchie3 18.02.2019
2. May zum Vetschieben zwingen?
Ach, DIE ist dafür zuständig. Ich Dummerchen dachte das wäre an der EU zu entscheiden
knok 18.02.2019
3.
Bezüglich des Brexits mögen sie Recht haben, da ist Corbyn wirklich wankelmütig. Ich glaube aber, dass man innerhalb der Partei mehr hätte bewirken können. Wann Corbyn oder ein anderer hoher Posten in der Partei jemals etwas annähernd antisemitisches gesagt haben soll, erschließt sich mir nicht.
Emderfriese 18.02.2019
4. Anti
Zitat von knokBezüglich des Brexits mögen sie Recht haben, da ist Corbyn wirklich wankelmütig. Ich glaube aber, dass man innerhalb der Partei mehr hätte bewirken können. Wann Corbyn oder ein anderer hoher Posten in der Partei jemals etwas annähernd antisemitisches gesagt haben soll, erschließt sich mir nicht.
Es geht auch wohl weniger um einen Antisemitismus bei Corbyn, sondern eher um seinen Pro-Palästinenser-Kurs. Aber der lässt sich eben gut nutzen, um den Labour-Anführer zu denunzieren. Im Übrigen sagt die ausgetretene Gruppe doch klar, was die eigentlichen Hintergründe ihres Schrittes sind: der Kurs Corbyns ist ihnen zu links! Bin mal gespannt auf die Reaktionen der Basis der Partei, denn der hat gerade Corbyns konsequenter Linkskurs gefallen.
Essex Man 18.02.2019
5. Erste Bildunterschrift
Die Dame heißt Luciana Berger, nicht Shuker.
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