Brexit-Umfrage Mehr als die Hälfte der Briten will in der EU bleiben

Die Entscheidung für den Austritt aus der EU im vergangenen Jahr war denkbar knapp. Inzwischen spricht sich erstmals eine Mehrheit für den Verbleib aus - dabei haben nur wenige ihre Meinung geändert.

Brexit-Gegner vor dem britischen Parlament (Archiv)
AFP

Brexit-Gegner vor dem britischen Parlament (Archiv)


Einer aktuellen Umfrage zufolge ist inzwischen mehr als die Hälfte der Briten für einen Verbleib in der EU. Bei der von BMG Research durchgeführten Befragung sprachen sich 51 Prozent dafür aus, dass Großbritannien Mitglied der Europäischen Union bleibt. 41 Prozent wollen die Gemeinschaft verlassen.

Damit hätten die Gegner des Brexit die größte Mehrheit seit dem Referendum im Juni vergangenen Jahres, schreibt die britische Zeitung "Independent", die die Umfrage in Auftrag gegeben hatte. Dafür wurden zwischen dem 5. und 8. Dezember mehr als 1500 Briten befragt.

Am Freitag hatten sich die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder darauf geeinigt, die zweite Phase der Brexit-Gespräche zu beginnen. Dabei sollen die Handelsbeziehungen im Fokus stehen.

Neun von zehn bleiben bei ihrer Meinung

Der Grund für den Zuwachs der Brexit-Gegner liege vor allem darin, dass sich ehemalige Nichtwähler in der jüngsten Umfrage für einen Verbleib in der EU ausgesprochen hätten, sagte der Umfrageleiter Michael Turner der Zeitung.

Von den Gegnern und Befürwortern, die an dem Referendum teilgenommen hatten, waren neun von zehn bei ihrer Meinung geblieben. Damals hatten 52 Prozent der Briten für einen Austritt gestimmt, 48 Prozent für einen Verbleib.

Britische Politiker nahmen die Umfrage nun zum Anlass, um ein erneutes Referendum ins Spiel zu bringen.

brt/Reuters

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MütterchenMüh 17.12.2017
1. Zwickmühle
Seriös ließe sich dieses Umfrageergebnis , das so oder ähnlich alle paar Wochen in den Medien auftaucht, nur durch ein neues Referendum verifizieren oder durch Neuwahlen. Exit vom Exit ist in EU § 50 nicht geregelt. Lediglich § 50,5 spricht von einem Neuantrag der Mitgliedschaft. Dadurch das in Abs. 5 von einem Neuantrag der Mitgliedschaft gesprochen wird, ist es unwahrscheinlich, aber durchaus möglich, dass der EuGH eine Rückkehr zum vorherigen Stand zulässt. Oder, nächste Möglichkeit, alle EU-Mitgliedsstaaten stimmen einem Exit/Exit zu . Aber auch dies ist relativ unwahrscheinlich, weil so London mit all seinen Extrawürsten , festbetoniert in alle Ewigkeit, zurückkehren würde. Und ob das alle Mitglieder akzeptieren darf bezweifelt werden. Eines zeigt das Umfrageergebnis allerdings auch. Wollte London am Exit festhalten, hat es keine zusätzlichen 2 Jahre mehr Zeit. Das ist doch mal eine schöne Zwickmühle.
jotha58 17.12.2017
2. ob nun 52% dafür oder dagegen sind
ist doch mittlerweile unerheblich. Mr. Farage hatte sich seinerzeit mit Breitbart ins Bett gelegt und was Breitbart anfasst, das wird auch was. Mittlerweile ist die Brexitentscheidung mehrfach durch das Unterhaus gehechelt worden und da gibt es kein hin und her, je nach Lust und Laune. Wobei Mr. Farage zwar nicht im Unterhaus, aber im EU Parlament sitzt und auf seine 8.000 Euro plus Tagegeld verzichtet er nicht. Anscheinend ist selbst ihm nicht die EU derart verhasst. In Polynesien gab es vor ca. 100 Jahren einen netten Brauch. Da wurden unliebsame Herrscher mit einem toten Schwein verprügelt. Ansonsten halte ich von verbindlichen Volksbefragungen gar nichts und erst recht nicht bei solchen Entscheidungen und schon gar nicht auf der Basis. Ich persönlich würde allerdings nicht verbindliche Volksbefragungen begrüßen und davon recht viele. Dann hätten die Politiker die Chance den Willen des Volkes zu erfahren und könnten versuchen, ihre Gesetze in diese Richtung zu lenken. Aber man muss dann auch bedenken, dass ein Gesetz nicht nur für wenige Jahre gut ist.
at.engel 17.12.2017
3.
Meiner Meinung nach kann man so ein Referendum nicht rückgängig machen, ohne nachhaltig die Demokratie zu gefährden. Die tieferen Gründe, weswegen ein Mehrheit für den Brexit gestimmt haben, werden sich so schnell nicht ändern. Und diese Entscheidung nicht zu respektieren würde sicher eine Menge Wut auf die Londoner Eliten und die Demokratie schlechthin provozieren. Dann bleibt die Frage, was soll man mit 51%? Das ist bei solch einer entscheidenden Frage eigentlich vollkommen lächerlich. Man kann ja hier nicht alle vierzehn Tage von vorn anfangen, nur weil dann wieder ein paar Briten weniger gegen den Brexit sind.
mr559 17.12.2017
4. Referenden sind seit jeher Spielwiese fuer Populisten...
... und deswegen haben Referenden bei politisch heiklen Themen nix zu suchen. Man stelle sich vor man wuerde Referenden abhalten zum Thema wieviele Visa fuer Auslaender ok sind, welche Impfstoffe und Medikamente zugelassen werden, oder welche Pflanzenschutzmittel ein Bauer benutzen darf. Das schreit ja geradezu populistische Halbwahrheiten zum eigenen politischen Vorteil auszuschlachten. Und genau das ist in UK passiert. Da wurden soviele Unwahrheiten ueber die EU verbreitet, das tut im Nachhinein richtig weh. Schade dass sich bisher in Bruessel niemand traut, juristisch gegen offensichtlich politisch motivierte Rufschaedigung und die aktive Verbreitung von Unwahrheiten vorzugehen. Meinungsfreiheit darf nicht dazu missbraucht werden Menschen wohlwissentlich in die Irre zu fuehren.
Darjaan 17.12.2017
5.
Es war knapp. Eben. Und weil es knapp war könnte es in 3 Monaten schon wieder gernau anders herum ausschaun, deshalb ist das ständige Gejammer, die Briten wollten doch jetzt was anderes, sinnlos. Wenn solche Wahlergebnisse nicht mehr bindend sind und bei jeder kleineren Meinungsschwankung in Frage gestellt, kann man sich demokratische Wahlen direkt sparen und wieder Diktaturen einführen. Wo ist das Problem? Der Brexit sollte erstmal vollzogen werden und die Briten ohne die EU, und die EU ohne Briten. Dann kann man in 20-30 Jahren immer nochmal neu für einen Beitritt abstimmen lassen, wenn sich Dinge und Entwicklungen gefestigt und neu justiert haben.
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