Michel Barnier Verhandlungsführer sieht "90 Prozent Einigung" bei Brexit

Verständigen sich Großbritannien und die Europäische Union beim Brexit doch noch? EU-Unterhändler Barnier sieht weiter Probleme - betont aber auch: In den meisten Punkten herrscht Einigkeit.

Proeuropäische Demonstrantin in London
AP

Proeuropäische Demonstrantin in London


In den Brexit-Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien gibt es nur noch bei einigen wenigen Punkten Uneinigkeit. Bei 90 Prozent seien beide Seiten übereingekommen, sagte EU-Chefunterhändler Michel Barnier dem französischen Sender Inter Radio.

Dennoch bestehe die Gefahr, dass es nicht zu einem Abkommen über das künftige Verhältnis des Königreichs mit der EU komme. "Ich bin davon überzeugt, dass ein Abkommen nötig ist. Ich bin mir nicht sicher, ob wir eines bekommen", sagte Barnier.

Hauptstreitpunkt in den Verhandlungen ist nach wie vor die Frage der künftigen Grenze zwischen Irland und Nordirland. Auch beim EU-Gipfel am Donnerstag konnte das Problem nicht gelöst werden. Dennoch äußerten sich nach Gipfelende neben Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auch die britische Premierministerin Theresa May und Bundeskanzlerin Angela Merkel optimistisch, dass sich beide Seiten auf einen Austrittsvertrag einigen können.

Michel Barnier
AFP

Michel Barnier

Auf die Frage, ob die Irland-Problematik zu einem Scheitern der Verhandlungen führen könnte, sagte Barnier im Radiointerview allerdings: "Meine Antwort ist Ja." Zugleich zeigte sich Barnier vorsichtig optimistisch: Eine Einigung sei "schwierig, aber möglich."

Großbritannien tritt Ende März 2019 aus der EU aus. Die Gespräche zwischen London und Brüssel über die Modalitäten des Brexit kommen allerdings seit Monaten kaum voran. Ohne die Einigung auf einen Austrittsvertrag droht ein ungeordneter Brexit mit unabsehbaren Konsequenzen für die Wirtschaft. Eine Konsequenz offenbar: Immer mehr Briten beantragen deutsche Pässe.

May hatte sich am Donnerstag offen für eine längere Übergangsphase nach dem Brexit gezeigt. Dies sei eine der Ideen, um im Notfall eine feste Grenze auf der irischen Insel zu vermeiden, sagte die britische Premierministerin. Es gehe aber nur um einige Monate, und sie sei überzeugt, dass diese Notfalloption gar nicht gebraucht werde, betonte sie.

Provisorisch vereinbart ist bislang eine Phase bis Ende 2020, in der sich praktisch nichts ändert. Die EU schlägt vor, diese um ein Jahr auszudehnen und in der Zeit die dauerhaften Beziehungen zwischen der EU und Großbritannienzu klären.

Im Video: Analyse zum Brexit-Poker in Brüssel

SPIEGEL ONLINE

vks/AFP/dpa

insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
iffelsine 19.10.2018
1. Irland & Nordirland stehen in keinem Verhältnis zum
Schaden, der mangels BREXIT-Vereinbarung in der gesamten EU entstehen kann. Dann gibt es eben eine "harte" Grenze in Irland, die betrifft wenige tausend Menschen. Im Gegensatz hierzu stehen wirtschaftliche Verwerfungen/Schäden für Millionen Europäer. An Irland darf die Austrittsvereinbarung nicht scheitern !
m_s@me.com 19.10.2018
2. UK sitzt am kürzeren Hebel
Zuhause können und konnten die Tories schon immer alles; aber im Außenverhältnis mit der EU saßen sie schon immer am kürzeren Hebel. Was auch immer da erzielt wird: Die vier Prinzipien des EU-Marktes wird UK sicherlich nicht kaputt verhandelt haben.
frenchie3 19.10.2018
3. Kristallkugel ausgepackt und angeworfen
Was wird sich nach einer Verlängerung ändern? Meine Kugel sagt daß sich bei den britischen Regierenden die Einsicht durchsetzt und daß man ab sofort darauf hinarbeitet ein braves Mitglied des Verbundes zu werdrn wie beispielsweise die Schweiz. So, und jetzt Stecker raus und zum Altglas mit der Kugel, die Garantie ist eh schon vorbei
*Querdenker* 19.10.2018
4. Bei 90 % herrscht Einigkeit ...
Das nennt man Quantität. Qualität geht anders. Paare, die sich scheiden lassen wollen, sind sich sicher auch meist zu einem hohen Prozentdsatz einig. Wenn da der letzte Punkt der Vermögensaufteilung nicht wäre ... M. E. sagen Prozentzahlen gar nichts aus. Auch im Marburger Religionsgespräch 1529 hatten sich die Verhandlungsführer in 14 von 15 Artikeln geeinigt, also in 93,33 %. Am letzten ist die Chose dann gescheitert ....
nisse1970 19.10.2018
5.
Bei aller Mühe von Herrn Barnier (der übrigens einen tollen Job macht) fürchte ich, das jedwedes Abkommen der PM in ihrem eigenen Parlament um die Ohren fliegt. Eine Lösung der Grenzfrage ist der Versuch der Quadratur des Kreises.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.