Streit um Ausrichtung Nächster Labour-Abgeordneter verlässt Partei

Er schäme sich für seinen Chef Jeremy Corbyn: Mit Ian Austin tritt der nächste Abgeordnete bei Labour aus. Es geht um den Kurs der Partei - und viele einzelne Streitpunkte.

Ian Austin
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Ian Austin


Es sei die härteste Entscheidung seines Lebens gewesen: Der Labour-Abgeordnete Ian Austin hat nach Medienberichten die Partei verlassen. Er begründete den Schritt mit der Ausrichtung der Partei und diversen Problemen.

Labour sei am Boden, die extreme Linke bestimme den Kurs, es gebe eine Kultur des Antisemitismus und der Intoleranz, kritisierte Austin unter anderem gegenüber dem britischen Blatt "Express & Star". "Die Partei war mein Leben", sagte er weiter. Er schäme sich für die Partei mit ihrem Chef Jeremy Corbyn.

Jeremy Corbyn
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Jeremy Corbyn

Damit haben innerhalb weniger Tage bereits neun Mitglieder ihren Austritt erklärt, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Für Aufsehen hatte vor einigen Tagen der gemeinsame Rücktritt von sieben Labour-Abgeordneten gesorgt.

Austin hat nach eigenen Angaben aber keine Pläne, sich der neu gegründeten "Unabhängigen Gruppe" im Londoner Parlament anzuschließen. In dieser Gruppierung sind schon acht Abgeordnete, die die Labour-Partei aus Protest gegen Corbyns Führungsstil verlassen haben.

Schon länger wird befürchtet, dass die Partei auseinanderbrechen könnte. Die Meinungen über Corbyn, der auf Neuwahlen setzt, gehen weit auseinander. Viele werfen dem Alt-Linken vor, im Streit um den EU-Austritt zu lange keine klare Position bezogen zu haben. Ihm wird fehlender Enthusiasmus für die EU vorgeworfen.

Austin bezog sich in seiner Kritik auch auf den Umgang Corbyns mit antisemitischen Tendenzen. Seit Jahren werden Antisemitismus-Vorwürfe gegen Corbyn und seine Partei erhoben. Im vergangenen Sommer räumte er öffentlich in einem Video ein, dass Disziplinarverfahren gegen antisemitische Mitglieder zu langsam und zaghaft betrieben worden seien. Kritiker werfen dem 69-Jährigen eine einseitige Unterstützung der Palästinenser im Nahostkonflikt vor.

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Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels wurde der Austritt Ian Austins aus der Labour-Partei in direkten Zusammenhang mit der Unzufriedenheit über den Brexit gebracht. Tatsächlich nahm Austin die Antisemitismus-Vorwürfe gegen Parteichef Jeremy Corbyn zum Anlass, die Partei zu verlassen. Wir haben den Fehler korrigiert.

mho/Reuters



insgesamt 13 Beiträge
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Bibs1980 22.02.2019
1. Labours Seeheimer Kreis
Austin war als ausgewiesener Parteirechter schon lange erbitterter Corbyn-Gegner. Im Juli 2016 wurde er einer Unterhaussitzung verwiesen, nachdem er mit störenden Zwischenrufen seinen eigenen Parteivorsitzenden eine Schande nannte, als dieser Großbritanniens Beteiligung am Irak-Einmarsch 2003 kritisierte. Als überzeugter Brexiteer war er einer von drei Labour-Abgeordneten, die im Januar für Premierministerin Mays Deal gestimmt haben. Ich bin fest der Meinung, dass auch hierzulande die SPD prominente Parteiaustritte hätte, wenn sie endlich wieder sozialdemokratische Politik machen würde.
si-ar 22.02.2019
2. Integrity Initiative
Diese saubere Organisation hat eine wahre Schmutzkampagne gegen Corbyn gefahren und auch vor Verleumdungen, die dann brav in allen Medien verbreitet wurden, nicht zurückgeschreckt. Man muss nur immer ganz fest an die Redlichkeit von Geheimdienstablegern glauben. Die ausgetretenen Abgeordneten gehören überwiegend zur Blair-Fangruppe, die etwa dem Seeheimer Kreis der SPD entspricht und etwa die gleichen Ziele verfolgt, nicht unbedingt zum Nutzen der Mehrheit der Bevölkerung.
Outdated 22.02.2019
3. Ein großteil des Dramas Brexit
ist ja gerade auch das beide Parteien gerade Betonköpfe an der Spitze haben. Corbyns Neuwahlplan war zu keinem Zeitpunk realistisch, inzwischen ist er unmöglich. GB wird nie mehr sein was es mal war.
maturin001 22.02.2019
4. @Bibs1980, Beitrag Nr.1
Austin, Adoptivkind tschechischer Juden, verlässt Labour offenbar hauptsächlich aufgrund der zahlreichen Antisemitismusvorwürfe. Auch seine Kritik an Russland wurde von Labour nicht besonders honoriert. Bei der Position gegenüber Brexit ist er jedoch auf der Linie von Corbyn, der ja bekanntlich ebenfalls die EU verlassen will. Mit "Seeheimer Kreis" oder "sozialdemokratischer Politik" hat das alles herzlich wenig zu tun.
HerrPeterlein 22.02.2019
5. Und?
Was ändert sich daran, oder hat diese Meldung für eine Bedeutung. Die Briten die schon jetzt keine Zeit und Einigkeit mehr haben, splitten sich in noch mehr verschiedenste Gruppierungen auf im Unterhaus. Wie soll es so eine Lösung geben?
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