Brexit-Votum Nachfrage nach irischen Pässen steigt um 50 Prozent

Die Ausweisbehörden in Irland können sich vor dem Ansturm kaum retten: Immer mehr irischstämmige Briten beantragen ein Pass des Nachbarlandes, um nach dem Brexit weiter die Vorzüge der Europäischen Union zu genießen.

Parade zum Saint Patrick's Day in Dublin
DPA

Parade zum Saint Patrick's Day in Dublin


In den ersten sechs Monaten des Jahres haben mehr als 100.000 britische Staatsbürger irische Pässe beantragt, um ihre Zugehörigkeit zur EU zu sichern. Im Vorjahreszeitraum sind laut einem Bericht des "Guardian" 65.000 Anträge bei den Behörden in Irland eingegangen.

Die Zeitung beruft sich auf Zahlen, die das irische Außen- und Handelsministerium am Mittwoch veröffentlichte. Die um 50 Prozent gestiegene Nachfrage spiegelt den Wunsch der irischstämmigen Briten wider, auch nach dem EU-Austritt Großbritanniens die Vorzüge der Union zu genießen. Jeder, der einen irischen Elternteil oder Großelternteil hat, hat das Recht auf einen irischen Pass. Zusätzlich ermöglicht Großbritannien die doppelte Staatsbürgerschaft.

Selbst in Nordirland, wo viele Bürger sich zu Großbritannien zählen, riefen Politiker dazu auf, den irischen Pass in Anspruch zu nehmen. "Mein Rat ist: Wenn Sie zu einem zweiten Pass berechtigt sind, nehmen Sie ihn", twitterte etwa der London-treue Parlamentarier Ian Paisley junior bereits im vergangenen Juni.

Die irischen Behörden kommen unterdessen mit der Bearbeitung der Anträge kaum nach. In der ersten Jahreshälfte 2017 wurden bereits 500.000 Pässe ausgestellt - in den vergangenen vier Jahren waren es jeweils zwischen 632.000 und 670.000. Irland ist mit 4,6 Millionen Einwohner eines der bevölkerungsärmsten Länder Europas.

mja



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