+++Minutenprotokoll+++ Das war der historische Tag - noch einmal zum Nachlesen

Für Jean Claude Juncker war der Brexit eine "vollumfängliche Katastrophe", für David Cameron das Ende seiner Karriere, für Mitarbeiter des Auswärtigen Amts Anlass genug, sich zu betrinken. Hier alle Ereignisse im Minutenprotokoll.

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Seit 43 Jahren ist Großbritannien Mitglied der Europäischen Union. Doch damit ist es bald vorbei: Bei dem Referendum am Donnerstag hat eine Mehrheit der Briten für den Brexit gestimmt. Nach Auszählung aller Stimmen haben die EU-Gegner eine knappe Mehrheit. Premierminister David Cameron, der ein Gegner des Austritts ist, hat seinen Rücktritt angekündigt.
 
Wie reagiert die Welt? An dieser Stelle halten wir Sie, liebe Leser, über die Entwicklungen auf dem Laufenden.
Der Brexit geht auch an den Mitarbeitern des Auswärtigen Amts nicht spurlos vorbei. Zum Ausgleich melden die Diplomaten über die sozialen Netzwerke den Besuch eines Irish Pubs - um am nächsten Tag "wieder für ein besseres Europa" zu sorgen.
Sehr geehrte Leserinnen und Leser, ein langer Tag geht zu Ende. Wir bedanken uns und wünschen Ihnen ein schönes Wochenende!
Wir gehen jetzt in einen irischen Pub und betrinken uns. Ab morgen arbeiten wir dann wieder für ein besseres #Europa. Versprochen! #EUref 🇪🇺
"Prinzipiell bleibt es bei 27 Mitgliedern", erklärte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker im "heute-journal" des ZDF. Trotzdem sei die britische Wahlentscheidung ein verheerend. "Das, was die Briten entschieden haben, den Austritt aus der Europäischen Union, ist natürlich nicht nur eine mittlere Katastrophe, sondern eine vollumfängliche Katastrophe." Juncker zeigte sich auch persönlich betroffen: "Ich bin kein sentimentaler Mensch, aber ich bin sehr traurig."
Der Brexit sei "nicht der Anfang vom Ende der Europäischen Union", betonte Bundespräsident Joachim Gauck laut dpa in der bulgarischen Hauptstadt Sofia. Später am Tag wohnte er den Feiern zum 25. Jahrestag der Unabhängigkeit Sloweniens bei. Nach der britischen Brexit-Entscheidung sei er gerne zusammen "mit Freunden, die treu zu Europa stehen, Europa weiterbauen, verteidigen und schöner machen wollen", sagte Gauck bei der Ankunft in der Hauptstadt Ljubljana.
Zu umgehenden Verhandlungen über den Austritt forderte EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker Großbritannien auf. Er verstehe nicht, warum die britische Regierung bis Oktober für die Entscheidung brauche, ob sie den Scheidungsbrief schicke oder nicht. "Es ist keine einvernehmliche Scheidung", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Juncker aus einer Sendung der ARD. "Aber es war ja auch nie ein enges Liebesverhältnis." Er sei tief traurig über das Votum. "Aber das Projekt Europa läuft weiter."
Ohne Großbritannien fehlt dem europäischen Puzzle ein entscheidendes Teil. Wie ein Twitter-User illustrierte.
Der EU-Gipfel am Dienstag und Mittwoch der kommenden Woche wird ganz vom Nein der Briten zur EU bestimmt werden. Am Dienstagabend werde der britische Premier David Cameron den 27 übrigen Staats- und Regierungschefs die Lage in seinem Land nach dem Brexit-Referendum erläutern, teilte Donald Tusk als Präsident des Europäischen Rates mit. Am zweiten Gipfeltag sei dann eine Debatte ohne Cameron geplant. Dabei gehe es um praktische Aspekte des "Scheidungsprozesses" mit Großbritannien. Und die Zukunft der EU.
Der frühere EU-Kommissar Günter Verheugen kritisierte die europäischen Staats- und Regierungschefs scharf. Ihre Tatenlosigkeit sei für die gegenwärtige Situation mitverantwortlich, sagte er im "Mitteldeutschen Rundfunk", wie dpa berichtet. "Aber ich muss leider sagen, dass unsere Staats- und Regierungschefs die Zeit bisher nicht gefunden haben, eine wirklich ernsthafte Reform der Europäischen Union auf den Weg zu bringen", so Verheugen. "Und jetzt müssen sie es. Wenn sie es jetzt nicht tun, dann fliegt uns das ganze Projekt um die Ohren." Auch die britischen Politiker kritisierte Verheugen: Sie hätten es über Jahrzehnte versäumt, "den Wählern in Großbritannien klar zu machen, dass Europa mehr ist als ein wirtschaftliches Unternehmen."
US-Präsident Barack Obama hat nach eigenen Angaben mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Cameron telefoniert, meldet Reuters. Die besondere Beziehung zwischen Großbritannien und den USA werde weiterbestehen, sagt Obama.
Auch Irland sieht gute Chancen, britische Firmen auf die Nachbarinsel zu locken. Entsprechende Gespräche liefen bereits seit Monaten, sagte der Chef der staatlichen Investitionsagentur IDA, Martin Shannahan, der Nachrichtenagentur Reuters. Dublin konkurriert hier unter anderem mit Frankfurt und Paris. Auf der grünen Insel sind bereits internationale Konzerne wie Apple und Citigroup vertreten.
Die EU denke bereits über Strafen gegen die Briten nach, twittert die deutsche Satire-Website "Der Postillon": "EU verbannt Briten auf trostlose, verregnete Insel im Nordatlantik.“
Strafe für Brexit: EU verbannt Briten auf trostlose, verregnete Insel im Nordatlantik
#brexit
der-postillon.com/2016/06/brexit…

Frankreichs Finanzminister Michel Sapin stellt einen "roten Teppich" für die britischen Banken in Aussicht, die möglicherweise einen Standort im EU-Raum brauchen werden. Eine Anspielung auf einen Satz von Premierminister David Cameron von 2012, der die gleiche Geste für französische Firmen angekündigt hatte. Allerdings hege man keine bösen Absichten gegenüber den Briten, sagt Sapin laut Reuters: "Ich glaube, Großbritannien hat bereits genug politische, wirtschaftliche und finanzielle Probleme."
Der englische Nationalspieler Harry Kane ist vom Ergebnis des Referendums unbeeindruckt. "Ich weiß nicht genug darüber, um besorgt zu sein. Und ich denke, den anderen geht es genauso", zitiert ihn die Nachrichtenagentur dpa. Andere Fußballstars beziehen dagegen deutlicher Stellung. "Verdammter Mist! Was haben wir getan", twitterte der ehemalige englische Nationalspieler Gary Lineker. Und auch der deutsche Nationaltorwart Manuel Neuer bedauert die Entscheidung: "Ich kann nur sagen, dass man immer so ein Einheitsgefühl hatte und dass es ein bisschen schade ist, dass jetzt Großbritannien bzw. auch England nicht mehr dazu gehört.“
If EU27 unity now a priority then the meeting of EU "Founding 6" not quite "on message"
Das Treffen war schon länger geplant, aber nun hat es einen komischen Beigeschmack: Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat für Samstag Vertreter der anderen fünf EU-Gründungsstaaten nach Berlin eingeladen und will dort mit seinem französischen Amtskollegen ein gemeinsames Papier für eine "flexible Union" vorstellen. Das Treffen vermittele nicht gerade die Botschaft, dass die Einheit der 27 EU-Mitglieder nach dem Brexit-Votum nun eine Priorität sei, twitterte Estlands Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves. Zu den EU-Gründungsstaaten gehören Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg. Sie hatten 1957 die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) ins Leben gerufen.
Die Schotten haben schon angekündigt, ein neues Referendum über ihre Unabhängigkeit anzustreben, nun wird die Forderung auch in Nordirland laut. Der nordirische Vize-Premier Martin McGuinness von der Sinn-Fein-Partei fordert, die Nordiren müssten "über ihre Zukunft mitbestimmen" dürfen. Die Nordiren haben zu fast 60 Prozent für den EU-Verbleib gestimmt. Die Sinn-Fein-Partei strebt schon seit Jahren eine Vereinigung Nordirlands mit der Republik Irland an.
Die britische Entscheidung zum Austritt aus der Europäischen Union ist auch ein Rückschlag für die Verhandlungen zwischen den USA und der EU über ein Freihandelsabkommen. Der früheste realistische Termin sei nun 2018, heißt es.
"Großbritannien bleibt eine Weltmacht." Das behauptet zumindest der britische Uno-Botschafter Matthew Rycroft.
Jetzt ist klar, wie der Brexit kommen konnte: Nordirlands Fußballnationalspieler durften nicht wählen! Es ärgere ihn im Nachhinein, "dass ich den Spielern nicht die Chance zur Briefwahl gegeben habe", sagte Nordirlands Trainer Michael O'Neill in Paris. Dort treffen die Nordiren im Achtelfinale der Fußball-EM am Samstag (18 Uhr/ARD) auf Wales.
Den spanischen Stürmer Nolito lässt der Brexit eher unberührt. "Für mich ist es etwas, das mich im Moment nicht betrifft und eine Sache, von der ich nicht viel verstehe. Von daher ist es mir egal", zitiert ihn die "DPA".
Am kommenden Mittwoch wird das erste Treffen der Regierungschefs der 27 verbliebenen EU-Mitglieder stattfinden. Der britische Premierminister David Cameron wird nicht dabei sein.
Die Kindergeschichten rund um "Thomas, die kleine Lokomotive" genießen in England Kultstatus. Auf die Dampflok und ihre Freunde kommen allerdings Probleme bei der Freizügigkeit zu, wie ein Twitter-User feststellte.
Die Katalanen in Spanien sehen sich durch das Brexit-Votum in ihrem Streben nach Unabhängigkeit bestärkt. Nach Worten des Chefs der Regionalregierung, Carles Puigdemont, zeigt der Austritt der Briten aus der Europäischen Union, dass auch Katalonien seine Unabhängigkeit ohne Zustimmung der Zentralregierung in Madrid beanspruchen könnte, meldete Reuters.
Trennungswünsche hegen nach dem Brexit-Entscheid auch tausende Londoner.
Über 46.000 Menschen unterzeichneten bis Freitagabend eine Petition auf der Online-Plattform "change.org", in der Bürgermeister Sadiq Khan aufgefordert wird, die Hauptstadt für unabhängig zu erklären und ihren EU-Beitritt zu beantragen. "London ist eine internationale Stadt, und wir wollen im Herzen Europas bleiben", heißt es in der Petition: "Machen wir uns nichts vor - der Rest des Landes ist anderer Meinung. Deshalb sollten wir, statt bei jeder Wahl künftig passiv-aggressiv gegeneinander zu stimmen, die Scheidung vollziehen und mit unseren Freunden auf dem Kontinent zusammenziehen". Eine weitere Online-Petition mit dem Titel "London soll Teil der Europäischen Union bleiben" sammelte über 9000 Unterschriften, wie die Nachrichtenagentur AFP meldet.
Reißenden Absatz fand dieser Zeitungsverkäufer mit dem Wahlergebnis des Brexits, wie SPIEGEL-ONLINE-Reporter Martin Jäschke filmte.
Der kanadische Premierminister Justin Trudeau sieht die Wirtschaft seines Landes gut gewappnet gegen die negativen Folgen des Brexit. "Kanada hat enorme wirtschaftliche Fundamente, die wir mit wichtigen Investitionen in Infrastruktur und Wachstumsmaßnahmen für die Mittelklasse stärken", sagte der liberale Premierminister laut dpa. Trudeau betonte, wie bereits US-Präsident Barack Obama, die strategische Partnerschaft mit Großbritannien und der EU: "Wir werden die Beziehungen mit beiden weiter stärken, während sie unter sich eine neue Beziehung formen."
Wann tritt Großbritannien jetzt eigentlich aus der EU aus? Das Verfahren wird eingeleitet, indem der austretende Mitgliedstaat seine Entscheidung dem Europäischen Rat mitteilt, so steht es im Vertrag über die Europäische Union. Der britische Premier Cameron hat in seiner ersten Reaktion angekündigt, dass dieser Schritt erst nach seinem Rücktritt erfolgen soll - also frühestens im Oktober 2016. Ab dieser Meldung beginnt eine Frist von zwei Jahren, in der die EU und das Vereinigte Königreich über die Einzelheiten des Austritts und die künftigen Beziehungen verhandeln können. Während der Verhandlungen bleibt das Vereinigte Königreich grundsätzlich vollwertiges EU-Mitglied.

Donald Trump in Schottland: Brexit ist "fantastisch" - SPIEGEL ONLINE - Video

SPIEGEL ONLINEAm Tag des Brexit weilt US-Präsidentschaftsanwärter Donald Trump auf der britischen Insel. Der Brexit sei "fantastisch", kommentierte er ausgerechnet in Schottland, wo zwei Drittel der Bevölkerung gegen den Austritt aus der EU stimmten.
Die Deutsche Börse und die London Stock Exchange müssen nun um ihren geplanten Zusammenschluss bangen. Beide Unternehmen bekräftigten, die Fusion trotz des Brexit durchziehen zu wollen. Doch viele Experten gehen davon aus, dass die hessische Börsenaufsicht oder die EU-Kommission die rund 25 Milliarden Euro schwere Fusion untersagen werden. Und selbst wenn die Mega-Börse kommt: "Einen Sitz in London kann es für das gemeinschaftliche Unternehmen nach dem Brexit nicht mehr geben", sagte Unions-Fraktionsvize Michael Fuchs der Nachrichtenagentur Reuters.
Je älter, desto Brexit: So stimmten die Briten ab - aufbereitet von @dpa_infografik (fho) http://pbs.twimg.com/media/Club-2uXEAAbK5n.jpg

Mittlerweile bedauern einige Wähler, die für das Ausscheiden Großbritanniens gestimmt hatten, ihre Entscheidung. Ihrer Stimme beraubt, fühlt sich die eine Twitter-Userin, weil sie den "Lügen" geglaubt hatte. Beispielsweise war im Wahlkampf behauptet worden, dass Großbritannien 350 Millionen Pfund pro Woche an Brüssel überweisen würde.
I personally voted leave believing these lies and I regret it more than anything, I feel genuinely robbed of my vote😡😤😭
Mit dem Hashtag #ScotLond wehren sich Brexit-Gegner im Netz gegen den Austritt aus der EU. "Ich habe schnell ein neues Logo für unser neues Land gestaltet", twitterte Journalist Michael Shaw - und wurde tausendfach retweetet.
I've quickly designed a logo for our new country: #ScotLond http://pbs.twimg.com/media/CltJ4gaXIAAkj1-.jpg

Auf dem morgigen Treffen der EU-Gründungsstaaten in Berlin wollen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und sein französischer Kollege Jean-Marc Ayrault ein gemeinsames Papier vorlegen, in dem sie für eine "flexible Union" werben. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Demnach erkennen die beiden Minister darin an, dass manche EU-Staaten den Weg zu einer immer engeren Union nicht mitgehen wollen. Dafür solle es Raum geben. Dass zu dem Treffen nicht alle EU-Mitgliedstaaten eingeladen sind, hat Estlands Premier kritisiert.
Der ehemalige belgische Premierminister Guy Verhofstadt hat nachgerechnet. Rund 350 Milliarden habe das Vereinigte Königreich demnach in den letzten acht Stunden eingebüßt. Das ist wesentlich mehr als Großbritannien in den letzten 15 Jahren zum EU-Haushalt beigetragen hat, wie der Politiker twitterte.
In last 8 hours, UK lost $350bn, which is a greater amount than they contributed to EU budget over last 15 years - including rebate #Brexit
Der Brexit hat möglicherweise zur Folge, dass ein Studium für Deutsche in Großbritannien deutlich teurer wird. Studenten aus EU-Ländern zahlen an britischen Unis bisher die sogenannten "home fees" - wenn sie nicht als Erasmusstudenten ohnehin von den Studiengebühren ausgenommen sind. Nach einem Brexit könnten die deutlich höheren "overseas fees" fällig werden. Allerdings gibt es schon jetzt Ausnahmeregeln, etwa für Studenten aus der Schweiz. Und auch das Erasmus-Programm ist nicht an eine EU-Mitgliedschaft gekoppelt.
Der britische Journalist Jon Snow wundert sich nicht, dass gerade die jungen Briten gegen den Brexit waren. Sie drohen ihr Recht zu verlieren, in 27 anderen Ländern zu studieren, zu leben, zu lieben und zu arbeiten, wie Snow twitterte.
No wonder the young voted so strongly to Remain: they are now about to lose the right to study, live, love, and work in 27 other countries
Barack Obama war ein strikter Gegner eines britischen EU-Austritts. Jetzt akzeptiert der US-Präsident die Entscheidung des britischen Volkes, wie die Nachrichtenagentur Associated Press meldet. Großbritannien und die EU blieben für die USA gleichermaßen "unverzichtbare Partner". Auch Hillary Clinton, Obamas mögliche Nachfolgerin im Präsidentenamt, respektiert das britische Wahlergebnis.
Jetzt hat sich auch Russlands Präsident Putin zum Brexit geäußert. Und er will vor allem eines klarstellen: Russland habe mit der Entscheidung nichts zu tun. Der britische Premier Cameron hatte vor der Abstimmung gesagt, Putin würde sich über einen Austritt Großbritanniens aus der EU freuen. "Russland hat sich in die Frage eines Brexits nie eingemischt, nie darüber geäußert, es hat sie nicht beeinflusst und dies auch nie versucht", so Putin.
Mit der Europäischen Union kann Russland traditionell wenig anfangen. Für die russische Regierung zählt vor allem, wie es mit den Öl- und Gasexporten weitergeht. Der Brexit könnte den Ölpreis noch stärker schwanken lassen. Putin sagte, er sei zuversichtlich, dass sich die Märkte rasch erholen werden.
Eine Botschaft richtete Sadiq Khan, Bürgermeister von London, via Twitter an die vielen nichtbritischen EU-Bürger, die in der Stadt leben: "Ihr seid willkommen."
My message to the Europeans living in London - you are welcome here #LondonIsOpen http://pbs.twimg.com/media/CluG_zjWQAE8RQW.jpg

Video über Brexit-Leitfigur: Londoner buhen Boris Johnson aus - SPIEGEL ONLINE - Video

SPIEGEL ONLINEEr ist die Galionsfigur der Brexit-Bewegung: Als Boris Johnson heute sein Haus in London verließ, schlug ihm der geballte Zorn der EU-Befürworter entgegen.
Eine Rutschfahrt wie an den Börsen können seit heute auch Besucher des U.S. Bank Towers im kalifornischen Los Angeles erleben. Dort eröffnete eine Himmelsrutsche aus durchsichtigem Glas in rund 300 Meter Höhe. Über der Stadt können die Leute hinuntersausen. Das Video.

U.S. Bank Tower: Himmelsrutsche in 300 Meter Höhe - SPIEGEL ONLINE - Video

SPIEGEL ONLINERutschbahn statt Treppenhaus. An der Fassade des "U.S. Bank Towers" in L.A. rutschen Mutige vom 70. Stockwerk abwärts.
Sie sind die wahren Brexiteers: Die Banker, die nun bald London verlassen werden müssen. Allein bei J.P. Morgan sollen 1000 Mitarbeiter umziehen, weil die Bank den Londoner Standort verkleinert wird. (Quelle: fortune.com)
Der Ausgang des EU-Referendums bringt auch die ehemalige britische Kronkolonie Malta in Verlegenheit. Von Januar bis Juni 2017 wird die Mittelmeerinsel den EU-Ratsvorsitz führen. Das austrittswillige Großbritannien würde plangemäß ab Juli 2017 übernehmen. Präventiv tritt der maltesische Premier Joseph Muscat bereits Überlegungen entgegen, dass sein Land die EU-Ratspräsidentschaft länger übernehmen könnte. "Wir sind nicht offiziell angesprochen worden", sagte Muscat laut DPA. "Aber wir hätten lieber eine sechsmonatige Amtszeit."
Der Brexit stürzt auch den britischen Sport in eine ungewisse Zukunft. Ohne EU-Mitgliedschaft des Vereinigten Königreichs hätten allein rund hundert Fußballprofis der Premier League keine Arbeitserlaubnis erhalten, darunter mehrere Deutsche. Für Sportler aus Nicht-EU-Staaten hängt die Erteilung einer Arbeitserlaubnis in Großbritannien von der Weltranglistenposition des Herkunftslandes und den Länderspielen des Spielers ab - und künftig könnte dies auch für alle Sportler aus EU-Staaten gelten.
Berliner Start-ups könnten durch britischen EU-Austritt boomen. "Die deutsche Start-up-Hauptstadt Berlin ist der Gewinner des Brexit, London der Verlierer", sagte Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutsche Startups, Florian Nöll, der Nachrichtenagentur "DPA". Freude herrscht trotzdem nicht in der Branche. Insgesamt befürchten deutsche Internetunternehmer Nachteile für Europa im Wettbewerb mit der US-Konkurrenz durch ein Ausscheiden Großbritanniens aus der EU.
Das britische Reiseunternehmen Thomas Cook hat nach eigenen Angaben den Devisenverkauf über seine Homepage wegen der überwältigenden Nachfrage nach Euros ausgesetzt. In den Filialen vor Ort würden nur noch Beträge bis zum Limit von 1000 Pfund umgetauscht, meldet die Nachrichtenagentur Reuters.
Wladimir Putin gestern bei einer Konferenz in Usbekistan. Sein Kommentar zum Brexit: "Wir haben nichts damit zu tun!" (Foto: dpa)
Fans der Fantays-Serie "Game of Thrones" sorgen sich bereits um die Folgen der britischen Wahlentscheidung. Da die Serienmacher für die Dreharbeiten in Nordirland EU-Subventionen bekämen, wäre der Drehort in Gefahr.


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 144 Beiträge
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hansaeuropa 23.06.2016
1. Schicksal?
selbst wenn sich die Briten für den Brexit entscheiden, wird kaum etwas passieren. Bilaterale Verträge treten an die Stelle der EU VERTRÄGE. So what.
cicero_muc 23.06.2016
2. so oder so
Es wird weiter gehen. Ich würde mich zwar freuen wenn GB dabei bliebe aber wir können im Prinzip mit beiden Varianten leben. In's Unglück wird sich keiner stürzen wenn GB sich verabschieden sollte. Mit einer "stiff upper lip" und "keep calm and carry on" kriegen die Briten auch einen Brexit geregelt. Auch wenn das dann mal 10 - 20 Jahre dauert. Wie auch immer das Referendum ausgeht, wir werden aus jedem Ergebnis etwas machen können. .
thunderstorm305 23.06.2016
3. Ein kräftiger Warnschuss!
Wie es auch immer ausgehen wird, fest steht schon jetzt, dass die EU erheblich geschwächt ist. Man kann nicht einfach darüber hinweg sehen, dass die Hälfte der Briten gegen die heutige EU ist. Und diese Tendenzen findet man auch in anderen Ländern, wie Frankreich. Und was ich von Politik und auch den Medien so höre beruhigt mich da nicht. Man hat den Ernst der Lage nicht erkannt und möchte sich wenn möglich nicht mit den Argumenten der Gegenseite auseinandersetzen.
urknallmarinchen@yahoo.de 23.06.2016
4. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Ergebnis liebe Briten
Nur gemeinsam sind wir stark und können den globalen Herausforderungen so effizient und wirkungsvoll begegnen. Sicher wird es nach dem Referendum zu vielen Veränderungen im Brüssel kommen. Auch die EU wächst mit ihren Aufgaben und an ihren Problemen. Danke GB
Reziprozität 23.06.2016
5. Die Schlüsselrolle spielt nicht ...
... der Osten Englands oder London, die Schlüsselrolle spielt, ob eine Nation selbstbestimmt über ihren Weg entscheiden kann, oder ob sie ihre Souveränität an eine supranationale Bürokratie und deren Spitzenbeamte abgibt, auf deren Zusammensetzung, Herkunft und politische Ausrichtung der jeweilige Souverän dieser Nation - das Volk - keinen oder nur einen marginalen Einfluss hat. Sollten die Umfragen zutreffen, dann blieb für dieses Mal noch der Deckel auf dem Topf. Es wird - zunehmend - Situationen anderswo geben, wo er dem Juncker & Konsorten um die Ohren fliegen wird, die Saat ist draussen und irgendwann wird auch geerntet.
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