Brexit ohne Einigung Briten könnten Zugang zu Bankkonten verlieren

Die britische Regierung verkündet ihre Pläne für den Fall eines ungeordneten Brexit: Im Interesse der Stabilität will sie bestimmte EU-Vorschriften akzeptieren. In der EU lebende Briten könnte ein Austritt ohne Deal hart treffen.

Skyline von London (Archiv)
DPA

Skyline von London (Archiv)


Die britische Regierung will einseitig manche EU-Regeln akzeptieren und Finanzdienstleistern aus der EU weiterhin Zugang zum britischen Markt gewähren. Das soll selbst dann gelten, wenn das Land ohne einen Deal die EU verlässt. Die Details gehen aus Regierungsplänen für den Fall eines solchen ungeregelten Brexit hervor.

Großbritanniens Regierung präsentierte die ersten 25 von mehr als 70 sogenannten technischen Anmerkungen. Diese sollen Bürger, Firmen und öffentliche Einrichtungen auf den Fall eines ungeregelten Ausstiegs aus der EU vorbereiten. Die restlichen Hinweise sollen bis Ende September veröffentlicht werden.

Besonders unangenehm könnten die Folgen eines Brexit ohne Deal für Briten werden, die in der EU leben, aber Inhaber britischer Bankkonten sind. Diese könnten den Hinweisen zufolge den Zugang zu ihren britischen Konten verlieren. Ferner müssten Inhaber von Kreditkarten mit langsameren und teureren Zahlungen rechnen, wenn sie EU-Produkte kaufen.

Brexit-Minister Dominic Raab
REUTERS

Brexit-Minister Dominic Raab

Die Pläne sollen auch in dem Fall für Stabilität sorgen, dass es zu keiner Einigung mit der EU über den Austritt Großbritanniens kommt. Seit mehr als einem Jahr verhandeln die britische Regierung und die EU über den Brexit. Noch immer ist unklar, wie eine Trennung der Briten von der EU konkret aussehen soll. Stichtag für den Austritt Großbritanniens ist der 29. März 2019.

Auch die Möglichkeit, dass die Briten die EU ohne ein Abkommen verlassen, besteht weiterhin. Brexit-Minister Dominic Raab, der die Pläne vorstellte, bezeichnete dieses Szenario aber als "unwahrscheinlich". Raab äußerte sich zuversichtlich, dass ein "gutes Abkommen" mit der EU rechtzeitig vor dem im März geplanten Austritt zustande kommen werde. Die Verhandler hätten sich bereits bei 80 Prozent der Themen geeinigt, sagte Raab. Die Frage nach der künftigen Gestaltung der Grenze zwischen Großbritannien und dem EU-Mitglied Irland sei jedoch weiterhin nicht gelöst.

Auch EU-Verhandlungsführer Michel Barnier hatte am Dienstag nach einem Treffen mit Raab gesagt, die Gespräche gingen nun in die "Endphase". Die Verhandlungen sollten bis Oktober oder November abgeschlossen sein, damit die Parlamente der beteiligten Staaten die Vereinbarung noch rechtzeitig ratifizieren können.

asa/AP/Reuters/AFP



insgesamt 50 Beiträge
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PeterMüller 23.08.2018
1. Kurz vor Toreschluss wird es um Mitternacht...
... wieder einen EU-Deal geben, die Briten bekommen nicht alle Rosinen zugestanden, sondern nur 99%, wofür die Briten im Gegenzug max. die ohnehin fälligen Zahlungen leisten müssen und dann wird man es als EU-Verhandlungserfolg feiern, weil man doch "zum Wohle der Menschen" handele und "die Politik nicht auf dem Rücken der Bürger ihre Kämpfe" ausfechten dürfen, blablabla. Und statt dann ebenfalls den Austritt zu erklären und Rosinen zu picken, wird Deutschland wieder draufzahlen als größter Nettozahler, weil wir das Geld der Briten ausgleichen müssen. Kennt man alles, ist wie immer.
Thorongil 23.08.2018
2. Klingt jetzt nicht gerade
wie ein Rechtsstaat. Das Geld geht direkt an den Schatzkanzler, oder?
rudig 23.08.2018
3. natürlich,
werden sie sich einigen, obwohl es mit diesem Franzosen Barnier, der angeblich kein English sprechen (will), nicht einfach ist. Allerdings steht zuviel auf dem Spiel, sowohl für EU als auch für UK.
manicmecanic 23.08.2018
4. Unsinn kein Zugriff
ist der populistische Spruch mit die Auslandsbriten verlören ihren Zugang zu den eigenen Bankkonten.Es gab schon immer eine Menge Briten die nicht dauerhaft im UK leben.Als wenn keiner von denen nicht auch noch ein Konto dort hätte.Das wird zweifellos schwieriger dann,aber die Banken sorgen schon dafür daß ihre Kunden weiterhin damit arbeiten können.Sonst verdienen sie kein Geld mehr damit.Mittlerweile kann man sogar als Ausländer auf Konten in Ländern mit archaischem Gehabe wie die USA online zugreifen.Da wars bis vor wenigen Jahren sogar noch im Land ein Theater Geld zu transferieren von einem Konto zu einem anderen.Vonwegen mal eben eine Überweisung machen,nix da.Man mußte für quasi alles immer Schecks versenden und die wurden dann von der Empfängerbank gutgeschrieben.Ich glaube kaum daß das britische Banksystem so umständlich archaisch geregelt ist.
prince62 23.08.2018
5. Für die Brexitfans kommt nur ein Austritt ohne Vertrag in Frage
Wir sollten bei all den fast schon täglichen Meldungen über einen Brexitdeal zwsichen GB und EU nicht vergessen, daß für die absoluten Brexitfanatiker sowieso nur ein Ausritt ohne jegliche vertragliche Vereinbarung in Frage kommt, bzw. von Anfang an so gefordert wurde, genau so sehen ja die Alibiverhandlungen auch aus und Frau May, die ja bekanntermaßen eine absolute Brexitgegnerin war, hat keinerlei Kraft und Mut sich dem entgegenzustellen und Vernunft ist bei Populisten und deren Anhängern ein absolut unerwünschter Charakterzug, schließlich geht dann für GB das Goldene Zeitalter los, daß die EU ja verhindert hat, während die EU und deren Mitglieder nur noch ein Armenhaus sein werden und die Menschen in Not und Elend dahin vegetieren werden:-)
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