Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

EU-Referendum in Großbritannien: "Eine der größten Entscheidungen zu unseren Lebzeiten"

Brexit-Befürworter mit "Sagt Nein"-T-Shirt: Jeder fünfte Brite ist noch unentschieden Zur Großansicht
REUTERS

Brexit-Befürworter mit "Sagt Nein"-T-Shirt: Jeder fünfte Brite ist noch unentschieden

Should we stay or should we go? Die Briten stimmen darüber ab, ob sie die EU verlassen sollen. Das Land ist gespalten - ebenso wie die Regierung von David Cameron.

Am 23. Juni 2016 entscheidet sich Großbritanniens Zukunft: Dann werden die Briten darüber abstimmen, ob sie in der EU bleiben oder doch lieber austreten wollen. Wie die Entscheidung ausgeht, ist derzeit nicht vorherzusehen.

Schon am Montag wird das Londoner Unterhaus über die historische Abstimmung debattieren. Auch die Regierung von Premierminister David Cameron ist in der Brexit-Frage tief zerstritten. Cameron, der zuvor den anderen EU-Ländern bei einem Gipfel in Brüssel erhebliche Sonderrechte für die Briten abgetrotzt hatte, sagte, in der Gemeinschaft sei sein Land "sicherer, stärker und besser dran". Ein Austritt wäre ein Sprung ins Ungewisse.

Der Wahlkampf für das EU-Referendum ist bereits voll entbrannt. Mehrere Minister kündigten umgehend Widerstand gegen Camerons Linie an und plädierten für den Ausstieg aus der EU. Cameron machte aber klar, dass er sie gewähren lasse und nicht auf Kabinettsdisziplin bestehe.

"Wir gehen auf eine der größten Entscheidungen zu, die dieses Land zu unseren Lebzeiten trifft", sagte Cameron nach einer Kabinettssondersitzung am Samstag.

Am Vorabend hatte sich der EU-Gipfel in Brüssel nach zähem Ringen auf die von Großbritannien geforderten Zugeständnisse geeinigt. Vor allem die Vereinbarung, dass EU-Zuwanderer zeitweise weniger Sozialleistungen bekommen sollen, war umstritten. (Hier finden Sie eine Übersicht der Vereinbarungen.)

Eine von der Zeitung "Mail on Sunday" veröffentlichte Umfrage ergab, dass 48 Prozent der Befragten gegen einen Brexit sind und nur 33 Prozent dafür. Allerdings zeigten sich 19 Prozent noch unentschieden - um ihre Stimmen werden beide Lager werben.

Als prominentester Brexit-Befürworter outete sich Justizminister Michael Gove. Das Land sei außerhalb der EU "freier, fairer und besser dran", sagte Gove, der als enger Vertrauter und Freund Camerons gilt. Auch der einflussreiche Londoner Bürgermeister Boris Johnson will sich nach BBC-Angaben für den Austritt Großbritanniens aus der EU einsetzen - ihm werden Ambitionen nachgesagt, die Nachfolge Camerons anzutreten. Finanzminister George Osborne und Innenressortchefin Theresa May wollen dagegen für einen Verbleib in der EU kämpfen.

Der Chef der rechtspopulistischen Ukip-Partei, Nigel Farage, nannte den Brüsseler Kompromiss "wahrhaft erbärmlich". Oppositionschef Jeremy Corbyn warf Cameron zwar vor, das Referendum nur aus parteitaktischen Gründen abzuhalten. Seine Labour-Partei plädiere aber für einen Verbleib in der Gemeinschaft. Die schottische Nationalpartei SNP, die drittstärkste Kraft im Westminster-Parlament, ist ebenfalls für den Verbleib.

Sollten die Briten tatsächlich für den "Brexit" stimmen, droht der EU eine Krise mit unabsehbaren Folgen. Bisher ist in der Gemeinschafts-Geschichte noch nie ein Land ausgetreten. London trat 1973 der Gemeinschaft bei - damals hieß sie noch Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Bereits 1975 gab es ein Referendum, damals stimmten die Briten mit breiter Mehrheit für den Verbleib.

nck/dpa/AFP

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 74 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Bitte ein
ratem 21.02.2016
Ich hoffe auch ein "no" ... auch wenn die Folgen für die EU zunächst heftiger sind als bei einem "yes". Aber das ewige englische Gezerre um Sonderregeln hat dann endlich ENDLICH ein Ende! Es war über die Jahre einfach zu unerträglich geworden. Wenn ich wählen könnte, ob ich die Engländer aus der EU gerne heraus hätte ... ich würde bei "yes" ankreuzen.
2. Lächerlich
lachsn 21.02.2016
Wer glaubt in der heutigen Zeit globale Problemstellung National lösen zu können, wird sehr schnell auf der Nase landen. Meine Meinung: Lasst sie ruhig gehen, glaube was daraus resultiert kann ganz Europa eine Lehre sein.
3. Geht!
herjemine 21.02.2016
Geht! Geht mit Gott (und Queen), aber geht! Wenn Ihr die Osteuropäer inklusive Ostdeutschland mitnehmen wollt: Gerne!
4. Logisch
kuac 21.02.2016
Wenn die Politiker und Medien in GB gegen die EU hetzen, dann sind die Bürger gegen die EU sensibilisiert. Jetzt sollte man sich nicht wundern, wenn sie für ein NO stimmen.
5. Erbärmlich.
DirkSt 21.02.2016
Ein Austritt Großbritanniens wäre inzwischen der ehrlichere Weg. Schon seit Jahrzehnten nimmt man diverse Extrawürste in Anspruch ("Briten-Rabatt"). Bei allem, was die EU bisher ausmachte (gemeinsame Währung u.a.), hat man sich vornehm rausgehalten. Und aus dieser Sonderstellung heraus noch mehr EU "wegzuverhandeln", um (vielleicht) in der EU zu bleiben ... das ist doch abenteuerlich. Ich verstehe ich Bedenken der Briten vor Brüssel durchaus. Und vielleicht sind sie allein ja besser dran, vielleicht auch nicht. Aber mit diesem Rumgeeier - und eigentlich schon vor längerer Zeit - haben sie sich gedanklich längst aus einem solidarischen Europa verabschiedet.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: