Brexit Camerons Rücktrittsrede

David Cameron hat umgehend die Konsequenzen aus dem Brexit gezogen und seinen Rücktritt angekündigt. Auszüge aus der Rede des Premiers.


Die Auszüge aus der Ansprache von Cameron dokumentiert die dpa:

"Das Land hat gerade an einer gigantischen demokratischen Übung teilgenommen, vielleicht der größten unserer Geschichte. Mehr als 33 Millionen Menschen aus England, Schottland, Wales, Nordirland und Gibraltar haben ihre Meinung gesagt. Wir sollten stolz darauf sein, dass wir auf diesen Inseln den Menschen trauen, solche großen Entscheidungen zu treffen. (...)

Das britische Volk hat dafür gestimmt, die Europäische Union zu verlassen, und wir müssen seinen Wunsch respektieren. (...) Der Wille des britischen Volkes ist ein Befehl, der ausgeführt werden muss. Es war keine leichtfertige Entscheidung, nicht zuletzt deshalb, weil so viele verschiedene Organisationen so viele Dinge über die Bedeutung dieser Entscheidung gesagt haben. (...)

Ich möchte den Märkten und Investoren versichern, dass die britische Wirtschaft grundsätzlich stark ist. Und ich möchte auch den Briten, die in kontinentaleuropäischen Ländern leben, sowie europäischen Bürgern, die hier leben, versichern, dass sich ihre Situation nicht sofort ändern wird. Die Art und Weise, wie unser Volk reisen kann, wie unsere Güter bewegt oder wie unsere Dienstleistungen verkauft werden können, wird sich zunächst nicht ändern.

Wir müssen uns jetzt auf eine Verhandlung mit der Europäischen Union vorbereiten. Dazu brauchen wir den vollen Einsatz der Regierungen von Schottland, Wales und Nordirland, um sicherzustellen, dass die Interessen aller Teile des Vereinigten Königreiches geschützt und gefördert werden.

Dafür ist vor allem eine starke, entschiedene und engagierte Führung nötig. Ich bin sehr stolz und sehr geehrt, sechs Jahre lang der Premierminister dieses Landes gewesen zu sein. Ich glaube, wir haben große Schritte getan. Mehr Menschen denn je in unserer Geschichte haben Arbeit. Wir haben den Wohlfahrtsstaat und das Bildungswesen reformiert. Wir haben den Menschen mehr Möglichkeiten für ihr Leben gegeben und eine größere und stärkere Gesellschaft geschaffen. Wir haben unsere Versprechen an die ärmsten Menschen der Welt gehalten und denen, die sich lieben, unabhängig von ihrer sexuellen Identität ermöglicht zu heiraten. Vor allem haben wir aber die wirtschaftliche Stärke Großbritanniens wiederhergestellt. Ich bin all denen dankbar, die dazu beigetragen haben.

Ich war auch immer der Meinung, dass wir uns großen Entscheidungen stellen müssen, statt ihnen auszuweichen. (...) Deshalb haben wir ein faires, rechtmäßiges und entscheidendes Referendum in Schottland durchgeführt. Und aus diesem Grund habe ich auch versprochen, die Rolle Großbritanniens in der Europäischen Union neu zu verhandeln sowie das Referendum über unsere Mitgliedschaft abzuhalten, und diese Dinge auch ausgeführt.

Ich habe diese Kampagne auf die einzige Art und Weise geführt, die ich kenne: direkt und leidenschaftlich für das, was ich denke und fühle - mit Kopf, Herz und Seele. Ich habe mich nicht zurückgehalten. Ich habe meine Überzeugung, dass Großbritannien innerhalb der Europäischen Union stärker, sicherer und besser dran ist, absolut klargemacht. Und ich habe klargestellt, dass es in dem Referendum nur allein darum ging, und nicht um die Zukunft eines einzelnen Politikers, auch nicht meine eigene.

Aber das britische Volk hat eine sehr klare Entscheidung getroffen, einen anderen Weg zu gehen. Und deshalb glaube ich, dass das Land eine neue Führung braucht, um diese Richtung zu verfolgen. Als Premierminister werde ich alles mir Mögliche dafür tun, das Schiff in den kommenden Wochen und Monaten auf stabilem Kurs zu halten. Aber ich glaube nicht, dass es richtig wäre, der Kapitän sein zu wollen, der unserer Land auf sein nächstes Ziel zusteuert.

Es ist keine Entscheidung, die ich leichtfertig getroffen habe. Aber ich glaube, es ist im Interesse der Nation, eine stabile Phase zu haben, und danach die nötige neue Führung.

Wir müssen heute keinen konkreten Zeitplan festlegen, aber meiner Ansicht nach sollten wir darauf hinarbeiten, zum Beginn des Parteitags der Konservativen im Oktober einen neuen Premierminister im Amt zu haben. Es wird wichtig sein, Stabilität zu garantieren, und ich werde als Premierminister mit meinem Kabinett für die nächsten drei Monate im Amt bleiben. (...)

Die Verhandlung mit der Europäischen Union muss unter einem neuen Premierminister beginnen, und ich halte es für richtig, dass dieser neue Premierminister die Entscheidung trifft, wann er auf Artikel 50 zugreifen möchte, um den offiziellen rechtlichen Austrittsprozess aus der EU in Gang zu setzen. Ich werde in der nächsten Woche im Europäischen Rat sein, um sowohl die Entscheidung des britischen Volkes als auch meine eigene zu erklären.

Das britische Volk hat eine Entscheidung getroffen, die wir nicht nur respektieren müssen. Diejenigen auf der Verliererseite - einschließlich mir selbst - sollten zur ihrer Umsetzung beitragen. (...) Auch wenn ein Austritt aus Europa nicht der Weg war, den ich empfohlen habe, bin ich der Erste, der unsere unglaublichen Stärken lobt.

Ich habe schon zuvor gesagt, dass Großbritannien außerhalb der Europäischen Union überleben kann, und dass wir tatsächlich einen Weg finden könnten. Jetzt, da die Entscheidung für einen Austritt gefallen ist, müssen wir den besten Weg finden, und ich werde alles mir Mögliche tun, zu helfen.

als/dpa

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Aspekte plus 24.06.2016
1. Typisch David Cameron,
Da hat der Premier ja noch ein paar Monate Zeit, den "Scheidungsprozess" in seinem Sinne aufzugleisen. Fragt sich nur, was das sein wird.
joes.world 24.06.2016
2. Ein schwarzer Tag für den deutschen Steuerzahler.
Ein Netto-Zahler bricht weg. Die Wünsche der Netto-Empfänger bleiben. Deutschland wird mehr zahlen müssen. Ein wirtschaftlich denkendes Land ist weg. Deutschland steht mit Marktwirtschaftsverweigerern wie Frankreich, Italien und ev. bald Spanien (wenn eine Linke Regierung an die Macht kommen sollte) alleine da. Die wollen die EU-Wirtschaftstrukturen so ändern, dass man sich wirtschaftlich durchmogeln kann. So etwas geht eine Zeit gut. Wenn eine gewisse Substanz da ist, die man aufbrauchen kann. Ohne sie wieder zu erneuern. Und wenn man ein Deutschland hat, das Regeln akzeptiert, nach denen es am Ende mehr als bisher an die anderen zahlt. Und dafür selber seine Wettbewerbsfähigkeit vermindert.
Bueckstueck 24.06.2016
3. Unsinn im Quadrat
Zitat von joes.worldEin Netto-Zahler bricht weg. Die Wünsche der Netto-Empfänger bleiben. Deutschland wird mehr zahlen müssen. Ein wirtschaftlich denkendes Land ist weg. Deutschland steht mit Marktwirtschaftsverweigerern wie Frankreich, Italien und ev. bald Spanien (wenn eine Linke Regierung an die Macht kommen sollte) alleine da. Die wollen die EU-Wirtschaftstrukturen so ändern, dass man sich wirtschaftlich durchmogeln kann. So etwas geht eine Zeit gut. Wenn eine gewisse Substanz da ist, die man aufbrauchen kann. Ohne sie wieder zu erneuern. Und wenn man ein Deutschland hat, das Regeln akzeptiert, nach denen es am Ende mehr als bisher an die anderen zahlt. Und dafür selber seine Wettbewerbsfähigkeit vermindert.
Es st einfache Mathematik: Deutschland und GB sind die grössten Zahlungsempfänger, weil sie auch die grössten Zahler sind. Jetzt geht GB (womöglich aber nur England, Wales und Gibraltar) raus und zahlt nur nicht mehr, sie kriegen auch nix mehr. Der Topf wird kleiner und die Netto Empfänger kriegen auch weniger. Es ist also Unsinn hier jetzt die deutsche Opferrolle vom alleinigen Zahlmeister runterzubeten, insebsondere wenn Deutschland wie kein anderes Land auf jeder Ebene vom gemeinsamen Wirtschaftsraum und Währung profitiert hat und weiter profitiert. Und der ausgedachte Quatsch den du über Frankreich, Italien und Spanien auskübelst, ist gar keine Erwiderung wert.
TomRohwer 24.06.2016
4.
Wenn die EU meint, als Konsequenz aus dem Brexit enger zusammenwachsen zu wollen, sollte sie schon mal anfangen, Plan C, D, E und F zu schmieden. Die nächsten Austrittsreferenden sind dann nämlich nur noch eine Frage der Zeit...
santoku03 24.06.2016
5.
Zitat von joes.worldEin Netto-Zahler bricht weg. Die Wünsche der Netto-Empfänger bleiben. Deutschland wird mehr zahlen müssen. Ein wirtschaftlich denkendes Land ist weg. Deutschland steht mit Marktwirtschaftsverweigerern wie Frankreich, Italien und ev. bald Spanien (wenn eine Linke Regierung an die Macht kommen sollte) alleine da. Die wollen die EU-Wirtschaftstrukturen so ändern, dass man sich wirtschaftlich durchmogeln kann. So etwas geht eine Zeit gut. Wenn eine gewisse Substanz da ist, die man aufbrauchen kann. Ohne sie wieder zu erneuern. Und wenn man ein Deutschland hat, das Regeln akzeptiert, nach denen es am Ende mehr als bisher an die anderen zahlt. Und dafür selber seine Wettbewerbsfähigkeit vermindert.
"Der Deutsche Steuerzahler". Das ist das erste was Ihnen bei diesem Thema einfällt? Ich zahle auch Steuern, kann ich Ihnen versichern, aber diese Kleinkrämerei ist zum Fremdschämen.
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