Streit um Brexit Britischer Handelskammerchef Longworth zurückgetreten

Der Chef der britischen Handelskammer hatte sich für einen Brexit ausgesprochen, wenig später wurde er vorläufig suspendiert. Nun ist John Longworth offiziell zurückgetreten - "weil ich frei meine Meinung sagen möchte".

John Longworth
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John Longworth ist als Chef der britischen Handelskammer BCC zurückgetreten. Dies sei die alleinige Entscheidung von Longworth gewesen, teilte die Handelskammer in London mit. Auch ein Sprecher von Premierminister David Cameron erklärte, es sei kein Einfluss auf den Entschluss genommen worden.

Longworth war seit September 2011 im Amt. Vor wenigen Tagen hatte er sich für einen EU-Austritt Großbritanniens ausgesprochen. Kurz darauf wurde er vorläufig suspendiert. Londons Bürgermeister Boris Johnson - der ebenfalls für den Brexit wirbt - bezeichnete das als Einschüchterungskampagne. Im gegnerischen Lager seien "Agenten eines Angstprojekts" am Werk.

Longworth sei "nach langem Nachdenken und dank einer großen Erfahrung in der Wirtschaftswelt zu dem Schluss gelangt, dass ein Austritt besser wäre", erklärte Johnson. Dass der BCC-Chef nach der Äußerung dieser Meinung abgesetzt worden sei, halte er für "vollkommen skandalös".

Die Zeitung "Financial Times" hatte am Samstag berichtet, Longworth sei suspendiert worden, nachdem er seine persönliche Präferenz für ein Ausscheiden Großbritanniens am Donnerstag bei einem Besuch von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in London geäußert habe.

In einer Kurznachricht an den britischen "Guardian"schrieb Longworth nun: "Ich bin vom BCC zurückgetreten, weil ich in der Lage sein will, meine eigene Meinung über das EU-Referendum frei zu äußern." Der Rückzug sei allein seine Entscheidung gewesen.

Die Briten sollen am 23. Juni in einem Referendum über die weitere EU-Mitgliedschaft ihres Landes abstimmen. Um einen Austritt zu verhindern, haben die EU-Partner Cameron zahlreiche Sonderregeln zugesagt. So wurde Großbritannien unter anderem die Möglichkeit zugestanden, neu ins Land kommenden EU-Ausländern vier Jahre lang die Sozialleistungen zu verwehren.

aar/AFP



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