May in Peking Raus aus der EU, dafür mehr China

Großbritannien bereitet sich für die Zeit nach dem Brexit vor. Bei einem Besuch in Peking wirbt Premierministerin May für mehr Handel mit China - und schwärmt von einer "goldenen Ära".

Theresa May in China
AFP

Theresa May in China


Angesichts des geplanten Ausstiegs Großbritanniens aus der Europäischen Union will die britische Premierministerin Theresa May die Beziehungen zur chinesischen Regierung vertiefen. Es gebe "vieles, was im Handelsbereich gemacht werden kann", sagte May bei einem Treffen mit ihrem chinesischen Amtskollegen Li Keqiang in Peking. Sie wolle ihren Aufenthalt in China nutzen, um zu diskutieren, wie die "goldene Ära und die globale strategische Partnerschaft" beider Staaten ausgebaut werden könne.

Erste Schritte wurden bereits eingeleitet: Beide Seiten haben Wirtschaftsabkommen in Bereichen wie Luftfahrt, Finanzen, Landwirtschaft und im Gesundheitssektor unterzeichnet. May ging davon aus, dass während ihres Besuchs Abkommen im Umfang von rund neun Milliarden Pfund (etwa 10,2 Milliarden Euro) zustande kommen würden.

Li sagte, die Kooperation der beiden Länder werde "neue Früchte tragen". Die britische Entscheidung, die EU zu verlassen, mache für die bilateralen Beziehungen keinen Unterschied. Neben Handelsfragen sprachen die Regierungschefs auch über Probleme wie mangelnde Marktzugänge ausländischer Firmen in China, Überkapazitäten in der Stahlindustrie und den Schutz von Urheberrechten.

"Das Vereinigte Königreich und China werden nicht immer einer Meinung sein", schrieb May in der "Financial Times" zu ihrer Reise. "Aber als Partner, die dem freien Welthandel verpflichtet sind, können wir zusammenarbeiten und die Herausforderungen, die alle unsere Volkswirtschaften beeinflussen, angehen und bewältigen." Mit seinem schieren Gewicht als zweitgrößte Volkswirtschaft gestalte China die Zukunft der Welt.

May steht wegen der schwierigen Brexit-Verhandlungen mit der EU massiv unter Druck - auch bei den Brexit-Befürwortern in ihrer eigenen Partei. Am Dienstag hatte das britische Oberhaus mit der Debatte über das Brexit-Gesetz begonnen. Mit dem Gesetz soll der Eintritt Großbritanniens in die EU rückgängig gemacht, EU-Regeln sollen in britisches Recht übertragen werden.

vks/dpa/AFP



insgesamt 65 Beiträge
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marialeidenberg 31.01.2018
1. Warum nicht
Andere Mütter haben auch noch schöne Töchter. Und dass die Briten auf Dauer und ewig vor der EU-Tor als Bettler stehen um Handel mit den erlauchten Nachbar treiben zu dürfen, dieses Bild konnten sich nur die EU-Granden erträumen.
theobald t 31.01.2018
2.
Die Begeisterung der Chinesischen Gespächspartner hält sich ja in engen Grenzen. 9 Milliarden £ na ja , mehr als ein Appetithappen ist das nicht. Peanuts halt. Ich vermute die Zurückhaltung Pekings hat mit der gemeinsamen Geschichte zu tun, das ist ein Aspekt den die Briten unterschätzen. Der Stachel der Demütigung und Ausbeutung Chinas sitzt tief. China als Nation wie wir sie kennen (außer Tibet) hat eine 2300 Jahre alte Geschichte, mit 14 verschiedenen Herscherdynastien und all den Problemen die so etwas mit sich bringt. Gefühlt die schlimmste Zeit für die Chinesen waren die 200 Jahre Fremdherrschaft, und am übelsten trieben es die Briten, Stichwort Opiumkriege. For me is this Visit a real Mess. Best regards Mrs. May and good Lücke on your Mission. You Need ist really bad..
betonklotz 31.01.2018
3. Es heisst, daß Chinesen ein gutes Gedächtnis haben.
War da nicht mal was: Opiumkriege, Zeit der ungleichen Verträge? ;) Nun gut, ist alles lange her, aber wenn man den Chinesen etwas nicht nachsagen kann, ist es ja wohl das Denken in Quartalsbilanzen. Wer bei dem Geschacher am längeren Hebel sitzt, dürfte eigentlich allen klar sein. Außer den Brexiteers, versteht sich.
brux 31.01.2018
4. Humbug
EU Mitgliedschaft ist ja kein echtes Handelshindernis, wie Deutschland auch in China beweist. Übrigens hat Belgien mehr Handel mit Indien als die Briten, trotz historischer Verbindungen und gemeinsamer Sprache. Die Briten machen einfach sehr wenig was andere haben wollen.
Epsola 31.01.2018
5.
Das hat Russland sich auch mal gedacht und dann "überraschend" festgestellt, dass man ja nur Juniorpartner ist. Die Haltbarkeit von Großmachtsansprüchen wird man so nicht verlängern können.
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