Buchmacher in London Wetten, dass... die Briten in der EU bleiben?

In acht Tagen stimmen die Briten ab, ob sie in der EU bleiben. In Umfragen liegen die Brexit-Befürworter vorne. Bei Wettanbietern sieht das anders aus - und die lagen zuletzt oft richtig.

Zocken mit dem Brexit
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Aus London berichtet


Wie verrückt die Briten nach Wetten sind, zeigt sich in London sofort: West Kensington ist eine ruhige, kosmopolitische Wohngegend, viele Häuser haben den viktorianischen Charme des 19. Jahrhunderts. Direkt neben der U-Bahn-Station hat sich der Wettanbieter William Hill niedergelassen, das Unternehmen wirbt mit einem Lockangebot: "Bet now! 10 Pounds free bet" - zehn Pfund Startguthaben also.

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Heft 24/2016
Warum wir die Briten brauchen. Why Germany needs the British

An der nächsten Kreuzung drängen sich gleich drei Wettbüros nebeneinander: ein weiterer Laden von William Hill, gegenüber hat sich die Konkurrenz von Ladbrokes und Paddypower niedergelassen. Alle Läden sind gut gefüllt, neben einem jungen Anzugträger füllt ein älterer Mann mit Badeshorts und ausgetretenen Badelatschen seinen Wettschein aus.

Wettanbieter William Hill
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Wettanbieter William Hill

Neun Milliarden Euro setzt die Branche in Großbritannien pro Jahr um. Den Großteil natürlich mit Fußball. Aber die Briten wetten auf alles Mögliche - auch auf politische Ereignisse. "Welches Land verlässt als Erstes die Eurozone?" - "Wer wird neuer US-Präsident - Donald Trump oder Hillary Clinton?" Derzeitiger Renner ist das EU-Referendum am 23. Juni: Kommt es zum Brexit, oder bleiben die Briten in der Europäischen Union?

Die Wetten sind ein spannender Indikator: Im Gegensatz zu den Umfrageinstituten sagten die Buchmacher die jüngsten politischen Ereignisse richtig voraus. Verlassen die Schotten das Vereinigte Königreich? Nein, sagten die Zocker im Gegensatz zu den Demoskopen. Und lagen richtig. Gewinnt David Cameron die Parlamentswahl? Ja, legte sich die Wettgemeinde fest. Und behielt wieder recht.

Auch beim EU-Referendum deuten die Wettquoten auf einen anderen Ausgang hin als die Umfragen. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 55 bis 62 Prozent tippen die Buchmacher auf einen Verbleib der Briten in der EU. Aktuelle Umfragen sehen dagegen das Brexit-Lager vorne.

Warum ist das so? Ein Besuch bei Graham Sharpe hilft, diese Frage zu beantworten. Er arbeitet seit 40 Jahren für den Wettanbieter William Hill. Früher hat er noch selbst Wettscheine angenommen, mittlerweile vertritt er das Unternehmen in der Öffentlichkeit. "70 Prozent der Wetten beim Referendum sind pro Brexit", sagt Sharpe. "Aber 70 Prozent des Geldes werden dagegen gesetzt."

Das heißt: Kunden mit viel Geld tippen auf einen Verbleib in der EU - die Brexiteers setzen dagegen meist nur kleinere Summen zwischen fünf und zehn Pfund.

Laut Sharpe betragen die höchsten Einsätze, die auf einen Sieg des proeuropäischen Lagers gesetzt wurden, 60.000 und 100.000 Pfund. Für den Brexit seien bisher Einzelwetten in Höhe von maximal 10.000 Pfund abgegeben worden. Nigel Farage, der Chef der britischen Unabhängigkeitspartei Ukip, ist etwas vorsichtiger: Der Hardliner unter den EU-Gegnern gab an, 1000 Pfund auf den Ausstieg gewettet zu haben.

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Wettgewinn als Trost

Wichtiger für die Zocker in West Kensington ist in diesen Tagen indes die Europameisterschaft: Tahir, der die Wettscheine entgegen nimmt und selbst hofft, dass seine Landsleute gegen den Brexit stimmen, sagt, er habe an diesem Tag noch keine Wetten für das Referendum angenommen. Österreichs Niederlage gegen Ungarn und Portugals überraschendes Remis gegen Island treiben Tahirs Kunden stärker um.

"Zwei Drittel der politischen Wetten werden online abgeschlossen", erklärt Sharpe. Es sei ein komplett selbstständiger Markt, wer auf politische Ereignisse tippe, setze selten Geld auf Pferderennen oder Fußballspiele. Beim Schottland-Referendum seien bei William Hill insgesamt 3,25 Millionen Pfund eingesetzt worden.

Der Sprecher unterscheidet zwei Typen von Politik-Zockern: Zum einen gebe es die professionellen Spieler, die sich sehr gut auskennen und ihre Entscheidung von zahlreichen Faktoren abhängig machen - etwa einem Querschnitt aller Umfragen. Die zweite Gruppe seien Kunden, die absichtlich gegen ihre eigene Überzeugung tippen. "Wenn das Referendum dann nicht so ausgeht, wie sie es sich wünschen, trösten sie sich mit ihrem Wettgewinn", sagt Sharpe.

Er selbst werde für den Austritt aus der EU stimmen, verrät er. "1975 habe ich für Europa gestimmt", sagt Sharpe. Damals sprachen sich 67 Prozent der Briten dafür aus, in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zu bleiben, der Großbritannien erst zwei Jahre zuvor beigetreten war.

"Damals dachte ich, dass Europa uns aus wirtschaftlichen Gründen guttun würde", sagt Sharpe. "Heute denke ich, dass wir es alleine besser hinkriegen." Seine besten Kunden sind anderer Ansicht.

insgesamt 100 Beiträge
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Seite 1
HaioForler 16.06.2016
1.
Klar. Und mit allen Mitteln; wir kennen's doch. Die BreXit-Befürworter werden noch gaaanz knapp überholt. So bei 52% oder 50,00001%. Keine Bange. Das ist wie bei James Bond; erst in der letzten Sekunde wird der rote Draht durchgeschnitten.
Hilfskraft 16.06.2016
2. vermutlich ...
... wird das Ergebnis sooooo knapp ausfallen, dass Gemauschel zu vermuten ist.
Pfaffenwinkel 16.06.2016
3. Die Briten
sind zwar verrückt nach Wetten, sie sind aber auch vernünftig. Und deswegen werden sie m.E. in der EU bleiben - wetten, dass?
Roland Bender 16.06.2016
4. Redet Euch doch nichts ein.
Die Briten werden die EU verlassen. In den sozialen Netzwerken gibt es kaum Befürworter. Die Bewegung ist zu stark. Teilweise laufen 90% der Wetten pro Brexit. Wenn man die aufgeheizten Kommentare bei den Britischen Medien liest, kommt man auf die Idee, das sein ein eskalierter, kaum noch zu lösender Konflikt. Die Briten haben sich auf ihrer Insel eingeigelt und wollen nur noch raus. Die meisten zumindest. Ein paar Tage Zeit sind ja noch. Aber ich habe keine Hoffnung.
klasl 16.06.2016
5. EU-Austritt
Als Brite sehe ich im EU-Austritt nur einen richtigen Vorteil. Die Schuld für alle Mängel in unserem Lande würde danach endlich dort abgeladen, wo sie zum größten Teil hingehört – in Westminster. Es gäbe dann kein Verstecken hinter Brüssel mehr.
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