London Zehntausende demonstrieren gegen Brexit

Brexit-Gegner haben in London eine erneute Volksabstimmung gefordert. Zehntausende marschierten zum Parlament in Westminster. Zu einer Gegendemonstration kamen deutlich weniger Teilnehmer.

Demonstration in London
AFP

Demonstration in London


Zwei Jahre nach dem Brexit-Referendum haben Zehntausende Menschen in London gegen den Ausstieg aus der Europäischen Union demonstriert. Die Veranstalter sprachen sogar von mindestens 100.000 Teilnehmern, die bei Sonnenschein durch Teile der Hauptstadt bis zum Parlament in Westminster marschierten. Organisator war die Anti-Brexit-Kampagne "People's Vote", die eine neue Volksabstimmung fordert - dieses Mal über das Austrittsabkommen.

Manche Teilnehmer hatten offenbar auch ganz persönliche Gründe für die Teilnahme: "Ich habe eine italienische Frau, ich selbst arbeite in Cambridge und sie in Rom", sagte ein 62-jähriger Computerspezialist. Viele Mitglieder der oppositionellen Labour-Partei, der Liberaldemokraten, aber auch einige der regierenden Konservativen nahmen teil.

"Der Brexit ist noch nicht endgültig und nicht unvermeidlich, der Brexit kann rückgängig gemacht werden", sagte der Parteichef der Liberaldemokraten, Vince Cable, bei einer Kundgebung vor dem Westminster-Palast. "Das Votum, das vor zwei Jahren stattgefunden hat, ist nicht für immer."

Gegendemonstration in Westminster

Hunderte Brexit-Anhänger besuchten eine Gegendemonstration in Westminster, bei der unter anderem Fahnen der rechtspopulistischen Ukip-Partei und anderer Gruppierungen geschwenkt wurden.

Brexit-Hardliner im Kabinett verteidigten anlässlich des Jahrestags den geplanten EU-Ausstieg in scharfem Ton. Außenminister Boris Johnson griff in der Zeitung "The Sun" direkt Premierministerin Theresa May an. Er forderte sie dazu auf, keinen "halbherzigen Brexit" abzuliefern. Johnson warnte vor einem "Klopapier-Brexit", der "weich, nachgiebig und scheinbar unendlich lang" sei. Für seine Wortwahl wurde er von verschiedenen Seiten heftig kritisiert.

Schleppende Verhandlungen zwischen London und Brüssel

Handelsminister Liam Fox und Brexit-Minister David Davis betonten, dass auch der EU-Ausstieg ohne Abkommen eine echte Option für ihr Land sei. Dies sei kein Bluff, sagte Fox dem Sender BBC.

Die Briten hatten am 23. Juni 2016 mit knapper Mehrheit - 52 zu 48 Prozent - für die Scheidung von der EU gestimmt. Die ungefähr gleichmäßige Aufteilung der Wähler in EU-Gegner und EU-Befürworter hat sich auch zwei Jahre nach dem Referendum kaum geändert. Ein leichter Vorteil bei EU-Befürwortern in aktuellen Umfragen ist Experten zufolge auf Bewegung bei Nichtwählern zurückzuführen.

Die Verhandlungen zwischen London und Brüssel verlaufen sehr schleppend. Dabei will Großbritannien bereits Ende März 2019 die Staatengemeinschaft verlassen. Die Regierung ist zwar weiter auf dem Kurs eines harten Brexits mit Ausstieg aus Zollunion und Binnenmarkt, allerdings ist sie auch zerstritten. Unternehmen wie Airbus und BMW werden zunehmend nervös und monieren einen Mangel an Planungssicherheit für ihre Produktionsstätten in Großbritannien.

bbr/dpa/AFP



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