Nigeria Polizei verbietet Demonstrationen für entführte Mädchen

Die nigerianische Polizei hat Proteste für die entführten Mädchen untersagt. Sie befürchtet weitere Anschläge der Terrorgruppe Boko Haram.

Sicherheitskräfte am Rande einer Demonstration in Abuja: Hinweise auf "gefährliche Elemente"
REUTERS

Sicherheitskräfte am Rande einer Demonstration in Abuja: Hinweise auf "gefährliche Elemente"


Abuja - Seit Wochen fehlt von ihnen fast jede Spur, mehr als 200 Mädchen wurden in Nigeria von der Terrorgruppe Boko Haram entführt. Doch Anteilnahme ist nicht mehr erwünscht: Die nigerianischen Sicherheitskräfte haben Kundgebungen für die Freilassung der entführten Schülerinnen verboten. Dies gab der zuständige Polizeichef Joseph Mbu in der Hauptstadt Abuja bekannt.

Mbu begründete das Verbot mit Sicherheitsbedenken. Es gebe Hinweise darauf, dass "gefährliche Elemente" den Demonstrationszug mit Explosionen angreifen könnten, sagte Mbu laut der Zeitung "Nigerian Tribune".

Aktivisten der Gruppe "Bring Back Our Girls" (Bringt unsere Mädchen zurück) und Menschenrechtler kritisierten das Verbot. Sie wollten vor Gericht ziehen, um die Anordnung aufheben zu lassen, berichtete die Zeitung "Premium Times Nigeria".

Seit die überwiegend christlichen Mädchen vor fast zwei Monaten im Bundesstaat Borno verschleppt worden waren, war es in vielen Landesteilen immer wieder zu Protesten gekommen. Präsident Goodluck Jonathan hatte der Opposition zuletzt vorgeworfen, die Demonstrationen auszunutzen, um die Regierung zu destabilisieren.

Zu der Entführung der Schülerinnen hatte sich Boko Haram bekannt. Die Terrorgruppe hatte bereits vor Wochen angekündigt, sie werde die Geiseln als Sklavinnen verkaufen. Die Extremisten wollen im Norden Nigerias einen islamistischen Gottesstaat aufbauen, immer wieder gehen Gewaltattacken von ihnen aus.

Erst am Wochenende hatte es im Nordosten Nigerias wieder einen Bombenanschlag auf eine Bar und ein Bordell gegeben. Mehrere Dutzend Menschen kamen ums Leben. Zwar bekannte sich niemand zu der Tat, örtliche Medien schrieben den Anschlag aber Boko Haram zu.

kes/AFP

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