Brisante Geheimdokumente Palästinenser wollten Israels Siedlungen akzeptieren

Geheimdokumente belegen das beispiellose Angebot: Im Nahost-Friedensprozess war die palästinensische Führung zu weit größeren Konzessionen bereit, als sie öffentlich erklärte. Die Regierung Abbas wollte auf Land verzichten, in dem israelische Siedler gebaut hatten, so al-Dschasira und "Guardian".

Mahmud Abbas: War 2008 bereit zum Landverzicht, wie Dokumente jetzt offenbaren
AFP

Mahmud Abbas: War 2008 bereit zum Landverzicht, wie Dokumente jetzt offenbaren


Jerusalem - Fast alle israelischen Siedlungen, gebaut seit 1967 in und um Jerusalem, würde man akzeptieren - so lautete das Angebot der Palästinenser. Zu diesem massiven Zugeständnis war die Regierung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Jahr 2008 bereit. Das belegen Geheimdokumente, wie der Fernsehsender al-Dschasira und die britische Zeitung "Guardian" übereinstimmend berichten.

Die Zeitung berichtet von Tausenden Seiten vertraulicher Papiere, die mehr als ein Jahrzehnt der Verhandlungen zwischen Israelis, Amerikanern und Palästinensern dokumentieren, darunter zahlreiche vertrauliche Treffen. Demnach gelangte al-Dschasira an die Dokumente und gewährte den britischen Journalisten exklusiven Zugang zu dem Material. Der "Guardian" nennt es "die größte Enthüllung vertraulicher Papiere in der Geschichte des Nahost-Konflikts".

Demnach wurde das geheime Angebot zur Landnahme vom palästinensischen Chefunterhändler vorgetragen, als er sich mit amerikanischen und israelischen Vertretern traf. Den Berichten zufolge lautete es, Israel könne mit der Ausnahme einer Siedlung alle in Ostjerusalem befindlichen Siedlungen annektieren. Der Unterhändler betonte demnach, dass Israel so das größte Jerusalem in der Geschichte bekomme. Der "Guardian" berichtet, sowohl die USA als auch Israel hätten das Angebot aber als nicht ausreichend zurückgewiesen.

Palästinensische Vertreter weisen Berichte über Zugeständnisse zurück

Beide Seiten beanspruchen Jerusalem als Hauptstadt. Der Status der Stadt ist eines der heikelsten Themen bei den Verhandlungen. Die Dokumente zeigen jetzt, dass die Palästinenser bereit waren, für einen eigenen Staat weitaus mehr Land aufzugeben, als sie je öffentlich erklärten. Bei früheren Verhandlungsrunden, etwa im Jahr 2000 unter Jassir Arafat, hatten die Palästinenser solche Zugeständnisse noch abgelehnt. "Dies ist das erste Mal in der Geschichte, das wir einen solchen Vorschlag machen", wird ein palästinensischer Unterhändler zitiert.

Führende palästinensische Vertreter bestreiten die Berichte über die Zugeständnisse jedoch. Chefunterhändler Saeb Erekat nannte die Veröffentlichung in dem Fernsehsender al-Dschasira einen "Haufen Lügen". Die palästinensische Führung habe nichts zu verbergen, es gebe keine veränderte Position. Wenn die Palästinenser solche Zugeständnisse gemacht haben sollen, warum habe dann Israel keinen Friedensvertrag unterzeichnet, fragte Erekat. Auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas bezweifelte laut britischer BBC die Echtheit der Dokumente, auf denen die Berichte basieren.

Der britische "Guardian" kündigt unterdessen weitere Enthüllungen an: Das beispiellose Angebot der Palästinenser sei nur eines von mehreren Zugeständnissen, die Schockwellen in der arabischen Welt auslösen würden, schreibt die Zeitung.

Die Palästinenser machten das Angebot den Berichten nach im Juni 2008, infolge des Annapolis-Gipfels, der im Jahr zuvor stattfand. Mit der Konferenz wollte der damalige US-Präsident George W. Bush den Friedensprozess voranbringen.

otr/Reuters



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