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Schottische Unabhängigkeit: Briten bangen um ihren Atom-U-Boot-Hafen

U-Boote in Schottland: Malerischer Loch, graue Giganten Fotos
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Die britische Marine steht vor einem Problem: Ihre wichtigsten Atom-U-Boote liegen in einem Fjord in Schottland. Sollte sich das Land 2014 von Großbritannien abspalten, wären die Briten ohne Basis für die gewaltigen Kriegsgeräte. Nun erhöht London den Druck.

London - Im September 2014 stimmen die Schotten über ihre Unabhängigkeit ab. Für Großbritannien könnte das zu einem erheblichen militärischen Problem werden. Denn knapp 65 Kilometer westlich von Glasgow liegt die Faslane-Marinebasis - und darin ein großer Teil der britischen Atom-U-Boot-Flotte. Genau diese hätten viele Schotten lieber gestern als heute aus dem Land. Im britischen Verteidigungsministerium laufen nun Planspiele, wie der umstrittene Stützpunkt offen gehalten werden könnte.

Laut dem britischen "Guardian" geht einer dieser Pläne so: Erklären sich die Schotten unabhängig, erklären die Briten das Militärgelände im Gegenzug zum eigenständigen britischen Territorium. Als Vorbild könnten die Militärbasen auf Zypern herhalten. Dort haben die britischen Streitkräfte in strategisch günstiger Lage seit den sechziger Jahren mehrere tausend Soldaten stationiert.

Der Stützpunkt in Faslane ist für die königliche Marine von besonderer Bedeutung. Am Ende des Gare Loch befindet sich die Heimatbasis für die U-Boote der "Vanguard"-Klasse, die von dort aus raschen Zugang zum offenen Meer haben. Die Schiffe können mit den atomaren Interkontinentalraketen der Trident-Klasse bestückt werden, einem zentralen Bestandteil der britischen Atommacht. Eines der vier Schiffe befindet sich immer auf See, um im Extremfall sofort einsatzbereit zu sein.

Offiziell setzt man im britischen Verteidigungsministerium auf eine Niederlage für die Schottische Nationalpartei SNP im September 2014. Die Partei treibt eine Abspaltung des Landes vom Königreich mit aller Macht voran. "Wir sind zuversichtlich, dass das schottische Volk auch weiter zu Großbritannien gehören will", zitiert der "Guardian" einen Ministeriumssprecher.

Die Drohung: Kosten sollen auf Schotten abgewälzt werden

Trotz dieser demonstrativen Gelassenheit wird hinter verschlossenen Türen an einem Szenario für die Zeit nach einem positiven Votum gearbeitet. Ein wichtiger Faktor sind dabei die enormen Kosten, die eine Schließung des Stützpunkts mit sich bringen würde. Das Ministerium geht von einem Milliardenaufwand für den Rückbau und den Neuaufbau einer Basis auf britischem Boden aus.

Diese Kosten, so die Drohung aus London, werde man zum Teil auf die Schotten umlegen, sollten diese die Royal Navy aus dem Land werfen. Angus Robertson, SNP-Spitzenpolitiker, spricht von einem "außergewöhnlichen Versuch, Schottland einzuschüchtern".

Teil zwei des britischen Plans - und eine vermeintlich einfache Lösung, um den Schotten diese extreme finanzielle Belastung zu ersparen: Die Regierung in Edinburgh würde den Briten erlauben, Faslane als britisches Territorium auszuweisen. Gemutmaßt wird über eine Laufzeit von zehn Jahren, mit der Option auf Verlängerung.

Nick Harvey, ehemaliger Staatssekretär für die Streitkräfte, nennt einen kompletten Umzug der "Vanguard"-U-Boot-Flotte "zwar nicht unmöglich, aber extrem unrealistisch". Er plädiert für eine praktische Lösung, sollten sich die rund fünf Millionen schottischen Bürger tatsächlich von Großbritannien abspalten: "Wenn die Schotten uns wirklich aus dem Land zwingen, würde das Verhältnis beider Nationen enorm belastet. Die wahrscheinlichste Variante ist das Zypern-Modell."

jok

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insgesamt 203 Beiträge
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1. Bei Wowi ist noch Platz....
tg923 11.07.2013
Ich schlage vor einen Kanal von der Ostsee zum BER zu graben und diesen dann als U-Boothafen zu vermieten. Im Terminal wären die Schiffe sogar vor Regen geschützt.
2. Das will ich auch!
sabaidii 11.07.2013
Was kann Schottland , das Bayern nicht kann? Warum wird hier nicht längst mal abgestimmt?
3. optional
Hirnblaehung 11.07.2013
Die Bösen Schoten aber auch ! Wie können sie es wagen sich unabhängig zu machen !
4. Regelungsfrage
Scientius 11.07.2013
Zitat von sysopCrown CopyrightDie britische Marine steht vor einem Problem: Ihre wichtigsten Atom-U-Boote liegen in einem Loch in Schottland. Sollte sich das Land 2014 von Großbritannien abspalten, wären die Briten ohne Basis für die gewaltigen Kriegsgeräte. Nun erhöht London den Druck. http://www.spiegel.de/politik/ausland/briten-bangen-um-ihren-schottischen-atom-u-boot-hafen-a-910579.html
Die Frage bei einer Abspaltung ist doch auch, ob dem schottischen Volk nicht Teile der Royal Navy zustehen, den schließlich umfasst diese auch schottische Seeleute und wurde auch mit schottischen Geld bezahlt. Solche Fragen wären dann eh in einem Auseinandersetzungvertrag zu klären. Ich denke daher, dass hier von englischer Seite Panik gemacht werden soll. Hinzu kommen noch viele andere Fragen, wie die einer EU-Mitgliedschaft Schottlands etc.
5. optional
banteng 11.07.2013
Die Briten sollen sich mehr Sorgen um die dann abfallenden Einnahmen von den Öl und Gasfeldern der Nordsee machen...
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