London - In einer historischen Premiere der britischen Demokratie haben sich am Donnerstag die Spitzenkandidaten bei der Parlamentswahl einer Fernsehdebatte gestellt. Nach einem angespannten Beginn lieferten sich Labour- Regierungschef Gordon Brown und der Konservative David Cameron teils hitzige Wortgefechte. Als Sieger aus der von 76 Vorschriften regierten Debatte ging aber Umfragen zufolge Liberaldemokrat Nick Clegg hervor. Es war das erste TV-Duell dieser Art in der britischen Fernsehgeschichte.
Bei der ersten von insgesamt drei geplanten Debatten ging es zunächst um Innenpolitik. Themen wie Bildung, Gesundheit oder die Staatsverschuldung wurden von einer repräsentativen Zuschauergruppe angesprochen, Nachfragen jedoch untersagt. Auch Rufen oder Klatschen war verboten. Die Debatte in Manchester im Nordwesten Englands verfolgten Schätzungen zufolge 20 Millionen Zuschauer - das entspricht dem Interesse für ein Spiel von Englands Fußballmannschaft. Die zweite Debatte läuft am 22. April, dabei geht es um außenpolitische Fragen. Das letzte Duell findet am 29. April statt und dreht sich um die Wirtschaft.
Vor allem Brown und Cameron gerieten immer wieder verbal aneinander. Der Premier punktete gegenüber dem Herausforderer mit dem Spruch: "Ihre Politik können Sie nicht so retuschieren wie ihre Wahlplakate." Cameron war wegen eines Wahlplakates ins Gerede gekommen, auf dem er verdächtig jugendlich aussieht. Brown propagierte in seinen Beiträgen "Wohlstand für alle", Cameron verlangte "Wandel".
Beobachter sehen Vorteile für Clegg
Der Liberaldemokrat Nick Clegg, der sich für "ausgleichende Gerechtigkeit" starkmachte, konnte laut einer Umfrage des veranstaltenden Fernsehsenders ITV mit 43 Prozent Zustimmung den Sieg für sich verbuchen. Beobachtern zufolge kann vor allem Clegg von den Fernsehdebatten profitieren, weil sie seiner vergleichsweise kleinen Partei ein großes Forum eröffnen. Cameron kam auf 26 Prozent Zustimmung, Brown auf 20 Prozent.
Brown hatte sich erst nach langer Überlegung bereiterklärt anzutreten. Während die Gesprächsrunden in den USA oder Deutschland längst etabliert sind, hatten sich die amtierenden britischen Premierminister stets verweigert.
Großbritannien wird seit langem fast ohne Ausnahme von Labour und den Konservativen regiert. Dies könnte aber laut Umfragen bei der Wahl am 6. Mai anders werden. Noch vor wenigen Monaten hatten Camerons Tories einen deutlichen Vorsprung vor Browns Labour. Dieser schrumpfte aber in den vergangenen Wochen und würde aufgrund des britischen Wahlsystems nicht mehr für eine Parlamentsmehrheit reichen. In diesem Fall würden sich die Liberaldemokraten als dritte Kraft in einer Schlüsselposition wiederfinden.
jok/AFP/dpa
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