Britische Luftwaffe Afghanisches Mädchen beim Abwurf von Flugblättern tödlich getroffen

Das britische Verteidigungsministerium spricht von einem "tragischen Vorfall": Als ein Militärflugzeug Handzettel in Afghanistan abwarf, öffnete sich ein Karton nicht wie vorgesehen in der Luft. Beim Aufprall traf er ein afghanisches Mädchen - das an den Folgen seiner Verletzungen starb.


London - 14 bis 18 Kilogramm wiegen die Kartons mit Flugblättern, die britische Militärflugzeuge über dem Süden Afghanistans abwerfen, berichtet die englische Zeitung "Telegraph". Die Kisten sollen in der Luft aufbrechen, um die Zettel zu verstreuen. Am 23. Juni jedoch öffnete sich ein Karton nicht - und verletzte beim ungebremsten Aufprall ein afghanisches Mädchen schwer.

Trotz Rettungsversuchen in einem Krankenhaus in Kandahar starb das Kind an den Folgen seiner Verletzungen. Das britische Verteidigungsministerium sagte laut BBC, man bedaure den "tragischen Vorfall" und habe eine umfassende Untersuchung angeordnet.

Vertreter aus dem Verteidigungsministerium sagten laut "Times", es sei unglücklich gewesen, dass das Mädchen in einem örtlichen Krankenhaus versorgt wurde. "Normalerweise werden Zivilisten, die zum Beispiel in einem Kreuzfeuer verletzt werden, von Soldaten zu dem britischen Feldkrankenhaus in Camp Bastion gebracht, wo sie die bestmögliche Versorgung erhalten", zitiert das Blatt diese Quellen.

Vom Fall des jungen Mädchens habe man erst nach ihrem Tod erfahren. "Wenn ihre Familie eine Entschädigung fordert, werden wir darüber nachdenken", sagte ein britischer Beamter laut "Times". Britischen Medienberichten zufolge wurden die Flugblätter in einem ländlichen Gebiet der Provinz Helmand abgeworfen. Großbritannien hat 9000 Soldaten in Afghanistan, die meisten davon in Helmand.

Es handelt sich offenbar um den ersten bekannten Fall dieser Art. Die ausländischen Truppen in Afghanistan werfen regelmäßig Handzettel aus Flugzeugen ab, um die Bevölkerung mit Informationen oder Warnungen, etwa über Minen, zu versorgen und den Taliban nicht die Meinungshoheit zu überlassen.

Das britische Verteidigungsministerium wollte keine Stellung dazu nehmen, welche Art von Flugblatt verteilt werden sollte. Da der Unfall sich vor den Präsidentschaftswahlen am 20. August ereignete, könnte es sich um Informationen über Wahllokale gehandelt haben, spekulieren britische Medien.

Einem Uno-Bericht zufolge starben im August so viele Zivilisten in Afghanistan wie in keinem anderen Monatdes Jahres 2009. Das Papier stellt einen Zusammenhang zwischen der hohen Zahl ziviler Opfer und den afghanischen Wahlen her.

Tote unter der Zivilbevölkerung in Afghanistan sind inzwischen ein äußerst sensibles Thema unter den Verbündeten. US-Kommandeur Stanley McChrystal hat den Schutz der Bevölkerung vor Angriffen der Isaf- und US-Truppen als Voraussetzung für eine Wende in dem Konflikt bezeichnet.

kgp/Reuters



Forum - Ist der Krieg in Afghanistan noch zu gewinnen?
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Seite 1
Sumerer 12.09.2009
1.
Zitat von sysopNach dem umstrittenen Bombereinsatz in Afghanistan steht nicht nur die Präsenz der Bundeswehr weiter in der Diskussion, auch der Auftrag der Nato wird kritisch gesehen. Wie kann des Engagement am Hindukusch noch zu einem Erfolg werden? Kann der Krieg in Afghanistan überhaupt noch gewonnen werden?
Ein Krieg ist dort nicht zu gewinnen. Was zu gewinnen wäre, ist die Bevölkerung Afghanistans. Wenn man sich nicht einig wird, wer hierzu alles zählt, wird weiter geschossen, letztendlich aber nichts gewonnen.
ante84 12.09.2009
2.
Zitat von sysopNach dem umstrittenen Bombereinsatz in Afghanistan steht nicht nur die Präsenz der Bundeswehr weiter in der Diskussion, auch der Auftrag der Nato wird kritisch gesehen. Wie kann des Engagement am Hindukusch noch zu einem Erfolg werden? Kann der Krieg in Afghanistan überhaupt noch gewonnen werden?
Soll er denn gewonnen werden?
Orix 12.09.2009
3.
Zitat von sysopNach dem umstrittenen Bombereinsatz in Afghanistan steht nicht nur die Präsenz der Bundeswehr weiter in der Diskussion, auch der Auftrag der Nato wird kritisch gesehen. Wie kann des Engagement am Hindukusch noch zu einem Erfolg werden? Kann der Krieg in Afghanistan überhaupt noch gewonnen werden?
Wenn man mal genau wüsste, was ist das Ziel ! Ein Herrschaft Karsais und seiner Sippe als Ziel, ist schon möglich.
sprecher/2, 12.09.2009
4. Bundeswehr sofort abziehen !
NEIN ! Bundeswehr sofort abziehen, sollen die USA ihren Mist alleine auslöfeln. Da kann man zwischen Bevölkerung und Taliban doch nichts unterscheiden ! Ist auch nervig wenn wie hier im Forum solche Teilnehmer wie Michael Schnarch ewig für Kriegseinsätze plädieren !
Klapperschlange 12.09.2009
5.
Zitat von sysopNach dem umstrittenen Bombereinsatz in Afghanistan steht nicht nur die Präsenz der Bundeswehr weiter in der Diskussion, auch der Auftrag der Nato wird kritisch gesehen. Wie kann des Engagement am Hindukusch noch zu einem Erfolg werden? Kann der Krieg in Afghanistan überhaupt noch gewonnen werden?
Natürlich! Die sollen dort aufhören sich gegeneitig zu beschuldigen und mit dem Wattebällchen werfen aufhören und die vorhandenen Hightech-Waffen endlich einsetzen. Die machen dort mittlerweile die gleichen Fehler, wie in Vietnam. Die richtig guten Waffen blieben damals auch zu Hause und an der Front kämpfte Mann gegen Mann!
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