Britische Presse Nato griff Chinas Botschaft in Belgrad absichtlich an

Die Bombardierung der chinesischen Vertretung während des Kosovo-Krieges soll eine geplante Aktion der Nato gewesen sein, schreibt der britische "Observer". Die Botschaft habe als Funkstation für die jugoslawische Armee gedient. US-Präsident Clinton habe anschließend die Parole ausgegeben, es sei ein Versehen gewesen.


Zerstörte chinesische Botschaft
REUTERS

Zerstörte chinesische Botschaft

London - Die Zeitung berichtet, die Nato habe geplant, alle Funkübertragungsstationen in Belgrad auszuschalten. Eine Station habe sich in der Residenz des jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic befunden. Nachdem die Nato die Residenz bombardiert habe, seien die Funksignale für 24 Stunden verstummt. Die Allianz habe dann aber Signale geortet, die aus dem chinesischen Botschaftsgelände gekommen seien. Darauf sei die Botschaft als Ziel ausgewählt worden. Bis dahin sei das Gebäude auf einer Karte neben Kirchen und Krankenhäusern als "Nicht-Ziel" vermerkt worden, schreibt der "Observer" am Sonntag. In ihrem Bericht sich die Zeitung auf einen Nato-Flugkontrolloffizier in Neapel.

Ein Nato-Vertreter und der britische Außenminister Robin Cook haben die Meldung zurückgewiesen. Es gebe keinen einzigen Beweis für "diese ziemlich wilde Geschichte", sagt Cook im Rundfunksender BBC. Er bekräftigte am Sonntag, der Angriff sei ein tragischer Fehler gewesen, der niemals hätte passieren dürfen.

Die Nato hatte den Beschuss der Botschaft am 7. Mai als Irrtum bezeichnet und sich dafür bei der Volksrepublik China entschuldigt. Das Bündnis hatte den Beschuß der Botschaft auf veraltetes Kartenmaterial bei der Zielplanung zurückgeführt. Bei dem Luftangriff starben drei Chinesen.

Drei Menschen waren bei dem Angriff auf die chinesische Botschaft getötet worden.
DPA

Drei Menschen waren bei dem Angriff auf die chinesische Botschaft getötet worden.

Der "Observer" berichtete außerdem, China habe möglicherweise die jugoslawische Armee unterstützt, um Informationen über den abgeschossenen US-Tarnkappenbomber vom Typ F-117 zu bekommen. Die "Stealth"-Maschine war in den ersten Tagen des elfwöchigen Luftkriegs unweit von Belgrad abgestürzt. Denkbar sei auch, dass China die Luftangriffe der Nato mit Marschflugkörpern auf Belgrad beobachtet habe, um für Jugoslawien Abwehrmaßnahmen zu finden, berichtete das Blatt.

China hatte die Nato-Luftangriffe auf Jugoslawien scharf verurteilt und eine friedliche Lösung des Kosovo-Konfliktes gefordert. Nach dem Beschuß ihrer Botschaft stufte die Regierung in Peking die Beziehungen zu den USA herunter. China hat eine Entschuldigung der USA für den Luftangriff angenommen, die amerikanische Darstellung der Hintergrunde aber nicht akzeptiert.



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