Mali-Einsatz: Britische Armee in Alarmbereitschaft
Großbritanniens Premier Cameron bezeichnet den Kampf gegen islamistischen Terror als "Generationenaufgabe". Die Armee des Landes könnte schon in Kürze Frankreichs Militäroperation in Mali verstärken. Der "Times" zufolge haben die Briten ihre Truppen in Alarmbereitschaft versetzt.
London - Die offizielle Linie des britischen Verteidigungsministeriums ist unmissverständlich: Britische Soldaten sollen in Mali keine Rolle in einem Bodeneinsatz gegen Islamisten spielen. Dennoch bereitet sich die britische Regierung laut einem Zeitungsbericht darauf vor, ihre Hilfe für Frankreich auszubauen, das derzeit mit 2150 Soldaten in dem westafrikanischen Land gegen Islamisten kämpft - und schließt dabei offenbar auch einen massiven Kampfeinsatz nicht aus: Der britischen "Times" zufolge befindet sich neben der Luftwaffe und der Marine auch das Heer in "hoher Bereitschaft" für eine Entsendung nach Mali, sollte eine entsprechende Hilfsanfrage aus Frankreich erfolgen.
Inzwischen hat das britische Verteidigungsministerium den Zeitungsbericht zurückgewiesen. "Das Verteidigungsministerium unterstützt die französischen Bemühungen durch logistische Hilfe", erklärte ein Sprecher am Dienstag. Britische Bodentruppen für einen Kampfeinsatz seien nicht vorgesehen. Die zusätzliche britische Unterstützung werde von der weiteren Entwicklung der Situation in Mali abhängig gemacht.
Bislang beteiligt sich London mit logistischer Unterstützung an dem militärischen Vorgehen Frankreichs in Mali. So stehen dem französischen Militär zwei Flugzeuge der Briten zur Verfügung, erwogen wird auch die Entsendung von Ausbildern und einer geheim operierenden Spezialeinheit.
Der britische Premierminister David Cameron hatte zuletzt angesichts der Gewalt in Mali und dem Geiseldrama in Algerien eine engere Zusammenarbeit mit den Regierungen in der Region gefordert. Es müsse verhindert werden, dass sich "vor den Türen Europas neue terroristische Stützpunkte bilden", sagte Cameron am Montag vor dem Parlament in London und warnte vor einer "Generationenaufgabe". Großbritannien werde eng mit der algerischen Regierung zusammenarbeiten, um Lehren aus der Militäraktion auf dem Gasfeld bei Ain Amenas zu ziehen. Außerdem wolle Großbritannien seinen diesjährigen G-8-Vorsitz nutzen, um dem Thema höchste Priorität einzuräumen.
London werde Hilfe zur Terrorbekämpfung zur Verfügung stellen, um "das terroristische Netzwerk, das den brutalen Überfall in Algerien geplant und angeordnet hat, zu finden und zu entlarven". Er sei bereit, mit Regierungen in der Region zusammenzuarbeiten, sagte Cameron weiter, um terroristische Bedrohungen auch in Ländern wie Jemen, Somalia, Nigeria, Libyen und Mali zu bekämpfen.
Das Geiseldrama in der algerischen Wüste und der Kampf gegen islamistische Rebellen im Norden Malis haben offenbar eine direkte Verbindung. Die 32 Männer des Terrorkommandos in der Gasproduktionsanlage von Ain Amenas im Westen Algeriens kamen direkt aus dem Nachbarland Mali. Bei dem mehrtägigen Geiseldrama kamen nach einer vorläufigen Bilanz der algerischen Regierung mindestens 67 Menschen ums Leben. Die Aktion wurde nach Angaben des algerischen Ministerpräsidenten Abdelmalek Sellal zwei Monate lang geplant. Dabei hätten die Terroristen auf das Wissen eines in der Anlage beschäftigten Fahrers zurückgreifen können, sagte Sellal am Montag in Algier. Der Angriff war für den Fall vorbereitet, dass Algerien dem Drängen Frankreichs nach militärischer Unterstützung im Nachbarland Mali nachgibt und Überflugrechte gewährt.
Nach der blutig beendeten Geiselnahme auf einem Gasfeld in Algerien drohte die Islamistengruppe unter der Führung des Algeriers Mokhtar Belmokhtar erneut weitere Angriffe an, insbesondere gegen Frankreich. Das Frankreich "der Kreuzfahrer und der zionistischen Juden wird für seine Aggression gegen die Muslime im Norden Malis bezahlen; aber nicht allein, auch seine Knechte", wurde der Sprecher der Gruppierung Katiba al-Mulathamin am Montagabend von der französischen Wochenzeitschrift "Paris Match" zitiert.
Der Sprecher, der sich Joulaybib nennt und eigentlich Hacen Ould Khalil heißt, sagte dem Bericht zufolge über die Geiselnahme in Algerien, sie sei "zu 90 Prozent ein Erfolg" gewesen, "weil wir mit nur 40 Mann einen strategischen Standort, der von 800 Soldaten bewacht wurde, treffen konnten". Dieser "Angriff von Ain Amenas war nur der Anfang", sagte der Sprecher laut "Paris Match".
hen/dpa/AFP/dapd
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