Überblick Was wir über die Anschläge in Brüssel wissen - und was nicht

Die Aufklärung der Attentate von Brüssel läuft auf Hochtouren. Zwei polizeibekannte Brüder sollen nach Medienberichten beide Anschläge verübt haben. Was bislang bekannt ist - der Überblick.

Von und (Grafiken)

Zerstörung am Brüsseler Flughafen
AFP

Zerstörung am Brüsseler Flughafen


Dieser Text wird laufend aktualisiert.


Was bislang bekannt ist:


  • Zwei Explosionen am Flughafen

Am Brüsseler Airport Zaventem gab es am Dienstagmorgen gegen acht Uhr zwei Explosionen in der Abflughalle. Eine riesige Glasfront ging zu Bruch, Menschen verließen fluchtartig das Gelände. Nach einem Bericht des Senders RTBF wurde am späten Nachmittag eine dritte Bombe gefunden und entschärft.

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  • Explosion in der U-Bahn

Nach Angaben des öffentlichen Nahverkehrsunternehmens gab es um 9.11 Uhr eine Explosion in einem haltenden Metro-Zug in der U-Bahn-Station Maelbeek. Bilder vom Tatort zeigen einen völlig zerstörten U-Bahn-Wagen. Die Station liegt in der Nähe zahlreicher EU-Behörden und der deutschen EU-Vertretung. Auch bei dieser Explosion handelte es sich um einen Terroranschlag.

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  • Die aktuelle Lage in Brüssel

Der Flughafen Brüssel soll auch am Donnerstag noch geschlossen bleiben. Der öffentliche Nahverkehr sollte am Mittwoch teilweise wieder fahren. Im Bahnverkehr von und nach Brüssel sind noch Züge ausgefallen, etwa der Thalys-Schnellzug nach Paris. Grundsätzlich sollte der Schienenverkehr am Mittwoch nach Angaben der belgischen Bahngesellschaft SNCB-NMBS wieder weitgehend normal laufen. An den Bahnhöfen und in der Brüsseler Innenstadt patrouillieren Sicherheitskräfte. Die Metrostation Maelbeek soll noch wochenlang geschlossen bleiben.

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  • Die Ermittlungen

Die belgische Polizei durchsuchte mehrere Gebäude in der Gemeinde Schaerbeek. Dabei haben die Ermittler laut Staatsanwaltschaft eine Flagge der Terrormiliz IS sowie einen Sprengsatz mit Nägeln und chemische Substanzen gefunden. Die Sicherheitszone, die für die Durchsuchungen eingerichtet worden war, ist mittlerweile aufgehoben. Anwohner konnten in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren. Einem Bericht des belgischen Senders VRT zufolge soll ein Taxifahrer die Behörden auf die Spur zum Versteck der Männer gebracht haben.

  • Wer steckt hinter der Tat?
Zu den Attentaten bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Ein sogenannter Märtyrer habe zudem um Punkt 9.11 Uhr seinen Sprengstoffgürtel in der U-Bahn-Station Maelbeek zur Explosion gebracht. Dies wurde noch nicht bestätigt. Die Uhrzeit könnte ein Hinweis auf 9/11 sein und Bezug auf die Terroranschläge in New York 2001 nehmen.

  • So reagiert Belgiens Regierung

Die Regierung hat die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Belgiens Premier Charles Michel rief den nationalen Sicherheitsrat zusammen. Dem Gremium gehören die wichtigsten Minister der Regierung an. Die Sicherheitsvorkehrungen an den Atomkraftwerken des Landes wurden verstärkt. Am Mittag gedachte Belgien den Opfern der Anschläge in einer Schweigeminute. Die Regierung kam am Brüsseler Schumanplatz zusammen.

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Fotostrecke: Tote und Verletzte in Brüssel


Was noch unklar ist:


  • Wie viele Opfer gab es insgesamt?

Die genaue Zahl der Opfer ist noch unklar. Die belgische Gesundheitsministerin Maggie De Block sagte, "ungefähr 31" Menschen seien getötet und fast 260 verletzt worden. Laut Staatsanwaltschaft gab es mehr als 270 Verletzte. Die offiziellen Angaben gehen laut der Nachrichtenagentur Belga auseinander, da noch nicht alle Opfer identifiziert seien. 31 Tote sind nach Angaben von De Block identifiziert. Die Zahl könne noch steigen, hieß es.

  • Waren Deutsche unter den Opfern?

Zunächst hieß es, lediglich eine Deutsche sei leicht verletzt worden. Laut Auswärtigem Amt werde nun nicht mehr ausgeschlossen, dass Bundesbürger getötet wurden. Mindestens ein Mann mit deutscher Staatsbürgerschaft erlitt demnach schwere Verletzungen.

  • Wer waren die Täter?

Die beiden Explosionen am Flughafen seien von zwei Selbstmordattentätern verursacht worden, sagte Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw. Die belgische Polizei gab ein Fahndungsfoto herausgegeben, auf dem die Attentäter vermutet werden. Das Bild zeigt drei Männer und stammt von einer Sicherheitskamera vom Brüsseler Flughafen.

Laut den Behörden sollen zwei Brüder an der Anschlagserie beteiligt gewesen sein. Ibrahim El Bakraoui ist demnach auf den Bildern vom Flughafen zu sehen. Bruder Khalid soll kurze Zeit später eine Bombe an der Station Maelbeek gezündet haben. Die Brüder sollen der Polizei bekannt gewesen sein.

Am Mittwochabend wurde der 24-jährige Najim Laachraoui als einer der Selbstmordattentäter identifiziert. Das berichteten die französische Zeitung "Le Monde", die belgische Zeitung "De Standaard" und der Sender RTBF. Er sei anhand seiner DNA identifiziert worden. Laachraoui stammt aus dem Brüsseler Stadtteil Schaerbeek, wo wo auch ein mutmaßlicher Unterschlupf der Attentäter vom Dienstag ausgehoben wurde.

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Zunächst hatte RTBF unter Berufung auf Polizeiquellen gemeldet, zwei der drei Terrorverdächtigen auf den Bildern vom Flughafen seien als die beiden Brüsseler Brüder identifiziert worden. Sie hätten sich demnach beide als Selbstmordattentäter am Flughafen in die Luft gesprengt.

Der Staatsanwalt erläuterte, Ermittler hätten einen Computer mit dem Testament von Ibrahim El Bakraoui sichergestellt. Der Rechner sei in einem Müllbehälter in der Brüsseler Gemeinde Schaerbeek gefunden worden. Der mutmaßliche Attentäter habe darin erklärt, er sehe aufgrund des Fahndungsdrucks keinen anderen Ausweg mehr.

Eine dritte Person auf den Flughafen-Bildern ist laut Behörden bislang nicht identifiziert.

  • Gibt es einen Zusammenhang mit der Verhaftung Abdeslams?

Am Freitag hatten die belgischen Sicherheitskräfte mit Salah Abdeslamden mutmaßlichen Hauptverdächtigen der Anschläge von Paris festgenommen, bei denen im November 130 Menschen getötet worden waren. Zu den Attentaten hatte sich der IS bekannt. Die belgische Polizei hatte Vergeltungsaktionen nicht ausgeschlossen.

Ob eine Verbindung zur Verhaftung Abdeslams besteht, ist unklar. Klar ist, dass der am Mittwochabend identifizierte Najim Laachraoui auch mit den Anschlägen von Paris zu tun hatte. Laachraouis DNA soll auf Sprengstoff gefunden worden sein, der bei den Anschlägen in Paris verwendet wurde.

Er war erst vor kurzem identifiziert und zur Fahndung ausgeschrieben worden. Der Dschihadist soll im Februar 2013 nach Syrien gereist, später zurückgekommen sein und alle Sprengstoffgürtel für Paris und Brüssel hergestellt haben. Er hatte eine Ausbildung in Elektrotechnik. Anfang September 2015 geriet er laut dem Bericht der Zeitung "DH" - mit falscher Identität unter dem Namen Soufiane Kayal - zusammen mit Salah Abdeslam und Mohamed Belkaid in eine Kontrolle an der Grenze zwischen Ungarn und Österreich. Abdeslam und Belkaid gelten als mutmaßliche Beteiligte der Pariser Anschläge.

Amateur-Videos: Menschen flüchten aus dem Flughafengebäude

Anna Ahrontheim



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