Festnahme von Terror-Verdächtigen Belgische Behörden rechneten mit Anschlägen wie in Paris

Belgiens Polizei hat möglicherweise einen verheerenden Anschlag verhindert: Laut einem Medienbericht mussten die Behörden davon ausgehen, dass eine Terrorattacke nach dem Vorbild der Angriffe von Paris drohte.

Soldaten auf dem Grand Place in Brüssel: Angst vor Anschlägen in der Silvesternacht
AP

Soldaten auf dem Grand Place in Brüssel: Angst vor Anschlägen in der Silvesternacht


Nach der Verhaftung von zwei Terror-Verdächtigen in Belgien werden neue Details über die angeblichen Anschlagspläne bekannt. Wie die Zeitung "De Standaard" auf ihrer Webseite berichtet, lagen den Behörden Hinweise auf die "konkrete Gefahr" vor, dass es um den Jahreswechsel in Brüssel zu Anschlägen nach dem Muster der Paris-Attentate kommen könnte. In der französischen Hauptstadt hatten Terroristen Ende November mehrere Orte zeitgleich angegriffen und dabei 130 Menschen getötet.

Als ein konkretes Anschlagsziel sei der historische Grand Place im Zentrum von Brüssels Altstadt genannt worden. Die Terror-Warnstufe wurde an dem Platz sowie für Polizei und Militär deshalb von zwei auf drei erhöht, wie die Zeitung unter Berufung auf ein internes Schreiben der Polizei weiter berichtet. Im restlichen Belgien blieb die Warnstufe dagegen auch nach den jüngsten Festnahmen auf zwei von vier. Damit gilt ein Anschlag als "möglich und wahrscheinlich".

Die Polizei in der belgischen Hauptstadt verschärft nun ihre Sicherheitsvorkehrungen. Vor den Kommissariaten sollen Bewaffnete stehen, wie der Polizeichef der westlichen Brüsseler Stadtteile, Johan De Becker, dem Sender RTBF sagte. Zudem sollen die Beamten nicht mehr allein auf Streife gehen, sondern in Teams von zwei Personen, von denen mindestens eine bewaffnet sein muss.

Silvester-Feuerwerk könnte abgesagt werden

Gefährdet sind auch die Silvester-Feierlichkeiten in Brüssel. Bürgermeister Yvan Mayeur will am Mittwochabend bekannt geben, ob das große Feuerwerk der Stadt stattfinden wird. "Ich will nicht zu schnell entscheiden, alles abzusagen", sagte Mayeur der Zeitung "Le Soir". "Und außerdem will ich nicht zur Psychose der Bevölkerung beitragen."

Zudem würde das Feuerwerk zwischen der Börse und dem Place de Brouckère stattfinden - "eben um zu verhindern, dass die Menschenmenge auf den Grand Place strömt", sagte Mayeur. Im vergangenen Jahr seien rund 100.000 Menschen zu der Feier gekommen. Deshalb könne es kontraproduktiv sein, die Veranstaltung abzusagen, weil in der Silvesternacht ohnehin viele Menschen auf die Straße gingen.

Auslöser der jüngsten Maßnahmen sind mehrere Hausdurchsuchungen und Festnahmen am Sonntag und Montag. Seitdem sind zwei Terror-Verdächtige in Haft, wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte. Einer der beiden Festgenommenen gilt als Drahtzieher einer Terrorgruppe. Er soll sich um die Anwerbung neuer Mitglieder zur Begehung terroristischer Taten gekümmert haben. Die zweite Person wird laut Staatsanwaltschaft als Täter oder Mittäter einer Terrorgruppe eingestuft. Vier weitere Festgenommene seien mittlerweile wieder auf freiem Fuß.

Einen direkten Zusammenhang zu den tödlichen Pariser Terroranschlägen vom November gibt es laut Staatsanwaltschaft nicht. Bei Hausdurchsuchungen wurde Propagandamaterial der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) sichergestellt. Die Behörden haben inzwischen angekündigt, künftig härter gegen radikale Islamisten vorzugehen. Belgien gilt in Europa als eine Hochburg religiöser Fanatiker, ein Schwerpunkt ist der Brüsseler Stadtteil Molenbeek.

mbe/dpa

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a415 29.12.2015
1.
Moskau sperrt den roten Platz. Brüssel will das Feuerwerk absagen. Das Fußballspiel in Hannover fand nicht statt. Ich hörte Politiker immer sagen man dürfe nicht vor dem Terror kapitulieren. Klar ist es besser Menschenleben zu schützen aber solange nur an den Symptomen herum geschraubt wird wird man die Ursachen nicht bekämpfen können. Meiner Einschätzung nach werden wir so etwas auch verstärk hierzulande in der Zukunft erleben. Viele europäische Länder haben sich den Terrorismus hausgemacht und gleichzeitig importiert in den letzten Jahrzehnten, doch es will offenbar niemand dem Ganzen konsequent entgegen treten.
zeichenkette 29.12.2015
2.
Zitat von a415Moskau sperrt den roten Platz. Brüssel will das Feuerwerk absagen. Das Fußballspiel in Hannover fand nicht statt. Ich hörte Politiker immer sagen man dürfe nicht vor dem Terror kapitulieren. Klar ist es besser Menschenleben zu schützen aber solange nur an den Symptomen herum geschraubt wird wird man die Ursachen nicht bekämpfen können. Meiner Einschätzung nach werden wir so etwas auch verstärk hierzulande in der Zukunft erleben. Viele europäische Länder haben sich den Terrorismus hausgemacht und gleichzeitig importiert in den letzten Jahrzehnten, doch es will offenbar niemand dem Ganzen konsequent entgegen treten.
Es ist ja nicht so, dass all das nur bei "Terroristen" auffällig wäre. Diese Gewaltbereitschaft findet man einfach überall, angefangen von Fussballfans, die sich praktisch im Krieg gegen alle fühlen, bis hin zu Leuten, die Rettungskräfte angreifen oder Flüchtlingsheime in Brand setzen. Es scheint einfach genug Menschen zu geben, die sich so machtlos fühlen, dass sie Amok laufen. Vielleicht ist das auch einfach nur ein Zivilisationsrisiko, dass wir ertragen werden, wie wir auch Verkehrsunfälle ertragen, ohne dass jemand fordert, Autohersteller zu bombardieren. Aber ja, eine erzwungene Chancenlosigkeit aufgrund von Diskriminierung, fehlender Bildung oder schlicht fehlender Arbeit und Familie macht das nicht besser. Egal ob Hooligans oder Islamisten, das ist eine Hordenbildung mit Kriegsgelüsten als Rückfall in vorzivilisierte Zustände bei Menschen, mit denen die Zivilisation nichts zu tun haben will (oder umgekehrt). Wir werden auch bei Fussballspielen weiterhin viel Polizei und gesperrte Bahnhöfe sehen. Und das hat mit der Politik oder dem IS wenig zu tun, das machen manche Fans ganz allein.
lezel 29.12.2015
3. Ursachen
Zitat von a415Moskau sperrt den roten Platz. Brüssel will das Feuerwerk absagen. Das Fußballspiel in Hannover fand nicht statt. Ich hörte Politiker immer sagen man dürfe nicht vor dem Terror kapitulieren. Klar ist es besser Menschenleben zu schützen aber solange nur an den Symptomen herum geschraubt wird wird man die Ursachen nicht bekämpfen können. Meiner Einschätzung nach werden wir so etwas auch verstärk hierzulande in der Zukunft erleben. Viele europäische Länder haben sich den Terrorismus hausgemacht und gleichzeitig importiert in den letzten Jahrzehnten, doch es will offenbar niemand dem Ganzen konsequent entgegen treten.
Genau darum bekämpft man ja die Ursachen. Die Ursachen von Terrorismus sind Terroristen. Genau diese Terroristen werden heftig bekämpft.
zeichenkette 29.12.2015
4.
Zitat von lezelGenau darum bekämpft man ja die Ursachen. Die Ursachen von Terrorismus sind Terroristen. Genau diese Terroristen werden heftig bekämpft.
Man vernichtet Terrorismus aber nicht, indem man Terroristen umbringt, denn mit jedem getöteten Terroristen (der in seinem Land für viele vielleicht einfach ein Kämpfer gegen ausländische Besatzer ist) erzeugt man mindestens einen neuen Terroristen. An die Drohnen kommen sie ja nicht ran, an Konzertbesucher in Paris schon eher. Wenn man Beweise gegen sie hat, sollte man sie anklagen, sie zur Festnahme ausschreiben und vielleicht noch eine Belohnung anbieten. Mit "Rechtsstaat" hat das sonst nämlich nichts mehr zu tun.
Atheist_Crusader 29.12.2015
5.
Zitat von lezelGenau darum bekämpft man ja die Ursachen. Die Ursachen von Terrorismus sind Terroristen. Genau diese Terroristen werden heftig bekämpft.
Nein, man wirft einfach nur ein paar Bomben über dem nahen Osten ab. Das tut man schon seit Jahrzehnten ohne nennenswerte Resultate. Will man den Terror bekämpfen, muss man das hier tun. Wäre nichtmal schwierig. Bei 90% der Attentäter der letzten Jahre tauchen in den Medien immer wieder Worte wie "vorbestraft", "polizeibekannt" oder "bekannter Fanatiker" auf. Es lässt sich also irgendwo durchaus vorhersehen. Es gibt Netzwerke von Predigern, Propagandisten, Anwerbern. Die müsste man nur mal entschlossen ausheben. Rauswerfen was geht, raushalten was geht und den Rest überwachen und entsprechend einknasten. Und zwar möglichst so, dass er sich im Knast nicht noch neu organisiert. Sollte ja wohl schaffbar sein.
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