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Überblick: Das ist über die Anschläge in Brüssel bekannt

Noteinsatz nahe der Brüsseler U-Bahn-Station Maelbeek Zur Großansicht
AP/ APTN

Noteinsatz nahe der Brüsseler U-Bahn-Station Maelbeek

Zwei Explosionen am Flughafen, eine weitere mitten im EU-Viertel: Eine Anschlagserie hat Belgiens Hauptstadt erschüttert. Was bislang bekannt ist - der Überblick.

Stand: 22. März


Was bislang bekannt ist:

  • Zwei Explosionen am Flughafen

Am Brüsseler Airport Zaventem gab es gegen acht Uhr morgens zwei Explosionen in der Abflughalle. Eine riesige Glasfront ging zu Bruch, Menschen verließen fluchtartig das Gelände. Zwischen den Explosionen lagen Augenzeugen zufolge nur zehn bis 15 Sekunden. Nach Angaben von Premierminister Charles Michel handelte es sich um einen Terroranschlag. Am Nachmittag fand die belgische Polizei ein verdächtiges Paket, das von einem Einsatzkommando gesprengt werden soll. Dabei könne es sich um einen Bombengürtel handeln. Nach einem Bericht des Senders RTBF wurde am späten Nachmittag eine dritte Bombe gefunden und entschärft.

  • Explosion in der U-Bahn

Nach Angaben des öffentlichen Nahverkehrsunternehmens gab es um 9.11 Uhr eine Explosion in einem haltenden Metrozug in der U-Bahn-Station Maelbeek. Bilder vom Tatort zeigen einen völlig zerstörten U-Bahn-Wagen. Die Metrostation liegt in der Nähe zahlreicher EU-Behörden und der deutschen EU-Vertretung. Belgiens Premier Michel zufolge handelte es sich bei der Explosion ebenfalls um einen Terroranschlag.

Brüssels Bürgermeister Yvan Mayeur bestätigte die "vorläufigen Zahlen" von etwa 20 Toten. 106 Menschen seien dort verletzt worden. Mayeur sprach von einem Angriff "auf unsere Werte, gegen Freiheit und Demokratie".

  • Die aktuelle Lage in Brüssel

Der öffentliche Nahverkehr in Brüssel liegt komplett lahm. Alle öffentlichen Verkehrsmittel wurden bis auf Weiteres gestoppt, Bahnhöfe und wichtige Tunnel geschlossen. Im EU-Viertel ist die Rue de la Loi komplett für den Autoverkehr gesperrt. In der Brüsseler Innenstadt patrouillieren Sicherheitskräfte.

Die belgische Polizei hat mehrere Gebäude in der Gemeinde Schaerbeek durchsucht. Dabei haben die Ermittler laut Staatsanwaltschaft eine Flagge der Terrormiliz IS sowie einen Sprengsatz mit Nägeln und chemische Substanzen gefunden. Das Gebiet ist weiträumig abgesperrt, die Anwohner mussten ihre Häuser verlassen. Ein Ende des Einsatzes ist noch nicht in Sicht.

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Das belgische Krisenzentrum rief alle Menschen in Brüssel auf, zu Hause zu bleiben. Mitarbeiter der EU-Kommission sollen ihren Arbeitsplatz nicht verlassen oder ebenfalls zu Hause zu bleiben.

  • Die aktuelle Lage am Brüsseler Flughafen

Der Airport Zaventem ist bis auf Weiteres gesperrt. Flugzeuge, die nicht in Brüssel landen dürfen, werden teilweise nach Frankfurt umgeleitet, sagt ein Sprecher der Betreibergesellschaft Fraport. Der Brüsseler Flughafen hat eine Info-Hotline für besorgte Freunde und Angehörige eingerichtet (+32 2 753 7300). Die Lufthansa streicht für Dienstag alle Flüge nach Brüssel. Eine Maschine, die bereits in der Luft war, wurde nach Lüttich umgeleitet.

  • So reagiert Belgiens Regierung

Die Regierung hat die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen. Belgiens Premier Charles Michel rief den nationalen Sicherheitsrat zusammen. Dem Gremium gehören die wichtigsten Minister der Regierung an. Die Sicherheitsvorkehrungen an den Atomkraftwerken des Landes wurden verstärkt.

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  • So reagiert die Welt

In Deutschland hat das Auswärtige Amt einen Krisenstab eingerichtet. Die Bundespolizei erhöht ihre Präsenz an den deutschen Grenzen, insbesondere zu Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Luxemburg. Der Schutz von Flughäfen und Bahnhöfen wurde verstärkt.

In den Niederlanden erhöht das Militär seine Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen und Grenzen. Frankreichs Innenminister will 1600 zusätzliche Polizisten an den Grenzen und in Zügen einsetzen; Präsident François Hollande berief ein Krisentreffen mit den wichtigsten Ministern ein.

Großbritanniens Premier David Cameron berief seinen Krisenausschuss Cobra ein. Tschechien verstärkt die Polizeipräsenz an den internationalen Flughäfen und in der Prager Metro. Die Polizei in New York schickt zusätzliche Beamte zu Flughäfen und Metrostationen.


Was noch unklar ist:


  • Wie viele Opfer gab es insgesamt?

Die genaue Zahl der Opfer ist noch unklar. Es wurden nach Angaben der Feuerwehr mindestens 34 Menschen getötet und mehr als 100 weitere verletzt, Dutzende von ihnen schwer.

In der Metrostation gab es nach Angaben des Brüsseler Bürgermeisters Yvan Mayeur wahrscheinlich rund 20 Tote und 106 Verletzte.

  • Waren Deutsche unter den Opfern?

Eine Deutsche wurde leicht verletzt. Auf Todesopfer gibt es noch keine Hinweise.

  • Wer waren die Täter?

Die beiden Explosionen am Flughafen seien wahrscheinlich von zwei Selbstmordattentätern verursacht worden, sagte Staatsanwalt Frédéric Van Leeuw. Nach einem dritten Verdächtigen wird gesucht.

Zu den Attentaten bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Ein sogenannter Märtyrer habe zudem um Punkt 9.11 Uhr seinen Sprengstoffgürtel in der U-Bahn-Station Maelbeek zur Explosion gebracht. Dies wurde noch nicht bestätigt. Die Uhrzeit könnte ein Hinweis auf 9/11 sein und Bezug auf die Terroranschläge in New York 2001 nehmen.

Die belgische Polizei hat ein Fahndungsfoto herausgegeben, auf dem einer der Attentäter vermutet wird. Das Bild stammt von einer Sicherheitskamera vom Brüsseler Flughafen. Darauf ist ein Mann mit einer hellen Jacke zu sehen, der einen Gepäckwagen mit einer großen, schwarzen Tasche vor sich her schiebt. Wer der Mann ist, ist bislang noch nicht bekannt.

Womöglich befinden sich noch immer Attentäter in der Hauptstadt: "Wir fürchten, dass Personen noch auf freiem Fuß sind", sagte Außenminister Didier Reynders dem Fernsehsender RTBF.

  • Gibt es einen Zusammenhang mit der Verhaftung Abdeslams?

Ob eine Verbindung zur Verhaftung Salah Abdeslams besteht, ist unklar. Am Freitag hatten die belgischen Sicherheitskräfte den mutmaßlichen Hauptverdächtigen der Anschläge von Paris festgenommen, bei denen im November 130 Menschen getötet worden waren. Zu den Attentaten hatte sich der IS bekannt. Die belgische Polizei hatte Vergeltungsaktionen nicht ausgeschlossen.

  • Gab es eine vierte Explosion?
Am Dienstagvormittag gab es nahe der U-Bahn-Station Maelbeek eine weitere Explosion. Ein Sprengsatz detonierte nahe der viel befahrenen Straße Rue de la Loi. Dabei soll es sich um eine kontrollierte Sprengung gehandelt haben, berichtet der Rundfunk RTBF unter Berufung auf Polizeikreise. Eine offizielle Bestätigung für diese Angaben gibt es nicht.

  • War ein Anschlag auf den Königspalast geplant?

Im königlichen Palast wurde laut dem Nachrichtenportal "Le Soir" ein verdächtiges Paket gefunden. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht, ebenso wenig Angaben darüber, ob dieser Fund im Zusammenhang mit den anderen Anschlägen steht.

Amateur-Videos: Menschen flüchten aus dem Flughafengebäude

Anna Ahrontheim

ssu/vek/als/kry/AFP/dpa

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