Spurensuche nach Brüsseler Anschlägen Der Sprengstoff in der Rue Max Roos

Im Versteck der Attentäter von Brüssel fanden die Ermittler Unmengen Sprengstoff. Die Männer waren der Polizei bekannt. Wie konnten sie so lange unbemerkt agieren?

Das Eckgebäude, in dem der Sprengstoff gefunden wurde
DPA

Das Eckgebäude, in dem der Sprengstoff gefunden wurde


Drei Tage nach den Terroranschlägen von Brüssel sind die drei Selbstmordattentäter identifiziert, die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Nach und nach kommen mehr Fragen auf: Mindestens ein mutmaßlicher Täter soll noch auf der Flucht sein, laut Medienbericht soll es einen weiteren Komplizen geben.

Wer ist der dritte Verdächtige vom Flughafen?

Gesuchter mutmaßlicher Terrorist
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Gesuchter mutmaßlicher Terrorist

Wenige Stunden nach dem Anschlag am Brüsseler Airport veröffentlichte die belgische Polizei ein Fahndungsfoto. Es zeigt drei Männer, die Kofferwagen vor sich herschieben. Zwei von ihnen sprengten sich am Flughafen in die Luft: Bei ihnen soll es sich Ibrahim El Bakraoui und Najim Laachraoui handeln. Die Identität des dritten Verdächtigen ist noch unklar, er ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf der Flucht.

Handelte der Selbstmordattentäter in der Metro allein?

Der jüngere Bruder von Ibrahim El Bakraoui, Khalid, soll sich um 9.11 Uhr in der U-Bahn-Haltestelle Maelbeek in die Luft gesprengt haben. Unklar ist allerdings weiterhin, ob er dabei allein handelte. Der belgische Sender RTBF berichtet, dass Khalid El Bakraoui einen Komplizen gehabt haben soll: Auf Bildern einer Überwachungskamera sei ein zweiter Mann mit einer großen Tasche zu sehen. Unklar sei, ob der Verdächtige bei der Explosion getötet wurde oder ob er auf der Flucht ist. Die Staatsanwaltschaft äußerte sich zunächst nicht dazu.

Im Video: Alle Selbstmordattentäter identifiziert

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Wie konnten die Attentäter so lange unbemerkt agieren?

Die bereits identifizierten Attentäter waren der Polizei bekannt. Najim Laachraoui wurde im Zusammenhang mit der Terrorserie in Paris gesucht, die Brüder Khalid und Ibrahim El Bakraoui laut Staatsanwaltschaft wegen zahlreicher anderer Vergehen.

In der Wohnung in der Rue Max Roos im Brüsseler Viertel Schaerbeek, wo ein Taxifahrer die Attentäter am Dienstagmorgen abholte, entdeckten die Ermittler 15 Kilogramm Sprengstoff, 150 Liter Aceton, 30 Liter Wasserstoffperoxid, Zünder und einen Koffer voller Schrauben und Nägel. Das Material kann zur Herstellung von Bomben verwendet werden. Laut "New York Times" sind US-Sicherheitsbeamte angesichts der Menge an explosiven Stoffen überrascht: Die Herstellung von TATP sei zeitaufwendig und erfordere eine spezielle Ausrüstung. Auch seien einige der Chemikalien sehr geruchsintensiv. Die gefundene Menge werfe Fragen auf, wie die Terroristen trotz der groß angelegten Fahndung nach Salah Abdeslam in der Lage waren, unbemerkt zu bleiben.

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Gibt es einen Zusammenhang zu der Terrorserie in Paris?

Offiziell prüfen die Ermittler, ob die Anschläge von Brüssel mit der Terrorserie in Zusammenhang stehen. Vieles deutet jedoch darauf hin: Najim Laachraoui wurde im Zusammenhang mit den Anschlägen in Paris gesucht. Seine DNA soll an Sprengstoff gefunden worden sein, der in Paris benutzt wurde. Die Ermittler gehen offenbar mittlerweile davon aus, dass er die Paris-Anschläge gemeinsam mit dem festgenommenen Salah Abdeslam vorbereitete.

Auch einer der beiden Brüder wird mit den Anschlägen von Paris in Verbindung gebracht: Khalid El Bakraoui soll unter falschem Namen zwei Verstecke angemietet haben, darunter eine Wohnung, die zur Vorbereitung der Attentate auf die französische Hauptstadt genutzt wurde.

Gibt es einen Zusammenhang zur Festnahme von Salah Abdeslam?

Ob ein Zusammenhang zwischen den Anschlägen und der Verhaftung von Salah Abdeslam, einem der Hauptverdächtigen der Anschläge von Paris, besteht, ist unklar. Er war am 18. März festgenommen worden. Danach hatte die Polizei Namen von weiteren Verdächtigen veröffentlicht, darunter Najim Laachraoui. Khalid El Bakraoui soll außerdem die Wohnung angemietet haben, in der Abdeslam gefasst wurde. Auf einem Laptop fanden Ermittler eine Audiobotschaft von Ibrahim El Bakraoui. Er sei "überall gesucht" worden und "nicht mehr in Sicherheit" gewesen. Er wolle unsterblich werden, nicht "in einer Zelle neben ihm enden". Gemeint ist wohl Abdeslam.

Im Video: Spezialeinheit stellt Salah Abdeslam

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Wie viele Todesopfer gibt es?

Zur Zahl der Opfer in Brüssel gibt es unterschiedliche Angaben. Die belgischen Behörden sprechen von mindestens 31 Toten und über 300 Verletzten - 61 von ihnen liegen auf der Intensivstation. Zwischenzeitlich war von 34 Toten und 230 Verletzten die Rede. Nach Angaben der Polizei finden die Ermittlungen zu den Opfern unter extrem schwierigen Bedingungen statt, die Identifizierung sei sehr aufwendig. "Diese Zahlen können sich in den nächsten Tagen und Wochen noch ändern", hieß es am Mittwoch.

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brk/dpa/AFP

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