Brüssel Ausnahmezustand im Kampf gegen den Terror

Höchste Alarmstufe in Brüssel: Am Sonntag hat die Polizei bei einem groß angelegten Anti-Terror-Einsatz 16 Menschen festgenommen. Am Montag fahren am dritten Tag in Folge keine U-Bahnen, die Schulen bleiben geschlossen. Die Lage im Überblick.


Brüssel bleibt in Alarmbereitschaft: Aus Sorge vor möglichen Anschlägen gilt auch am Montag die höchste Terrorwarnstufe für die belgische Hauptstadt - es ist bereits der dritte Tag in Folge. "Wir fürchten einen ähnlichen Anschlag wie in Paris", sagte Belgiens Premier Charles Michel. Mögliche Ziele könnten belebte Orte wie Einkaufszentren, Einkaufsstraßen oder der öffentliche Nahverkehr sein.

Im Kampf gegen Terroristen hat die Polizei am Sonntagabend an mehreren Orten Häuser durchsucht und insgesamt 16 Menschen vorläufig festgenommen. Hier die wichtigsten Antworten zur Lage in der belgischen Hauptstadt:

Wie lief am Sonntag der Einsatz in Brüssel ab?

Im Zusammenhang mit der erhöhten Terrorgefahr in Belgien gab es 19 Durchsuchungen in mehreren Gemeinden der Hauptstadtregion Brüssel sowie weitere drei Razzien in der wallonischen Industriestadt Charleroi. Das teilte die Staatsanwaltschaft in der Nacht zum Montag mit. Waffen oder Sprengstoff wurden demnach nicht gefunden.

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Terrorwarnung in Belgien: Alarmstufe 4 in Brüssel
Die Polizei nahm 16 Menschen vorläufig fest. Einzelheiten wurden mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht bekannt gegeben. Klar ist allerdings: Der international gesuchte Salah Abdeslam wurde nicht gefunden. Der 26-Jährige soll an der Terrorserie in Paris mit 130 Toten beteiligt gewesen sein, sein Bruder ist einer der Pariser Selbstmordattentäter.

Im Brüsseler Stadtteil Molenbeek feuerte die Polizei während des Einsatzes am Sonntagabend zwei Schüsse auf ein Auto ab. Der Fahrer flüchtete zunächst, konnte dann aber gestellt werden. Laut Staatsanwaltschaft ist noch offen, ob dieser Vorfall mit den Anti-Terror-Ermittlungen zu tun hat.

Was bedeutet Sicherheitsstufe 4?

Seit Samstagmorgen gilt für die Hauptstadt und den Großraum Brüssel die höchste von vier Terrorwarnstufen. Das bedeute, es bestehe eine "ernste und unmittelbare" Bedrohung, sagte Premier Michel. Schon am Wochenende fuhren keine U-Bahnen, Märkte blieben geschlossen, ein verstärktes Aufgebot an Polizisten und Soldaten war im Einsatz. Zahlreiche Großveranstaltungen wurden abgesagt.

Wie lange soll Sicherheitsstufe 4 gelten?

Am frühen Sonntagabend gab die Regierung bekannt, dass auch am Montag im Großraum Brüssel Warnstufe vier gelten werde. Am Nachmittag solle dann neu entschieden werden, sagte Michel. Das Ziel sei, so schnell wie möglich zu einem normalen Leben zurückzufinden. "Wir sind nicht glücklich über diese Situation, aber wir müssen die Verantwortung übernehmen." Im Rest Belgiens gilt weiter die Stufe drei.

Gibt es konkrete Anhaltspunkte für einen Anschlag?

Es habe eine Drohung vorgelegen, dass Attentäter "an verschiedenen Stellen" in Brüssel Anschläge verüben könnten, sagte Premier Michel. Er sprach von "vergleichsweise präzisen Informationen" über Planungen für Anschläge, wie sie in Paris verübt worden waren.

Zwei Terrorverdächtige sollen sich in Brüssel aufhalten, darunter möglicherweise der seit einer Woche gesuchte Salah Abdeslam. Er wohnte mit seinen Brüdern im Brüsseler Stadtteil Molenbeek, nach den Anschlägen in Paris soll er sich wieder nach Belgien abgesetzt haben.

Sein Bruder Brahim hatte sich in Paris in die Luft gesprengt. Sein anderer Bruder, Mohamed, sagte dem belgischen TV-Sender RTBF, die Familie wünsche, dass Salah Abdeslam sich ergebe. "Wir möchten Salah lieber im Gefängnis sehen als im Grab."

Welche Folgen hat das für die Stadt?

Das öffentliche Leben in Brüssel kommt praktisch zum Erliegen. Am Montag beginnt die Arbeitswoche, doch die Metro wird nicht fahren, Straßenbahnen dürfen nur oberirdische Strecken nehmen, Schulen und Universitäten bleiben geschlossen.

Die 1,2 Millionen Einwohner sind aufgerufen, Einkaufszentren, Konzerte, Bahnhöfe und andere Orte zu meiden, an denen viele Menschen zusammenkommen. Mit Sturmgewehren bewaffnete Soldaten werden wieder auf den Straßen patrouillieren, Polizisten Bahnhöfe und Museen bewachen. Die Präsenz von Polizei und Armee werde weiter verstärkt, sagte Premier Michel.

Nach Angaben belgischer Medien sind die Sicherheitsmaßnahmen so noch nie dagewesen. Brüssel ist Sitz der Einrichtungen der Europäischen Union und der Nato. Die Treffen der EU-Finanzminister und der EU-Bildungsminister werden am Montag wie geplant stattfinden. Auch die EU-Kommission will normal arbeiten.

Der aktuelle Ermittlungsstand zu den Täter und Anschlägen von Paris

sun/aar/dpa/AP/AFP/Reuters

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insgesamt 49 Beiträge
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Fakler 23.11.2015
1. Absehbar ...
Warum sollte die Sicherheitslage am Montag eine andere sein als am Samstag ? Die Moeglichkeit dass irgendwo irgendwann mal ein Attentat stattfindet gibt es wohl staendig.
auf_dem_Holzweg? 23.11.2015
2. wir haben jetzt Israel-Alltag mitten in Europa
ein Dank an unsere Politiker, die im Kampf gegen den Terror so kläglich versagt haben. Ein ganz besonderer Dank gilt hier Frau Merkel, die als selbsterkorene Leiterin Europas besonders stursinnig die Außenpolitik hat schleifen lassen. 4 jahre Westerwelle hinterlassen ein einfach zu großes Loch. Wird sich die Terrorgefahr in naher Zukunft ändern? Nein, denn es kann hunderte oder gar tausende Schläferzellen geben, deren Ausbildung ein Jahrzehnt lang von Europa aus geduldet und teils sogar mit Waffen unterstützt wurde. Finden wir uns damit ab im Terror zu leben - wie Israel - und verteilen wir sicherheitshalber schon einmal Gasmasken. Nochmals ein großer Dank an unsere Spitzenpolitiker, denen Waffengeschäfte stets wichtiger war als Entwicklungshilfe!
steveleader 23.11.2015
3. Vogel frei!
Verglichen an der Weltbevölkerung handelt es sich bei dem IS um einen winzigen Haufen von Verbrechern. Gegen diesen Krieg zu führen macht den Schaden nur noch grösser. Ich schlage vor, dass Deutschland eine schwarze und fundierte Liste erstellt, mit Personen die dem IS angehören. Diese Personen werden "Vogel frei" erklärt. Für jede dieser Personen, die tot oder lebendig ausgeliefert wird, wird eine hohe Belohnung ausgelobt. Somit muss kein Krieg geführt werden bei dem es wieder Unschuldige trifft.
gweihir 23.11.2015
4. So kann man seine Budgets auch rechtfertigen...
Das der angerichtete Schaden vermutlich bereits jetzt um mehrere Groessenordnungen ueber einem potentiellen (und moeglicherweise voellig hypothetischen) Anschlag liegt, kapiert das Wahlvolk sowiso nicht. Dazu wurde es von den "Autoritaeten" jetzt zu erfolgreich in Angst versetzt. Wenn man sich das "Cui bono" der Situation anschaut, und dann noch, dass diese Aktion vermutlich als "Abwehr" im Wesentlichen untauglich ist, wird einem einiges klar...
dirk1962 23.11.2015
5. Wie lange?
Ich Frage mich wie lange läßt sich das in einer Metropole wie Brüssel durchhalten und welche Stadt ist die nächste? Natürlich wissen die Behörden in Belgien was sie tun. Aber alleine dieser Zustand ist schon ein Teilerfolg für die Terroristen.
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