Ermittlungen nach Terroranschlägen Neue Polizeieinsätze in der Brüsseler Innenstadt

Polizeieinsätze versetzen Brüssel in Aufregung. Ein verdächtiger Autofahrer wurde in der Innenstadt gestoppt, sein Wagen durchsucht und eine Straße gesperrt.

Polizisten in Brüssel
AFP

Polizisten in Brüssel


Nach dem Doppelanschlag von Brüssel läuft eine Großfahndung nach einem zweiten womöglich flüchtigen Täter. Gleichzeitig trauert die belgische Hauptstadt um die Opfer.

Vor dem belgischen Parlament fand die offizielle Gedenkfeier in Anwesenheit des belgischen Königs Philippe statt. Premierminister Charles Michel versprach, es werde alles getan, um die Verantwortlichen der Anschläge auf den Flughafen und auf die Metro ausfindig zu machen.

Er sagte, die Anschläge hätten "unserer alltäglichen Freiheit gegolten, auf der das europäische Projekt fußt". Die Erinnerung an das Leid und die Verzweiflung würden immer im Gedächtnis bleiben, ebenso wie das Leid nach den Terrorattacken von Paris, Mali, Tunesien und in der Türkei.

Premier Michel lehnt Ministerrücktritt ab

Unterdessen hielten Polizisten am Vormittag in der Innenstadt von Brüssel, im Stadtteil Ixelles, einen verdächtigen Autofahrer an. Gegen 10 Uhr wurden Personalien des Mannes überprüft und sein Auto, ein BMW, untersucht.

Unweit von dem Ort kam es zu einem zweiten Einsatz auf Höhe der Hausnummer 135 der Chaussée d'Ixelles. Die Straße wurde gesperrt und auf etwa 150 Meter Länge geräumt. Von beiden Ereignissen berichtet das belgische Nachrichtenportal "Le Soir" und beruft sich auf die Nachrichtenagentur Belga.

Die Behörden sind wegen zahlreicher Ermittlungspannen und mindestens einem flüchtigen Verdächtigen nervös: Die namentlich bekannten Selbstmordattentäter vom Flughafen, Ibrahim El Bakraoui und Najim Laachraoui, sowie der Metro-Bomber Khalid El Bakraoui sind tot. Doch ein Unbekannter, der einen Kofferwagen mit einer Bombe durch den Flughafen schob, ist offenbar weiter flüchtig. Außerdem könnte der U-Bahn-Attentäter Bakraoui Medienberichten zufolge einen Komplizen gehabt haben.

Vor dem belgischen Staatsbürger Laachraoui hatten türkische Behörden die Belgier offenbar frühzeitig gewarnt. Er war nahe der syrischen Grenze in der Türkei verhaftet und dann nach Belgien ausgewiesen worden. Die belgischen Sicherheitskräfte hatten dem mutmaßlichen Bombenbauer für die Terrorattentate von Paris und späterem Flughafenbomber Laachraoui aber keine Verbindung zum Terrorismus erkannt. Erst nach den Pariser Attentaten wurde er wegen Terrorismusverdacht gesucht. Auch die Brüder Khalid und Ibrahim El Bakraoui waren wegen zahlreicher anderer Vergehen der Polizei bekannt. Verbindungen zum islamistischen Terror kannten die Ermittler aber nicht.

Angesichts wachsender Kritik an den Ermittlungsbehörden hatten der belgische Innenminister Jan Jambon und Justizminister Koen Geens am Vormittag ihre Rücktritte angeboten. Premier Michel hatte diese umgehend abgelehnt.

Bei den Attentaten starben nach bisherigem Erkenntnisstand 31 Menschen, 300 wurden verletzt. 61 von ihnen liegen auf der Intensivstation.

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cht/Reuters

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