Terror in Brüssel Staatsanwaltschaft meldet sechs Festnahmen

Im Zusammenhang mit den Terroranschlägen in Brüssel sind am Donnerstagabend in Belgien sechs Menschen festgenommen worden. Dies teilte die Staatsanwaltschaft in Brüssel mit.

AP

Zwei Tage nach den Anschlägen einer islamistischen Terrorzelle in Brüssel hat die Polizei bei mehreren Razzien sechs Verdächtige festgenommen. Die Ermittlungsbehörde teilte am späten Abend mit, dass am Freitag entschieden werden solle, ob gegen die insgesamt sechs Festgenommenen Haftbefehl erlassen wird. Auch weitere Details würden erst im Laufe des Tages veröffentlicht. Über die Identität der Verdächtigen war zunächst nichts bekannt.

Die Polizeiaktionen am Donnerstag betrafen die Innenstadt und die Gemeinden Schaerbeek und Jette. Spezialkräfte und ein Hubschrauber der Polizei waren im Einsatz, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete. Auf Bildern sind schwerbewaffnete, vermummte Beamte zu sehen, die die abgesperrte Straße sicherten. Zudem waren Forensiker im Einsatz.

Die Fahnder nahmen drei Verdächtige fest, die in einem Auto in unmittelbarer Nähe des Gebäudes der Staatsanwaltschaft im Stadtzentrum unterwegs waren.

Bei einer früheren Durchsuchung im Bezirk Schaerbeek hatte die Polizei nach den Anschlägen vom Dienstag in einer Wohnung eine Bombenwerkstatt gefunden. Dort sollen Terrorverdächtige Sprengsätze gebaut haben.

Unterdessen meldet das Nachrichtenportal "Politico", dass der Terrorverdächtige Salah Abdeslam zwischen seiner Festnahme und den vier Tage später folgenden Anschlägen in Brüssel nur einmal verhört worden sei. Das habe der Rechtsbeistand des 26-jährigen Franzosen bestätigt. Abdeslam hatte sich nach den Anschlägen in Paris im November in Brüssel versteckt und war am 19. März dort gefasst worden.

Laut dem "Politico"-Bericht, der sich auf zwei Quellen aus Ermittlungskreisen beruft, habe es medizinische Gründe dafür gegeben, dass die Vernehmung nur etwa eine Stunde gedauert habe. Abdeslam war bei seiner Festnahme leicht am Bein verletzt und anschließend operiert worden, er habe während des Verhörs in seinem Gefängnis in Brügge "sehr müde gewirkt".

Das Verhör am Samstag habe keinerlei Hinweise auf die bevorstehenden Anschläge in Brüssel ergeben, sagten beide Informanten dem Bericht zufolge. Die Ermittler seien bei der Befragung chronologisch vorgegangen und hätten Abdeslam zunächst nur zu den Pariser Anschlägen vom 13. November vernommen.

Der Nachrichtensender NBC meldet, dass zwei der Brüsseler Attentäter von US-Sicherheitsbehörden als potenzielle Terroristen in einer Datenbank geführt worden seien. Die belgischen Brüder Ibrahim und Khalid El Bakraoui seien den Behörden bekannt gewesen.

Die Brüder waren in Belgien wegen verschiedener Delikte polizeibekannt, standen aber nicht unter Terrorverdacht. Der 27-jährige Khalid zündete nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft am Dienstag in der Brüsseler Metro eine Bombe. Der 29-jährige Ibrahim war demnach einer der Selbstmordattentäter vom Flughafen Zaventem.

Bei den Terroranschlägen waren am Dienstag mehr als 30 Menschen getötet und 300 weitere verletzt worden.

jul/mka/dpa/AFP/Reuters



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