Buch über Bin-Laden-Einsatz: Pentagon droht Navy Seal mit juristischer Offensive

Alle rechtlichen Möglichkeiten will die US-Regierung ausschöpfen, um das Enthüllungsbuch eines ehemaligen Elite-Soldaten zu stoppen. Der Ex-Navy-Seal war am Einsatz beteiligt, bei dem Osama Bin Laden getötet wurde - und macht sich laut Pentagon des Geheimnisverrats schuldig.

Tod in Abbottabad: Einsatz gegen Osama Bin Laden Fotos
REUTERS

Washington - Das US-Verteidigungsministerium wehrt sich gegen die Veröffentlichung des Buches eines US-Elitesoldaten über den Einsatz gegen Terrorchef Osama Bin Laden - dieses verstoße gegen Geheimhaltungsvorschriften des Militärs. In einem Schreiben an den Verlag und den Autor kündigt der Chefjurist des Pentagon, Jeh Charles Johnson, den Einsatz "aller rechtlichen Möglichkeiten" an. Johnson hält nach Angaben des Senders CNN dem ehemaligen Elitesoldaten vor, dass dieser bereits 2007 zwei Geheimhaltungserklärungen unterschrieben habe. Darin sei die Verpflichtung enthalten, keine sensiblen Informationen preiszugeben und etwaige Manuskripte vor der Veröffentlichung dem Pentagon vorzulegen.

Das Verteidigungsministerium will laut Johnson nicht nur gegen den Autor selbst, sondern auch gegen alle anderen Beteiligten vorgehen. Eine weitere öffentliche Verbreitung der Inhalte würde einen etwaigen Straftatbestand nur verschärfen, heißt es in dem Brief. Der herausgebende Verlag Dutton, der zur Penguin-Gruppe gehört, war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Das Buch trägt den Titel "No Easy Day: The Firsthand Account of the Mission That Killed Osama Bin Laden". Autor ist nach Angaben der "Washington Post" und anderer Medien der inzwischen in den Ruhestand getretene Matt Bissonnette, der bei der Operation gegen Bin Laden im Mai 2011 einer der Teamführer gewesen sei. Er schrieb das Buch, das in der kommenden Woche auf den Markt kommen soll, unter dem Pseudonym Mark Owen.

Laut veröffentlichten Auszügen schossen die Soldaten der Marine-Eliteeinheit Seals Terroristenchef Bin Laden bei ihrem Überraschungsangriff angeblich schon in der Wohnungstür seines Anwesens tödlich in den Kopf. Er habe keine Gegenwehr geleistet, als Navy Seals das Gebäude in Pakistan stürmten, heißt es nach Darstellung der "Washington Post" und der "New York Times".

Die Veröffentlichung des Buches war weder vom Weißen Haus noch vom Pentagon genehmigt worden: Sie zeigten sich vielmehr überrascht und verärgert. Den Zeitungen zufolge lehnten beide eine Stellungnahme zum Inhalt des Buches ab.

ffr/dpa/Reuters/AP

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insgesamt 34 Beiträge
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1. Die Welt belogen...
579934 31.08.2012
Die USA haben die Welt (mal wieder, möchte man sagen) belogen: Sie haben behauptet, die Seals hätten das Anwesen gestürmt, und Bin Laden erschossen. In Wahrheit hat er sich wohl selbst erschossen, und sie haben lediglich die Leiche geborgen. Das klingt etwas weniger heldenhaft, also hat man die Geschichte wohl ein bisschen "frisiert", um Obama gut dastehen zu lassen. Es ist doch kein Wunder, dass kein Mensch mehr den öffentlichen Versionen glaubt. Dass die Leiche im Meer versenkt wurde, glaube ich jetzt erst recht nicht mehr.
2. Gegen was, wen wo gehen diese USA eigentlich
herr_kowalski 31.08.2012
Zitat von sysopAPDie US-Regierung will offenbar die Veröffentlichung eines Buches über den Einsatz gegen Qaida-Chef Bin Laden verhindern. Das Pentagon kündigte an, rechtlich gegen den Autoren - einen beteiligten Elitesoldaten - vorzugehen, sollte dieser Geheimnisse verraten haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853078,00.html
nicht mit aller Macht vor ??
3. ...
deus-Lo-vult 31.08.2012
Zitat von sysopAPDie US-Regierung will offenbar die Veröffentlichung eines Buches über den Einsatz gegen Qaida-Chef Bin Laden verhindern. Das Pentagon kündigte an, rechtlich gegen den Autoren - einen beteiligten Elitesoldaten - vorzugehen, sollte dieser Geheimnisse verraten haben. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,853078,00.html
Der will ein Seal gewesen sein? Der verstößt gegen jeglichen Kodex. Und sollte er tatsächlich classified information in seinem Buch verarbeiten, dann muss er auch dafür bestraft werden. Das weiß er auch.
4. tja, usa
spon-facebook-10000134765 31.08.2012
lügen haben kurze beine. man kann sie chirurgisch verlänern, aber nicht ins unendliche
5. Was sonst?
absalom 31.08.2012
Man kann davon ausgehen, dass dieser Einsatz ausschließlich die Tötung von Osama Bin Laden zum Ziel hatte. Durch eine Gefangennahme wäre für die US-Regierung und die NATO-Staaten eine unkalkulierbare Situation entstanden. Heutzutage kann man eine solche Operation nur eine relativ kurze Zeit geheim halten – in einer Gesellschaft, die den Handel mit Informationen zur Grundlage ökonomischen Handels gemacht hat.
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Osama Bin Laden über...
 
Den 11. September
"Wir berechneten im Voraus, wie viele Verluste der Feind erleiden würde. Wir nahmen als Grundlage die Position des Turms und errechneten, wie viele getötet werden würden. Wir schätzten, dass ungefähr drei bis vier Stockwerke getroffen werden würden. Ich war besonders optimistisch ..., weil ich auf diesem Gebiet bereits Erfahrung habe. Ich vermutete, das brennende Benzin würde die Eisenträger des Gebäudes schmelzen. Aber ich dachte nur, dass die Einschlagstelle und die Stockwerke darüber einstürzen würden. Mehr wagten wir nicht zu hoffen."

November 2001, zitiert nach: Abou-Taam/Bigalke: "Die Reden des Osama Bin Laden"
Den Irak-Krieg
"Ich jubele darüber, dass Amerika in den Schlammlöchern des Tigris und Euphrat steckengeblieben ist... Bush glaubt, der Irak und sein Öl seien leichte Beute, und nun steckt er durch die Gnade Gottes fest und kann weder vor noch zurück. Amerika schreit aus voller Kehle, während es vor den Augen der Welt auseinanderbricht."

Oktober 2003, zitiert nach: Coll: "Die Bin Ladens. Eine arabische Familie"
Amerika
Im September 2007 wandte sich Osama Bin Laden "an die Amerikaner": "So wie ihr euch zuvor aus der Sklaverei der Mönche, Könige und Feudalherren befreit habt, so solltet ihr euch jetzt von den Irreführungen ... des kapitalistischen Systems befreien."

Politische, geschichtliche und moralische Erörterungen vermischend, zeichnet Bin Laden das Bild einer Nation, die auf der Verliererstraße ist. Obwohl militärisch übermächtig, könnten die Amerikaner im Irak nicht gewinnen - weil sie zwar moralisch argumentierten, in Wahrheit aber nur den Interessen internationaler Konzerne folgten.

Das Ansehen der USA sei deswegen ruiniert. Um "den Krieg zwischen uns" zu stoppen, gebe es zwei Möglichkeiten: Entweder die Mudschahidin stellten die Kampfhandlungen ein, was aber nicht gehe, weil sie eine Pflicht erfüllten. Oder die USA sähen endlich ein, dass sie die Verlierer im Irak seien. Es sehe aber so aus, als würden sie die eigenen Fehler aus dem Vietnam-Krieg und die der Sowjets aus dem Afghanistan-Feldzug wiederholen und sich vor der besseren Einsicht drücken.

Es gebe allerdings einen Ausweg, sagte Bin Laden weiter: Die Amerikaner sollten "nach einem alternativen, aufrechten Weg suchen", in dem es nicht darum gehe, andere zum eigenen Nutzen zu unterdrücken. Natürlich hat dieser Weg auch einen Namen: Die Amerikaner sollen zum Islam konvertieren.
Die Europäer
"Unsere Aktionen sind nur eine Antwort auf eure Aktionen - eure Zerstörung und und euren Mord an unseren Leuten, ob in Afghanistan, im Irak oder Palästina... Nach welchem Glauben sind eure Toten wertvoll und unsere wertlos? Nach welcher Logik zählt euer Blut als echt und unseres als Wasser? Vergeltung ist Teil von Gerechtigkeit, und der, der feindliche Akte zuerst begeht, ist der, der unrecht handelt. Ich rufe alle Männer, insbesondere Gelehrte, die Medien und Geschäfstleute dazu auf, eine permanente Kommission einzuberufen, um in Europa das Bewusstsein für unsere gerechten Gründe zu stärken... Ich mache einen Friedensvorschlag, der im Kern die Verpflichtung darstellt, alle Operationen gegen jeden Staat einzustellen, der sich verpflichtet, keine Muslime oder islamischen Staaten anzugreifen. "

April 2004, zitiert nach: Lawrence: "Messages to the World. The Statements of Osama Bin Laden"
Den "Kampf der Kulturen"
"Ohne jeden Zweifel (glaube ich an den Kampf der Kulturen). Das heilige Buch erwähnt ihn klar. Die Juden und Amerikaner haben das Lügenmärchen vom Frieden auf Erden erfunden. Das ist nur ein Märchen für Kinder."

Nach dem 11. September 2001 auf al-Dschasira. Zitiert nach: Coll: "Die Bin Ladens. Eine arabische Familie"