Buch über Bin-Laden-Tötung Ex-Elitesoldat übergibt alle Einnahmen der US-Regierung

Als Osama Bin Laden 2011 getötet wurde, war der frühere Elitesoldat Matt Bissonnette dabei. Sein Buch über den Einsatz löste einen jahrelangen Streit mit dem Pentagon aus. Der ist nun beendet - zu einem hohen Preis.

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"Kein einfacher Tag" heißt das Buch, in dem Matt Bissonnette den Einsatz gegen den al-Qaida-Führer Osama Bin Laden schildert. Keine einfachen Jahre folgten für ihn auf die Veröffentlichung seiner Erlebnisse im Jahr 2012. Sein Buch war mit keiner offiziellen Stelle abgesprochen. Das US-Verteidigungsministerium klagte gegen ihn wegen möglichen Geheimnisverrats.

Nun haben sich Bissonnette und die US-Regierung geeinigt. Bissonnette werde der US-Regierung rund 6,8 Millionen Dollar - umgerechnet sechs Millionen Euro - an Tantiemen und Redehonoraren zahlen. Er habe eingewilligt, alle früheren und künftigen Einnahmen aus seiner Veröffentlichung dem Staat zu überlassen, teilte eine Sprecherin des US-Justizministeriums mit.

Bissonnette, der das Buch unter dem Namen Mark Owen geschrieben hatte, reagierte nicht erfreut. "Erst haben sie mich beschuldigt, dass ich all diesen Geheimdienstkram verraten habe. Sie haben aber nichts gefunden", sagte Bissonnette der Nachrichtenwebsite "Daily Beast". Vier Jahre lang hätten die US-Behörden nach etwas gesucht, um ihn "irgendwie dranzukriegen". Nun habe sich das Thema "mit einer Unterschrift" erledigt. Nicht für ihn: Er habe jetzt 1,5 Millionen Dollar Schulden.

Der US-Regierung war vorgeworfen worden, mit zweierlei Maß zu messen, weil sie gegen Bissonnette vorging, während US-Vertreter dem Drehbuchautor Mark Boal für den Film "Zero Dark Thirty"den Einsatz gegen Bin Laden detailreich schilderten. Der Action-Thriller kam eineinhalb Jahre nach dem Tod Bin Ladens in die Kinos.

Geheimeinsatz in Pakistan

Osama Bin Laden, der Gründer und Anführer des Terrornetzwerkes al-Qaida war Anfang Mai 2011 bei einem Geheimeinsatz im pakistanischen Abbottabad getötet worden.

In seinem Buch hatte Bissonnette geschrieben, dass Bin Laden unbewaffnet gewesen sein und keine Gegenwehr geleistet haben soll. Davor hatte es in Berichten stets geheißen, Bin Laden habe sich gewehrt und sei im Kugelhagel der Navy Seals gestorben.

Mitglieder der Navy Seals und anderer Kommandoeinheiten sind zur Verschwiegenheit verpflichtet und vermeiden es, öffentlich über ihre Einsätze zu sprechen. "Weder gehe ich mit meiner Arbeit hausieren, noch suche ich Anerkennung für meine Taten", so steht es in ihrem Ehrenkodex.

Ein anderer Soldat, der Bin Laden mit einem Kopfschuss getötet haben will, hat sich allerdings ebenfalls ausführlich in US-Medien geäußert - auch Robert O'Neill war Angehöriger der Navy Seals. Seinen Aussagen zufolge gaben außer ihm mindestens zwei weitere Seals-Soldaten Schüsse ab.

Der Chef des Führungskommandos Naval Special Warfare Command, Sean Pybus, hatte 2012 die Mitglieder der Eliteeinheit in einem Brief vor weiteren Veröffentlichungen gewarnt. Das "Verhökern von Informationen" über Einsätze oder Trainingsmethoden bringe die Soldaten und ihre Familien in Gefahr. Navy Seals dürften nicht unangemessenen finanziellen oder politischen Profit aus ihrer Tätigkeit schlagen. Die Wahrung der Anonymität sei "eine lebenslange Verpflichtung".

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Osama Bin Laden: Ein Leben, um zu töten

kgp/AFP

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