Ungarn Budapester Bahnhof wieder offen - Flüchtlinge drängen auf Zug

Tausende Flüchtlinge harren seit Tagen in Budapest aus, nun hat die Polizei den Bahnhof wieder geöffnet. Agenturberichten zufolge kam es an einem Zug zu turbulenten Szenen.


Am Ostbahnhof in Budapest haben sich chaotische Szenen abgespielt: Laut Augenzeugenberichten hat die ungarische Polizei das Gebäude wieder geöffnet und sich von den Absperrungen zurückgezogen. Die Flüchtlinge, die seit Tagen vor dem Gebäude auf Einlass gewartet hatten, strömten in den Bahnhof. Wie ein Reuters-Reporter beobachtete, versuchten sie dort, in einen Zug zu gelangen.

Den Durchsagen zufolge soll es jedoch bis auf unbestimmte Zeit keine internationalen Zugverbindungen geben, berichtet ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP. Auch der ungarische Bahnbetreiber erklärt, es gebe derzeit keine direkten Zugverbindungen von Budapest nach Westeuropa. Auch die österreichische Polizei bestätigt, es gebe keine Züge von der ungarischen Hauptstadt nach Wien. Die weitere Vorgehensweise würde derzeit besprochen.

Ungarn war in den vergangenen Wochen zu einem der Brennpunkte der europäischen Flüchtlingskrise geworden. Unter anderem wird das Land wegen seines Grenzzauns gegen Flüchtlinge kritisiert. Der ungarische Regierungschef Viktor Orbán berät am heutigen Donnerstag mit EU-Parlamentspräsident Martin Schulz, Ratspräsident Donald Tusk und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker über mögliche Lösungen.

In einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" kritisierte Orbán eine "verfehlte Einwanderungspolitik" der EU. Die EU-Grenzen müssten geschützt werden, über jede andere Frage zur Flüchtlingskrise "lohnt es sich nur dann zu sprechen, wenn die Flut aufgehalten worden ist".

Außenminister Frank-Walter Steinmeier spricht sich für eine faire Verteilung der Hilfesuchenden auf die EU-Länder aus. Seine Amtskollegen aus Lettland, Litauen und der Slowakei bekräftigten jedoch in der "Bild"-Zeitung ihre Ablehnung verpflichtender EU-Quoten. Tschechien kündigte an, syrische Flüchtlinge rascher nach Deutschland weiterreisen zu lassen.

vek/Reuters/AFP



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