Buddhist in Südkorea: Himmelsherrscher, vereinigt uns

Aus Seoul berichtet Heike Sonnberger

Mönch Bop Ta im Tempel Jeong Gak Won: "In zwei Monaten vereint" Zur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

Mönch Bop Ta im Tempel Jeong Gak Won: "In zwei Monaten vereint"

Es ist eine verzweifelte Hoffnung, der südkoreanische Mönch Bop Ta will nicht von ihr lassen: Der Norden und der Süden sollen bald wiedervereinigt werden. Doch die aktuelle Lage macht selbst einen Optimisten wie ihn nachdenklich.

Mit der Einsendung erklärt der Absender, dass er die Rechte an den Fotos besitzt, mit der Veröffentlichung einverstanden ist und die Allgemeinen Nutzungsbedingungen akzeptiert.

* optional

Vielen Dank!
Ihr Tipp wurde gespeichert - in wenigen Minuten können Sie ihn auf der Karte sehen.

Tipp mitteilen

Facebook Twitter Tipp versenden
Beitrag melden

Begründen Sie knapp, warum es mit diesem Beitrag ein Problem gibt.

Hier geht's zur großen Reise-Weltkarte

Es ist nicht so, dass sich der buddhistische Priester Bop Ta, 68, den Krieg wünscht. Aber etwas Gutes hätte es doch, wenn die Truppen Nord- und Südkoreas aufeinanderprallen würden. "In zwei Monaten wäre das Land wieder vereint", sagt der Abt des Tempels Jeong Gak Won in Seoul. Der Süden würde den Norden schlucken, wie damals die BRD die DDR, da ist sich Bop Ta sicher. Endlich wäre sein Traum erfüllt.

Bop Ta war Doktorand in Kalifornien, als er sich der koreanischen Wiedervereinigungsbewegung anschloss. Das ist fast 30 Jahre her und die Grenze, die seine Heimat zerschneidet, war da schon fast 40 Jahre alt. Trotzdem sagt der südkoreanische Mönch: "Es kann jeden Tag passieren, und dann müssen wir bereit sein."

Wenn er sich in seiner grauen Kutte und den Zehensocken zum Gebet in den Schneidersitz hinunterlässt, auf das gelb schimmernde Kissen in der Haupthalle des Tempels, kann er aus dem Augenwinkel ein Gemälde sehen, ein buntes Mandala, in dessen Zentrum ein Buddha vor einer Karte der vereinigten Halbinsel meditiert.

"Als könne unser Land nicht mehr atmen"

Der Abt sieht selbst aus wie ein Buddha, freundlich, runder Bauch, lange Ohrläppchen, kein Revolutionär. Er ist ein Typ, der still und stur kämpft für ein Ziel, das andere längst aufgegeben haben. 70-mal habe er Pjöngjang besucht, erzählt er, 33-mal den heiligen Berg Kumgang in Nordkorea, siebenmal die Stadt Kaesong. Stets hätten ihn die buddhistischen Mönche dort eingeladen.

Jetzt sind es schon drei Jahre, seit er zum letzten Mal jenseits der Grenze war, und das macht ihn sauer. "Der Norden hat alles abgeriegelt", sagt Bop Ta. Im Februar zündete das Regime von Kim Jong Un seinen dritten Atomtest und seither sind die Beziehungen zwischen den beiden Koreas noch angespannter als zuvor.

Die Kriegsdrohungen aus Pjöngjang hält Bop Ta zwar für Show. Der junge Kim Jong Un und die Frau im Präsidentenpalast in Seoul, Park Geun Hye, wollten sich gegenseitig etwas beweisen. Doch auch wenn der Mönch nicht daran glaubt, dass bald Raketen fliegen und Panzer rollen: "Es fühlt sich an, als könne unser Land nicht mehr atmen." Es brauche den Austausch zwischen den Menschen so sehr wie der Körper den Sauerstoff.

Überrascht von der Feindseligkeit

Bop Ta bleiben im Moment nur die Faxe, die er an einen Buddhistenverband in China schickt, der sie in Umschläge steckt und nach Nordkorea sendet. Er hat erst letzte Woche um ein Treffen im Norden gebeten, aber noch keine Antwort erhalten. Wie es seinen Freunden geht, weiß er nicht, private Fragen kann er ihnen per Fax nicht stellen.

Als er zuletzt 2010 zu Besuch war, ging es ihnen überraschend gut, sagt Bop Ta. "Ich dachte, die Menschen dort wären schlechter dran." Doch der große Bruder China habe für mehr Apartments, mehr Autos, eine bessere Stromversorgung gesorgt. Allerdings seien viele Leute auch feindseliger gegenüber Südkorea und den USA gewesen. Kein Aufschwung ohne Indoktrination.

Nord- und Südkorea säßen zwischen den Großmächten in der Falle. China wolle den nordkoreanischen Markt und am liebsten das ganze Land für sich. Südkorea habe die USA im Rücken. Ob die Wiedervereinigung da wirklich jeden Tag passieren könnte? Nein, im Moment sei die Stimmung doch zu feindselig, räumt Bop Ta ein.

Bis sich das ändert, wird er weiter Mantras und Lehren in seinem Tempel in Seoul rezitieren. Und dabei hoffen, dass die Herrscher der vier Himmelsrichtungen aus der buddhistischen Mythologie, die in den Ecken des Mandalas an der Wand kauern, auch ein Auge auf seine zerrissene Heimat haben.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 24 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Lösungsvorschlag
seltenwichtig 06.04.2013
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEEs ist eine verzweifelte Hoffnung, der südkoreanische Mönch Bop Ta will nicht von ihr lassen: Der Norden und der Süden sollen bald wiedervereinigt werden. Doch die aktuelle Lage macht selbst einen Optimisten wie ihn nachdenklich. http://www.spiegel.de/politik/ausland/buddhist-in-suedkorea-hoffnung-auf-die-wiedervereinigung-a-892908.html
Die Südkoreaner sagen dem Norden: Wir fürchten uns, deshalb kapitulieren wir.
2.
Dzing 06.04.2013
Zitat von sysopSPIEGEL ONLINEEs ist eine verzweifelte Hoffnung, der südkoreanische Mönch Bop Ta will nicht von ihr lassen: Der Norden und der Süden sollen bald wiedervereinigt werden. Doch die aktuelle Lage macht selbst einen Optimisten wie ihn nachdenklich. http://www.spiegel.de/politik/ausland/buddhist-in-suedkorea-hoffnung-auf-die-wiedervereinigung-a-892908.html
Ihre Beschreibung passt nicht auf Siddharta Gautama (Buddha) und den Gründer des Buddhismus sondern auf Hotei oder Budai, den chinesischen Bettelmönch, der oft mit Buddha verwechselt wird.
3. Kein Aufschwung ohne Indoktrination
Afrojüdischer_Sozi-Sinti 06.04.2013
Weise Worte mit universeller Gültigkeit. Übrigens hinkt der Vergleich Nordkoreas mit der DDR doch zu sehr und kann eigentlich nurnoch mit dem 3. Reich-Vergleich getopt werden... Wann hat die DDR denn mit atomaren Erstschlägen gedroht, wie hieß die Herrscherfamilie der DDR und was entsprach dort der Chuch’e-Ideologie? Der Anfang, der Verlauf und das Ende der DDR sind doch gänzlich Verschieden zu dem in Nordkorea. Es ist schon nervig das auf der einen seite immer erwartet wird sich differenziert mit den Dingen auseinanderzusetzen. Sobald eine Sache aber mal unter einem roten Stern steht fangen die Rücksichtslosen Pauschalisierungen und irrwitzigen Vergleiche an. Man sollte Gorbi und seinen Unterstützern dankbar sein ihren Laden halbwegs friedlich aufgelöst zu haben, und dabei nicht vergessen das eine Systemkrise sich auch weitaus unbequemer entlanden kann. Davor schützen auch Demokratie und Marktwirtschaft nicht immer zuverlässig wie die Geschichte zeigt.
4. dzing
locke27 06.04.2013
hast du überhaupt gecheckt worum es hier geht? Mönche und Buddhismus interessiert hier mal uberhaupt niemanden also spardir deine besserwisserischen kommentare da sie fehl am platz sind!!!
5.
secret77 06.04.2013
Was würden die Koreaner in Nord und Süd antworten, wenn sie gefragt würden: "Wollt ihr die Wiedervereinigung?"
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Südkorea
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 24 Kommentare
Fotostrecke
Südkoreas Hwaeomsa-Tempel: Singen, beten, schlafen