Bürgerkrieg Jemens Regierungschef spricht von "Putsch" durch Separatisten in Aden

Im Jemen ist die Armee von Präsident Hadi nun an zwei Fronten im Einsatz: Im Norden bekämpfen sie die Huthi-Rebellen, in der südlichen Übergangshauptstadt Aden haben Separatisten den Regierungssitz attackiert.

Südjemenitische Rebellen in Aden (Archivbild)
REUTERS

Südjemenitische Rebellen in Aden (Archivbild)


In der jemenitischen Übergangshauptstadt Aden sind heftige Kämpfe um den Regierungssitz ausgebrochen.

Jemens Ministerpräsidenten Ahmed bin Dagher sprach von einem "Putsch" von Separatisten, seine Stellungnahme klingt verzweifelt: "Sie rücken militärisch vor, errichten neue Kontrollpunkte und greifen die Regierung an."

Gemeint sind südjemenitische Rebellen, die sich in Aden schwere Kämpfe mit Regierungstruppen liefern und offenbar mehrere Regierungsgebäude eingenommen haben. Es sollen mehrere Menschen getötet und mehr als zwei Dutzend verletzt worden sein.

Die Situation sei ernst, erklärte bin Dagher. Nun seien "die Koalition (unter Führung Saudi-Arabiens) und alle Araber gefordert, um die Lage zu retten".

Die Kämpfe waren zwischen der Armee von Präsident Abd Rabbuh Mansur Hadi und Kämpfern des Südlichen Übergangsrates (STC) ausgebrochen. In den vergangenen Jahren hatten beide Gruppen gemeinsam gegen die schiitischen Huthi-Rebellen gekämpft, die große Teile des Jemen und die Hauptstadt Sanaa besetzt halten.

Konfliktlinien im Jemen, Stand September 2017
SPIEGEL ONLINE

Konfliktlinien im Jemen, Stand September 2017

In der vergangenen Woche hatten die STC-Separatisten Präsident Hadi aufgefordert, Ministerpräsident bin Dagher und einige Minister wegen Korruption zu entlassen. Am Sonntag war eine von den Separatisten gestellte Frist an Hadi abgelaufen.

Die STC will einen unabhängigen Südjemen. Die Regierung hatte ihren Sitz bereits 2014 von Sanaa nach Aden verlegen müssen, nachdem die Huthi-Rebellen die Hauptstadt erobert hatten. Aden ist die Heimatstadt von Präsident Hadi, hierhin war der von Saudi-Arabien unterstützte Präsident aus dem Exil in Riad zurückgekehrt.

Der Bürgerkrieg im Jemen tobt seit mehr als drei Jahren. Auf der einen Seite stehen die von Iran unterstützten Huthis, auf der anderen Hadi und eine von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition. Immer wieder kommt es zu schweren Bombardements durch saudi-arabische Kampfflugzeuge, bei denen viele Tausend Zivilisten ums Leben kamen. Die Huthi-Rebellen antworten mit mutmaßlich aus Iran gelieferten Raketen, mit denen sie Saudi-Arabien treffen wollen.

Der andauernde Krieg macht die Versorgung in weiten Teilen des Landes unmöglich. Neben Syrien und Somalia gehört der Jemen laut der Uno zu den schwersten humanitären Krisenherden weltweit. Im November warnte Uno-Nothilfekoordinator Mark Lowcock vor einer Hungersnot "mit Millionen von Opfern".

Zudem grassiert in dem Land eine Choleraepidemie, etwa 900.000 Menschen sind infiziert. Wie die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen zuletzt meldete, breitet sich neben der leicht zurückgehenden Cholera nun mit Diphtherie eine weitere tödliche Infektionskrankheit aus.

cht/dpa/Reuters/AP

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