Bürgerkrieg Uno spricht von Tausenden Toten im Südsudan

In nur einer Woche sind bei den Kämpfen im Südsudan nach Uno-Angaben Tausende Menschen getötet worden. Zahlreiche Opfer wurden offenbar in Massengräbern verscharrt. US-Außenminister Kerry will zwischen den Konfliktparteien vermitteln.

Soldat im Südsudan: "Massenweise außergerichtliche Tötungen"
REUTERS

Soldat im Südsudan: "Massenweise außergerichtliche Tötungen"


Genf/Juba - Bei den Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen im Südsudan sind nach Einschätzung der Vereinten Nationen binnen einer Woche Tausende Menschen getötet worden. Es bestehe "kein Zweifel" daran, dass die Zahl der Toten "in die Tausende" gehe, sagte der stellvertretende Leiter der UN-Mission im Südsudan (Unmiss), Toby Lanzer, am Dienstag vor Journalisten in der Hauptstadt Juba.

Zuvor hatte die Uno bereits von Kriegsverbrechen in dem Land gesprochen. "Wir haben ein Massengrab in Bentiu, im Bundesstaat Unity, entdeckt, und es gibt Berichte über mindestens zwei weitere Massengräber in Juba", teilte die Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte, Navi Pillay, in Genf mit.

Seit Beginn der Kämpfe vor gut einer Woche habe es Massenexekutionen gegeben, Menschen würden willkürlich verhaftet. "In den letzten Tagen sind massenweise außergerichtliche Tötungen und Angriffe auf Menschen allein wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit dokumentiert worden", sagte Pillay. Hunderte Zivilisten seien in den vergangenen Tagen bei Razzien in Juba verschleppt worden, mehrere hundert Angehörige der Polizeikräfte seien ebenfalls festgenommen worden. Ihr Schicksal ist unklar.

Kerry telefoniert mit Rebellenführer Machar

In dem erst 2011 gegründeten Staat war vor gut einer Woche ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und seinem früheren Stellvertreter Riek Machar eskaliert, die den verfeindeten Volksgruppen der Dinka und Lou Nuer angehören. Seitdem eroberten die Aufständischen mehrere Städte, Hunderte Menschen wurden getötet, Zehntausende in die Flucht getrieben.

US-Außenminister John Kerry telefonierte am Dienstag mit dem im Juli entlassenen Vizepräsidenten Machar, um Gespräche zwischen diesem und der Regierung in Gang zu bringen, wie der Sender CNN unter Berufung auf einen Ministeriumsbeamten berichtete. Kerry habe auf einen Waffenstillstand und unverzügliche politische Gespräche gedrungen, zitierte der Sender den Beamten.

Angesichts der dramatischen Lage ist für Dienstag eine Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats angesetzt, um das Truppenkontingent der Blauhelm-Mission im Südsudan (Unmiss) um 5500 Soldaten aufzustocken. Zur Unmiss gehören bislang 7000 Blauhelm-Soldaten, 900 Polizisten sowie mehr als 2000 Zivilisten aus dem In- und Ausland.

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wunsiedel 26.12.2013
1. Es geht nur ums Geld
Im Artikel vom 10.6.2012, also vor 1½ Jahren, ist alles erklärt: http://www.spiegel.de/politik/ausland/der-suedsudan-steht-ein-jahr-nach-der-unabhaengigkeit-vor-dem-bankrott-a-837370.html
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