Bürgerkrieg in Mali Tuareg und Islamisten verbünden sich

Sie wollen im Norden Malis einen neuen Staat errichten: Die Islamistengruppe Ansar Dine und die Tuareg-Rebellen haben nun ein Abkommen unterzeichnet. In Azawad soll der Koran als Rechtsgrundlage gelten. Mehr als 300.000 Menschen sind auf der Flucht.

Flüchtlinge aus Nord-Mali in Mauretanien: Mehr als 300.000 sind auf der Flucht
REUTERS

Flüchtlinge aus Nord-Mali in Mauretanien: Mehr als 300.000 sind auf der Flucht


Addis Abeba/Bamako - Im Norden von Mali haben die Tuareg-Rebellen ihren Zusammenschluss mit der Islamistengruppe Ansar Dine verkündet. Die Bewegung Ansar Dine sowie die Rebellen der Nationalen Befreiungsbewegung von Azawad (MNLA) würden einen "Übergangsrat eines islamischen Staates Azawad" gründen, erklärten beide Gruppen am Samstag in der Stadt Gao. Dort sei ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet worden.

MNLA-Oberst Bouna Ag Attayoub sagte der BBC: "Die Islamische Republik Azawad ist nun ein unabhängiger, souveräner Staat." In der Erklärung heißt es nun, man "akzeptiere den Islam als Religion". Der Koran sei die "Quelle des Rechts". Dagegen hatte sich die MNLA bisher gesträubt. Was die jetzt getroffene Vereinbarung genau vorsieht, war zunächst unklar.

Getroffen wurde das Abkommen in der Stadt Gao, wo Vertreter der Tuareg-Rebellen und der Islamisten seit Tagen miteinander verhandelt hatten. Die Rebellen hatten die Stadt Anfang April zusammen mit den beiden anderen strategisch wichtigen Städten Kidal und Timbuktu eingenommen worden.

Das Gebiet, das die Rebellen für sich beanspruchen und das sie "Azawad" nennen, reicht von den Grenzen zu Algerien und Niger bis zum Fluss Niger, der außerhalb von Timbuktu verläuft. Die Kämpfer hatten den neuen Staat bereits Anfang April ausgerufen. Die Afrikanische Union hatte die Erklärung der Tuareg für nichtig erklärt.

Flüchtlinge aus Gao hatten bereits im April erklärt, dass nun im Norden Malis das islamische Recht gelte. Frauen dürften sich nicht mehr kleiden, wie sie wollten und müssten ihren Kopf bedecken. Bars und Nachtclubs in Gao seien dem Erdboden gleichgemacht worden, erklärten Malier, die in Niger Zuflucht gesucht hatten. Insgesamt sind bereits mehr als 300.000 Menschen aus der Region geflohen.

Der Separatistengruppe Ansar Dine werden Verbindungen zur Terrororganisation al-Qaida im islamischen Maghreb nachgesagt. Die Islamisten hatten die MNLA nach dem Militärputsch in der Hauptstadt Bamako am 22. März bei der Eroberung von Nord-Mali unterstützt.

Das westafrikanische Land steckt in der Krise, seit es einer Gruppe von Soldaten im März gelungen war, die Macht an sich zu reißen und Präsident Amadou Toumani Touré zu stürzen. Die Putschisten warfen Touré vor, die Tuareg-Rebellen und bewaffnete Islamisten im Norden des Landes nicht ausreichend bekämpft zu haben. Nach dem Putsch gelang es diesen dann binnen Tagen, Teile des Nordens unter ihre Kontrolle zu bringen.

ore/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.