Bürgerkrieg Eine Million syrische Kinder sind auf der Flucht

Die Lage der syrischen Flüchtlinge ist verheerend - besonders für die Kinder. Eine Million Jungen und Mädchen werden ihrer Kindheit beraubt, sie müssen arbeiten oder werden verheiratet. Die Uno spricht von der größten Katastrophe seit dem Völkermord in Ruanda.

REUTERS

Genf - Die Zahlen sind erschütternd: Mehr als eine Million syrische Kinder sind laut einem Bericht des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR vor dem Bürgerkrieg ins Ausland geflüchtet. Die höchsten Zahlen von Kinderflüchtlingen hat die Organisation im Libanon (385.000), der Türkei (294.000) und Jordanien (291.000) verzeichnet. Insgesamt sei mehr als jeder zweite syrische Flüchtling ein Kind.

Der UNHCR-Direktor für internationalen Flüchtlingsschutz, Volker Türk, sagte, seit dem Völkermord in Ruanda 1994 habe es keine vergleichbare Flüchtlingskatastrophe gegeben. Viele Kinder seien psychisch traumatisiert. Das zeige sich an Symptomen wie Schlaflosigkeit, Stottern und Bettnässen. "Die Kinder müssen Dinge verarbeiten, mit denen schon Erwachsene größte Schwierigkeiten hätten", sagte Türk.

Jede zweite Familie, die in Jordanien Zuflucht gefunden habe, sei ganz oder teilweise auf ihre Kinder angewiesen, um sich ein Einkommen zu sichern, sagte Uno-Flüchtlingskommissar António Guterres. Schon Siebenjährige müssten Geld verdienen, damit ihre Familie überlebe, auch weil viele Väter in Syrien bleiben und Frau und Kinder allein ins Ausland ziehen lassen.

Drei Euro für zwölf Stunden Arbeit

Der UNHCR-Bericht "Syriens Zukunft - Flüchtlingskinder in der Krise" schildert das Schicksal des 13-jährigen Flüchtlingsjungen Samir. Er arbeitet an sechs Tagen in der Woche in einem Teehaus in Irbid, nahe der jordanisch-syrischen Grenze. Für eine Zwölf-Stunden-Schicht bekommt er umgerechnet nicht einmal drei Euro.

Samirs Vater starb bei einem Bombenangriff auf das Haus der Familie in Homs, seine Mutter ist seither gelähmt. Seine 15 Jahre alte Schwester wurde an einen 50-jährigen Syrer verkauft, weil die Mutter glaubt, so habe sie die besten Aussichten auf ein normales Leben.

Für Mädchen ist die Lage in den Flüchtlingslagern besonders schwierig. Viele Eltern verbieten ihnen, die Unterkünfte zu verlassen, aus Sorge vor sexuellen Übergriffen. Laut dem UNHCR-Bericht dürfen 29 Prozent der Kinder ihre Behausungen nur einmal pro Woche verlassen.

Nur noch eine Minderheit der Flüchtlingskinder kann zur Schule gehen. Im Libanon wird die Zahl der schulpflichtigen syrischen Jungen und Mädchen die der einheimischen Kinder schon bald übersteigen, sagt die Uno voraus. Damit würden die Aufnahmeländer deutlich überfordert, selbst wenn an vielen Schulen im Libanon und in Jordanien bereits ganztägig in verschiedenen Schichten unterrichtet werde. Bis Ende 2013 werden in beiden Ländern insgesamt 300.000 Flüchtlingskinder ohne Schulplatz sein. Die UNHCR hat daher die internationale Gemeinschaft zu größerer Unterstützung für Syriens Nachbarländer aufgerufen.

Mindestens ebenso wichtig sei es jedoch, an einer Lösung für den Syrien-Konflikt zu arbeiten, so UNHCR-Direktor Türk: "Wir müssen die Hoffnung aufrechterhalten, dass eine Lösung in Sicht ist und die Leute eines Tages zurückkehren können."

syd/AFP/dpa



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insgesamt 35 Beiträge
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nixda 29.11.2013
1. Ja was denn nun?
Waren die tollen Rebellen dann doch nicht so toll? Mist aber auch, da hat die versammelte Presse diese Rebellen gehypt und nun kommt die Realität doch noch. Ja nu, was kümmert das den Journi? Dann hofft man beim nächsten mal einfach noch inniger und dann kommt das sicher gut. Letztens hatte ich die Gelegenheit mit einem Ägypter zu reden. Der arbeitet in einem Imbissstand und meinte, dass sein Land die Führung von einer Person benötige. Demokratie funktioniere dort nicht. Ich würde sagen diese Weisheit gilt wohl für die ganze Gegend.
dieter0708 29.11.2013
2.
Ein Teil der Wahrheit fehlt in diesem Bericht wohl. Die Väter schicken die Familie oder nur die Kinder in's Ausland und kämpfen dann bei einer der vielen Milizen. Das Elend bricht nicht so herein, das wird von den syrischen Vätern gemacht.
Meinungsfreiheitskämpfer 29.11.2013
3. End credits
Zitat von sysopREUTERSDie Lage der syrischen Flüchtlinge ist verheerend - besonders für die Kinder. Ein Million Jungen und Mädchen werden ihrer Kindheit beraubt, sie müssen arbeiten gehen oder werden verheiratet. Die Uno spricht von der größten Katastrophe seit dem Völkermord in Ruanda. http://www.spiegel.de/politik/ausland/buergerkrieg-in-syrien-1-million-kinder-sind-ins-ausland-gefluechtet-a-936288.html
Dieser "Erfolg" wäre nicht möglich gewesen ohne das Sponsoring aus Katar und Saudi-Arabien, ohne die logistische Unterstützung durch die Türkei, und den servilen Eifer diverser politischer Helfershelfer in Paris, London und Washington, ... nicht zu vergessen den publizistischen Feuerschutz aus diversen Reaktionsstuben.
magetasalex 29.11.2013
4. Was haben Ihre Worte denn mit dem Spon-Kommentar zu tun?
Zitat von nixdaWaren die tollen Rebellen dann doch nicht so toll? Mist aber auch, da hat die versammelte Presse diese Rebellen gehypt und nun kommt die Realität doch noch. Ja nu, was kümmert das den Journi? Dann hofft man beim nächsten mal einfach noch inniger und dann kommt das sicher gut. Letztens hatte ich die Gelegenheit mit einem Ägypter zu reden. Der arbeitet in einem Imbissstand und meinte, dass sein Land die Führung von einer Person benötige. Demokratie funktioniere dort nicht. Ich würde sagen diese Weisheit gilt wohl für die ganze Gegend.
Was haben Ihre Worte denn mit dem Spon-Kommentar zu tun?
crescon3 29.11.2013
5. Inhumane Welt
In der wir leben, den homo sapiens sucht man vergebens bei den Regierenden. Angeblich gibt es doch den mächtigsten Mann der Welt (Obama), und die mächtigste Frau der Welt (Merkel) – und was tun diese Mächtigsten zur Menschenrettung, sie sind ohnmächtig und schauen weg. Mit Milliarden faule Banken retten, dafür geben sie taxpayer Geld, und eigener Machterhalt, die Menschen sind ihnen sch... egal – Schande über sie!! Es wäre doch so einfach wenn Obama, Merkel und der Vatikan Boss hier mal action machen würden, wirklich human agieren, und nicht nur dämlich schwätzen.
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