Krieg in Syrien Assad kündigt Kampf mit aller Härte an

Seine Getreuen fliehen, die Rebellen scheinen auf dem Vormarsch. Doch Syriens Präsident Assad gibt nicht nach. Nach einem seltenen öffentlichen Auftritt kündigt er an, "das Land ohne Rücksicht von Terroristen zu säubern". Iran schwört dem bedrängten Machthaber nun feierlich die Treue.

Syriens Präsident Assad (r.), iranischer Unterhändler Dschalili: "Keine Rücksicht"
DPA / SANA

Syriens Präsident Assad (r.), iranischer Unterhändler Dschalili: "Keine Rücksicht"


Damaskus - Er hatte sich rar gemacht. Knapp drei Wochen war Syriens Präsident Baschar al-Assad in der Öffentlichkeit nicht zu sehen. Nun traf er in Damaskus den iranischen Top-Vermittler Said Dschalili. Das syrische Staatsfernsehen zeigte Bilder des Gesprächs.

Danach ließ Assad über die amtliche Nachrichtenagentur Sana Worte verkünden, welche die ohnehin schwache Hoffnung auf ein baldiges Ende der Gewalt in Syrien zunichte machen dürften: Seine Regierung werde weiter mit aller Härte gegen die Aufständischen vorgehen, zitierte Sana den Präsidenten, der in den vergangenen Tagen weitere Mitstreiter an die Opposition verlor, darunter seinen Regierungschef Riad Hidschab. "Das syrische Volk und seine Regierung sind entschlossen, das Land von den Terroristen zu säubern und den Terrorismus ohne Rücksicht zu bekämpfen", sagte Assad laut Sana.

Als "Terroristen" bezeichnet das Assad-Regime die Aufständischen, deren Revolte keine Anzeichen von Schwäche zeigt.

Die iranischen Verbündeten stellten sich demonstrativ an die Seite des bedrängten Machthabers. Der Gesandte Said Dschalili, den Teheran am Dienstag nach Damaskus schickte, hob die enge Allianz beider Länder hervor. Er sicherte Assad die Unterstützung Irans zu und kündigte an, seinen Verbündeten unter keinen Umständen fallenzulassen. Syrien sei eine "unentbehrliche Säule" des Widerstands gegen die USA und Israel in der Region. Teheran werde es "niemals zulassen, dass die Achse des Widerstands zerschlagen wird".

Die "Achse des Widerstands" bezeichnet in der iranischen Diktion die israelfeindlichen Kräfte in der Region, zu denen neben dem Iran selbst und Syrien unter Assad die schiitische Hisbollah-Bewegung im Libanon und die radikalislamische Hamas im palästinensischen Gazastreifen gehören.

Iran beschuldigt USA und Türkei wegen Geiselnahme in Damaskus

Dschalili beriet sich in Damaskus auch wegen der Verschleppung einer iranischen Pilgergruppe durch syrische Rebellen. Teheran werde "alle zu Gebote stehenden Mittel" einsetzen, um die Geiseln freizubekommen, sagte er. Rebellen mit islamistischem Hintergrund hatten am Wochenende in Damaskus 47 iranische und einen afghanischen Pilger verschleppt. Sie unterstellen ihnen, Agenten der iranischen Revolutionsgarden zu sein. Irans Regierung bestreitet dies vehement.

Am Montag behaupteten die Geiselnehmer, dass drei der Iraner im Granathagel der Regimestreitkräfte getötet worden seien. Weitere Geiseln würden erschossen, wenn das Regime den Artilleriebeschuss nicht einstelle. Wo die Geiseln festgehalten werden, ist unbekannt. Iranische Politiker machten die USA, die Türkei, Saudi-Arabien und Katar - alles Länder, die die syrischen Rebellen unterstützen - für die Geiselnahme mitverantwortlich.

Irans Außenminister Ali Akbar Salehi reiste am Dienstagabend nach Ankara. Sein Ministerium teilte mit, Salehi werde die türkische Regierung an ihre "Verantwortung" für das Schicksal der Geiseln erinnern. Die Türkei unterstütze die Freie Syrische Armee, die sich zu der Geiselnahme bekannte, hieß es weiter.

Armee zieht Geschütze um Aleppo zusammen

Im nordsyrischen Aleppo gingen die Kämpfe unvermindert weiter: Am Dienstag wurden nach Angaben des Staatsfernsehens mindestens 25 Aufständische bei schweren Kämpfen getötet. Die Rebellen hätten ein Kraftwerk angegriffen und seien zurückgeschlagen worden. Die Oppositionellen eroberten nach eigenen Angaben in zehnstündigen Kämpfen einen strategisch wichtigen Armee-Kontrollpunkt. Damit sollen sie nun eine Verbindung zwischen den von ihnen beherrschten Gebieten im Nordosten und im Zentrum der Stadt hergestellt haben. Die Informationen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Nach Angaben von Augenzeugen zog das Militär beträchtliche Truppenaufgebote mit einer großen Zahl von Geschützen rund um Aleppo zusammen. Allgemein werde eine weitere Großoffensive der Regimekräfte erwartet, hieß es. In früheren Angriffswellen während der mehr als zwei Wochen tobenden Schlacht um die nördliche Handelsmetropole konnte sich die Armee trotz waffentechnischer Überlegenheit nicht durchsetzen. Vielmehr verbuchten die Aufständischen Gebietsgewinne.

Die US-Sektion der Menschenrechtsorganisation Amnesty International kam nach der Auswertung von Satellitenbildern zu dem Schluss, dass bei den Kämpfen in Wohngebieten Aleppos "vermehrt schwere Waffen zum Einsatz kommen". Amnesty warnte die Konfliktparteien, dass alle Angriffe auf die Bevölkerung "genauestens dokumentiert" würden, so dass die Urheber "zur Rechenschaft gezogen" werden könnten.

fab/AFP/dpa

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spon-facebook-10000385159 07.08.2012
1. Bin gespannt, ...
Zitat von sysopDPA / SANASein Getreuen fliehen, die Rebellen scheinen auf dem Vormarsch. Doch Syriens Präsident Assad gibt nicht nach. Nach einem seltenen öffentlichen Auftritt kündigt er an, "das Land ohne Rücksicht von Terroristen zu säubern". Iran schwört dem bedrängten Machthaber nun feierlich die Treue. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,848786,00.html
... ob und wieweit sich der Iran aktiv auf Seiten Assads beteiligen will und wie lange "der Westen" dabei untätig zusähe. Ich halte es aber eher für orientalische Lippenbekenntnisse. Wenn der Iran Assad hätte offen unterstützen wollen, hätte er es erfolgversprechender früher tun können, statt erst jetzt. Das dürfte wohl eher ein trostspendender Besuch am Sterbebett sein.
südling 07.08.2012
2. Das kalte Schaudern....
.....bekommt man da, wen man liest, wer sich da alles zusammenrottet. Sämtliche Schmuddelkinder der Weltgemeinschaft, obendrauf noch Rußland und China. Es wird Zeit für Assad, ob mit oder ohne Gewalt. Und seine Getreuen und "Freunde" sollten aufpassen, daß sie nicht mit in den Abgrund gerissen werden.
robert.haube 07.08.2012
3. Achse des Widerstandes
Iranische Medien melden, dass der FSA-Chef des sogenannten "Military Counsil" von Aleppo in den heutigen Kämpfen von der syrischen Armee getötet wurde. Ab Freitag, den 10. August, liefert Iran via irakische Überlandleitungen Strom nach Syrien. Die Zusammenarbeit wird immer enger.
AbuHaifa 07.08.2012
4. Rebellen müde
Die Lage in Aleppo scheint sehr unübersichtlich. Internationale Medien wie New York Times, Guardian oder Haaretz aus Israel und andere berichten, die Rebellen befänden sich in Schwierigkeiten. Diesen Berichten zufolge werde die Munition knapp, weil es der syrischen Armee mehr und mehr gelänge, die Versorgungswege abzuschneiden. Die "Freiheitskämpfer" sollen außerdem in Aleppo vielerorts auf offene Ablehnung in der Zivilbevölkerung stoßen. In einem überwiegend von Kurden bewohnten Viertel sollen sogar Bewohner auf der Seite der syrischen Armee gegen die Rebellen kämpfen. Die meisten Rebellen seien übermüdet und manche demoralisiert von dem Dauerbombardement. Es werden ferner Kämpfer zitiert, die nicht gut auf die Offiziere der Rebellen zu sprechen sind, die in der sicheren Türkei säßen und sich nie an der Front sehen lassen würden. Wie gesagt: Alles Infos aus durchweg angesehenen Zeitungen und Nachrichtenportalen.
robert.haube 07.08.2012
5. Berserker
3sat meldet im Videotext das heutige Massaker der Rebellen in der Nähe von Homs und schlägt damit eine beachtenswerte Schneisse in die bisherige Medienblockade. Freischärler haben heute ein Wohnhaus von Familien von Kraftwerksmitarbeitern überfallen und die Einwohner ermordet. 3sat berichtet von 6 ermordeten Alawiten, 6 umgebrachten Christen und 4 getöteten Sunniten. So verschaffen sich die Freischärler "Sympathien" im Volk. Derweil bauen Syrien und Russland ihre Wirtschaftsbeziehungen aus. Russland wird Medikamente liefern, Benzin ....usw. Syrien liefert u.a. Südfrüchte. Sogar ein Beitritt Syriens zur Zollunion Rußland-Belarus-Kasachstan ist laut sana.sy in der Diskussion.
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