Bürgerkrieg in Syrien Assads Armee verstärkt den Beschuss auf Homs

Der Beschuss der syrischen Stadt Homs durch Truppen von Machthaber Assad geht weiter. Am Samstag starben erneut Zivilisten, laut Regimegegnern nehmen die Bombardements zu. Auch nahe Damaskus werden Gefechte gemeldet. Nun soll sich die Uno-Vollversammlung mit der Lage in Syrien befassen. 

AFP/ Youtube

Hamburg - Die Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad setzen ihre Angriffe auf die Oppositionshochburg Homs fort. Am Samstag starben nach Angaben von Regimegegnern mindestens vier Zivilisten bei einem Bombardement auf sunnitische Viertel der Stadt. Eine Granate war in ihrem Wohnhaus eingeschlagen.

"Das ist der heftigste Beschuss, seit die Attacke auf Homs vor sechs Tagen begann", sagte der Oppositionelle Mohammad Hassan der Nachrichtenagentur Reuters. Bisher wurden in Homs nach Angaben der Regimegegner mehr als 2850 Menschen getötet.

Assads Truppen haben vor allem den Bezirk Baba Amr unter Dauerbeschuss genommen. Ein am Freitag veröffentlichtes Video zeigt oppositionelle Kämpfer, wie sie die Bewohner von Homs vor den Angriffen zu schützen versuchen. Laut Augenzeugen haben sich Heckenschützen auf den Dächern platziert, zudem geht die Armee mit Panzern und Raketen gegen die Bevölkerung vor.

Kämpfe nahe Damaskus

Syrische Regierungstruppen haben sich am Samstagmorgen nach Angaben von Oppositionellen nahe der Hauptstadt Damaskus Kämpfe mit Deserteuren geliefert. Im Vorort Reef seien Granateneinschläge und das Feuer schwerer Maschinengewehre zu hören, sagte der Aktivist Hani Abdullah der Nachrichtenagentur dpa. Informationen über mögliche Opfer lagen zunächst nicht vor. Auch aus Al-Kusair an der syrisch-libanesischen Grenze wurden Kämpfe gemeldet.

"Syrische Truppen nehmen Al-Kusair seit dem frühen Morgen unter schweren Beschuss, weil dorthin viele Aktivisten und Deserteure aus Chalidija und Baba Amr geflohen sind", sagte der Aktivist Abu Raad.

Wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur berichtete, kündigte das Innenministerium am Samstag an, den "Terrorismus auszulöschen" und "diejenigen zur Strecke zu bringen, die die Sicherheit des Landes und der Bürger aufs Spiel setzen".

Auch in der Wirtschaftsmetropole Aleppo bekämpfen Assads Truppen Oppositionelle: Bei zwei gewaltigen Bombenanschlägen vor Einrichtungen der Sicherheitskräfte in der Millionenmetropole kamen am Freitag nach Angaben von Ärzten 30 Menschen ums Leben, etwa 200 weitere seien verletzt worden. Staatliche Medien berichteten, die Sprengsätze seien von zwei Selbstmordattentätern der Opposition gezündet worden. Die Regimegegner wiesen das zurück, ein Sprecher des sogenannten Revolutionskomitees sagte, vermutlich habe es sich um einen Komplott von Angehörigen Assads gehandelt.

Russland bleibt bei seinem Kurs

Nun soll sich offenbar die Vollversammlung der Vereinten Nationen mit der Lage in Syrien befassen. Nach einem Bericht von CNN hat Saudi-Arabien einen Resolutionsentwurf erarbeitet, über den die Versammlung beraten soll. Zuvor hatte sich der Sicherheitsrat nicht auf eine Resolution einigen können, sie scheiterte am Veto Russlands und Chinas.

Der dreiseitige saudi-arabische Entwurf verurteilt nach CNN-Angaben scharf die Verletzung von Menschenrechten durch das syrische Regime. In dem Papier sei die Rede von dem Einsatz von Gewalt gegen Zivilisten, willkürlichen Hinrichtungen, der Tötung und Verfolgung von Protestierenden, Verteidigern von Menschenrechten und Journalisten. Zudem enthalte der Entwurf Begriffe wie willkürliche Festnahmen, Folter, sexuelle Gewalt und Misshandlungen. Der Sender erklärte, er habe den Text von einer diplomatischen Quelle erhalten.

Während der Sicherheitsrat allerdings Strafmaßnahmen androhen kann, haben Resolutionen der Generalversammlung allein appellativen Charakter. In Anspielung auf das Veto im Sicherheitsrat erklärte der saudi-arabische König Abdullah im Staatsfernsehen seines Landes, dadurch sei das Vertrauen der Welt in die Vereinten Nationen erschüttert worden. Was bei der Uno passiert sei, nannte er "absolut bedauerlich".

Die Menschenrechtskommissarin Navi Pillay soll am Montag die Vollversammlung über die Situation in dem Land unterrichten. Die Südafrikanerin ist dabei allerdings auf Berichte aus zweiter Hand angewiesen. Offiziell sind keine UN-Beobachter in Syrien.

Russland bleibt bei seinem Kurs im Syrien-Konflikt: Das Parlament unterstützte am Freitag das Veto Moskaus gegen die jüngste Syrien-Resolution. Die Abgeordneten votierten geschlossen für eine Erklärung aller Fraktionen dazu, wie die Agentur Interfax meldete. Russland ist ein enger Partner und Waffenlieferant Syriens.

bim/Reuters/AP/dpa

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insgesamt 485 Beiträge
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Seite 1
falster 11.02.2012
1. Saudi-Arabien der neue Verfechter der Menschenrechte in der Welt.
Zitat von sysopAFP/ YoutubeDer Beschuss der syrisches Stadt Homs durch Truppen von Machthaber al-Assad geht unvermindert weiter. Am Samstag starben erneut Zivilisten, laut Regimegegnern nehmen die Bombardements zu. Nun soll sich auf Initiative von Saudi Arabien die Uno-Vollversammlung mit der Lage in Syrien befassen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814652,00.html
"Nun soll sich offenbar die Vollversammlung der Vereinten Nationen mit der Lage in Syrien befassen. Nach einem Bericht von CNN hat Saudi-Arabien einen Resolutionsentwurf erarbeitet, über den die Versammlung beraten soll. Zuvor hatte sich der Sicherheitsrat nicht auf eine Resolution einigen können, sie scheiterte am Veto Russlands und Chinas." Saudi-Arabien der neue Verfechter der Menschenrechte in der Welt. Und Terroristen sind Freiheitskämpfer. Das Weltgeschehen wird von Tag zu Tag bizarrer.
bayrischcreme 11.02.2012
2.
Nachdem laut SPON Homs bereits seit vergangener Woche "ein See aus Blut" ist und im Dauerbeschuss ein Massaker nach dem anderen stattfindet wurden die Angriffe nun noch weiter verschärft. Es starben am Samstag 4(!) Zivilisten.
bayrischcreme 11.02.2012
3.
Zitat von sysopAFP/ YoutubeDer Beschuss der syrisches Stadt Homs durch Truppen von Machthaber al-Assad geht unvermindert weiter. Am Samstag starben erneut Zivilisten, laut Regimegegnern nehmen die Bombardements zu. Nun soll sich auf Initiative von Saudi Arabien die Uno-Vollversammlung mit der Lage in Syrien befassen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814652,00.html
Wenn die Vollversammlung schonmal tagt, dann kann sie sich auch gleich mal mit der Menschenrechtslage in Saudi Arabien befassen.
alleswirdbesser 11.02.2012
4. Kümmern wir uns doch um
unsere eigenen Probleme. Das in Syrien sind innere Angelgenheiten eines souveränen Staates, die uns nichts anzugehen haben und die das syrische Volk / die syrische Administration / die Rebellen selbst und untereinander zu lösen haben.
iskin 11.02.2012
5. Das ist ja wirklich zum Kaputtlachen...
Zitat von sysopAFP/ YoutubeDer Beschuss der syrisches Stadt Homs durch Truppen von Machthaber al-Assad geht unvermindert weiter. Am Samstag starben erneut Zivilisten, laut Regimegegnern nehmen die Bombardements zu. Nun soll sich auf Initiative von Saudi Arabien die Uno-Vollversammlung mit der Lage in Syrien befassen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,814652,00.html
wenn es nicht so bitterernst wäre: Ausgerechnet Saudi-arabien, eines der schlimmsten, menschenverachtenden Diktaturen auf diesem Planeten sorgt sich um die Menschenrechte in Syrien.
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