Bürgerkrieg in Syrien: Auch China drängt Assad zum Ende der Gewalt

Die syrische Armee hat ihre Angriffe auf Hochburgen der Protestbewegung ausgeweitet: Augenzeugen und Aktivisten berichten von Angriffen auf die Orte Kusair und Rastan. Auch die Regierung in Peking, mit Assad verbündet, drängt auf ein Ende der Gewalt und legt dazu einen neuen Vorschlag vor.

Angriffe in Syrien: Protesthochburgen unter Beschuss Fotos
AFP

Beirut - Trotz wachsender internationaler Kritik hat die syrische Armee ihre Angriffe auf Hochburgen der Protestbewegung ausgeweitet. Nach Berichten von Augenzeugen nahmen Panzer die Stadt Kusair an der Grenze zum Libanon unter Beschuss. An der libanesischen Grenze, die zwölf Kilometer von Kusair entfernt liegt, waren deutlich Explosionen zu hören. Flüchtlinge aus Kusair berichteten, Soldaten seien mit Schusswaffen gegen die Bevölkerung vorgegangen. Unter den Vertriebenen waren vor allem Frauen und Kinder.

Auch in der Unruheprovinz Homs soll erneut eine Protesthochburg unter Beschuss genommen worden sein. Oppositionsaktivisten zufolge wurden Stellungen der Rebellen in der Ortschaft Rastan mit Artillerie sowie aus der Luft angegriffen. Die Berichte konnten von unabhängiger Seite jedoch zunächst nicht überprüft werden.

Die Truppen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad hatten zuvor die Bombardierung von Homs ausgeweitet. Die Armee nahm am Samstag einen Wohnbezirk unter Beschuss, in den Tausende Zivilisten geflohen waren, wie Aktivisten und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen berichteten.

Die Uno-Flüchtlingsorganisation teilte mit, rund 2000 Menschen würden vor der neuen Gewalt in den benachbarten Libanon fliehen.

Rotes Kreuz darf Opfern Hilfsgüter bringen

Das Internationale Rote Kreuz (IKRK) erhält nach tagelangen Verhandlungen mit der syrischen Regierung nun offenbar Zugang zu dem zerstörten Stadtviertel Bab Amr in Homs. "Wir haben grünes Licht, wir hoffen, reinzukommen, wir hoffen, dass heute der Tag ist", sagte IKRK-Sprecher Saleh Dabbakeh am Sonntag.

Das Rebellenviertel hatte wochenlang unter Dauerbeschuss gestanden und war schließlich von Assads Truppen gestürmt worden. Die syrische Regierung verweigerte dem Roten Kreuz die Fahrt in das zerstörte Viertel. Ein Konvoi von sieben IKRK-Lastwagen mit Hilfsgütern sowie Rettungswagen des Roten Halbmondes wurden seit der Ankunft am Freitag in Homs nicht vorgelassen.

"Wir machen uns sehr große Sorgen um die Menschen in Bab Amr", sagte Dabbakeh. Praktisch jedes Gebäude ist von dem wochenlangen Beschuss beschädigt, die meisten Bewohner sind geflohen. Das Gebiet war weitgehend von der Versorgung mit Öl, Lebensmitteln und medizinischer Versorgung abgeschnitten. Oppositionelle warfen Assads Regime vor, ein Massaker verübt zu haben, dessen Spuren nun beseitigt würden.

China schlägt Vermittlungen vor

China legte am Sonntag einen Vorschlag für ein Ende der Gewalt in Syrien vor. In einer vom chinesischen Außenministerium veröffentlichten Erklärung werden ein Waffenstillstand sowie Gespräche zwischen Assads Regime und der Opposition unter Vermittlung der Uno und der Arabischen Liga gefordert. Außerdem müsse Hilfsorganisationen sofort der Zugang ins Land ermöglicht werden.

Eine Einmischung von außen mit dem Ziel eines Regierungswechsels in Damaskus lehnt China allerdings weiter ab. "Wir lehnen jegliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten Syriens unter dem Vorwand 'humanitärer' Fragen ab", hieß es in der Erklärung auf der Website des Außenministeriums. Peking sprach sich auch gegen Sanktionen aus: Sie könnten nichts zu einer Lösung des Konflikts beitragen.

Bei dem fast einem Jahr anhaltenden Aufstand gegen Assad sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen mindestens 7500 Menschen getötet worden. Eine Resolution zum Ende der Gewalt in Syrien ist bereits zweimal am Veto Chinas und Russlands gescheitert, wofür beide Länder international scharf kritisiert wurden. Seither bemüht sich Peking, sich als aktiver Partner auf diplomatischer Ebene in dem Konflikt zu präsentieren.

Leichen der beiden Journalisten in Frankreich angekommen

Die Leichen der am 22. Februar in der syrischen Protesthochburg Homs verstorbenen Journalisten Marie Colvin und Rémi Ochlik wurden am Sonntagmorgen nach Paris übergeführt, wie französische Medien berichteten. Französische und polnische Diplomaten - Polen vertritt in Syrien die Interessen der USA - hatten zuvor in Damaskus die sterblichen Überreste der US-amerikanischen Kriegsreporterin Colvin und des französischen Fotografen Ochlik in Empfang genommen.

Nach Angaben der syrischen Behörden gab es eine dritte Leiche, bei der es sich um den spanischen Journalisten Javier Espinosa handle. Die Zeitung "El Mundo", für die er arbeitet, erklärte hingegen, Espinosa gehe es gut. Er habe seine Papiere bei der Flucht aus Bab Amr verloren und sei inzwischen in der libanesischen Hauptstadt Beirut in Sicherheit. Von dort aus gab er inzwischen auch Interviews, in denen er ebenfalls von grauenhaften Zuständen in Syrien berichtete.

Die unter dramatischen Umständen aus Homs entkommenen französischen Journalisten William Daniels und Edith Bouvier sehen den Angriff auf sie als gezielte Militäraktion. "Wir hatten das Gefühl, direkt attackiert zu werden", sagten sie der Tageszeitung "Le Figaro" vom Samstag, für die beide arbeiten.

Der ebenfalls gerettete britische Fotograf Paul Conroy berichtete von "Massakern" in Homs."Es gab mindestens fünf Explosionen in Folge", sagten Daniels und Bouvier der Zeitung. Am 22. Februar sei das als Pressezentrum der syrischen Opposition genutzte Haus, in dem sie sich zusammen mit anderen Kollegen aufgehalten hatten, bereits ab dem frühen Morgen beschossen worden. "Die syrischen Aktivisten bei uns waren an solche Bombardements gewöhnt und erkannten die Gefahr umgehend", sagten die beiden Journalisten. Die Aktivisten hätten daraufhin zur sofortigen Flucht gedrängt.

Colvin und Ochlik verließen den Schilderungen zufolge als erste das Gebäude. "Die Explosion war schrecklich, sie befanden sich praktisch auf dem Präsentierteller und waren sofort tot", beschrieben Daniels und Bouvier die folgenden Ereignisse. Bouvier wurde später verletzt und zusammen mit dem unversehrten Fotografen Daniels zunächst in ein provisorisches Krankenhaus und später in ein Haus im umkämpften Stadtteil Bab Amr gebracht.

siu/Reuters/AFP/dapd

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insgesamt 105 Beiträge
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1. Verhandlungen
martin-gott@gmx.de 04.03.2012
Zitat von sysopAuch China, mit Assad verbündet, verliert die Geduld und legt nun einen neuen Vorschlag für ein Ende der Gewalt in Syrien vor. Bürgerkrieg in Syrien: Auch China drängt Assad zum Ende der Gewalt - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819166,00.html)
aber Voraussetzug des Ende der Gewalt sind Verhandlungen. Und diesen Verhandlungen verweigert sich Assad nicht allein-
2. Jetzt geht's...
neu_im_forum 04.03.2012
Zitat von sysopDie syrische Armee hat ihre Angriffe auf Hochburgen der Protestbewegung ausgeweitet: Augenzeugen und Aktivisten berichten von Angriffen auf die Orte Al-Kusair und Al-Rastan. Auch China, mit Assad verbündet, verliert die Geduld und legt nun einen neuen Vorschlag für ein Ende der Gewalt in Syrien vor. Bürgerkrieg in Syrien: Auch China drängt Assad zum Ende der Gewalt - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,819166,00.html)
der Oppostition, den REbellen oder wie einige hier im Forum bevorzugen den "Terroristen" an den Kragen. Ich denke nicht dass das Regime auf Zivilisten (alles Terroristen?) Rücksicht nimmt. Ermutigt durch Russland und China kennt Assad wohl keine Rücksicht. Wieviele Leute sind denn bislang gestorben? Alles vom Ausland gelenkte Dschihadisten? Und warum darf das Rote Kreuz nicht zur Zivilbevölkerung in Baba Amr vorrücken? Assad sollte den Weg für einen Neuanfagn freimachen und das Asylangebot (Tunesiens wenn ich mich nicht irre) annehmen. Dann sollte ein international überwachte (Blauhelme auch aus Russland und China) Abstimmung (Verfassungsgebende Versammlung) stattfinden. Ich denke aber dazu wird es nicht kommen. Wenn Assad wieder fest im Sattel sitzt wird es keinerlei Fortschritte in Richtung Demokratie mehr geben!
3.
c.werner 04.03.2012
Zitat von neu_im_forumUnd warum darf das Rote Kreuz nicht zur Zivilbevölkerung in Baba Amr vorrücken?
Assads Truppen sind dort anscheinend noch nicht "fertig". Ermutigend finde ich aber, dass China jetzt wohl doch noch zur Vernunft kommt und Druck auf Assad ausübt. Die Vorschläge halte ich für sehr vernünftig. Ich sehe die Zukunft auch nicht so pessimistisch wie Sie, denn Assad wird sich auf Dauer nicht halten können. Wenn Russland jetzt noch zur Vernunft kommt und ihre schützende Hand über Assad wegnehmen, könnte es schneller gehen als erwartet. Nur bin ich mir bei Russlands zukünftiger Haltung nicht so sicher, haben die dort doch verstärkt strategische Interessen.
4.
Hermes75 04.03.2012
Zitat von martin-gott@gmx.deaber Voraussetzug des Ende der Gewalt sind Verhandlungen. Und diesen Verhandlungen verweigert sich Assad nicht allein-
Die anderen sind schuld! Die Gewalt muss weitergehen! >:-) Glauben Sie nicht, dass Assad in der Lage wäre seinen Truppen zu befehlen aufzuhören auf Dörfer und Städte zu schießen? Wenn selbst China den Assad-Clan auffordert die Gewalt zu beenden, dann heißt das schon was. Die Chinesen sind ja nun nicht gerade für ihre Skrupel im Umgang mit Regimegegnern bekannt.
5. Aha,
LeonLanis 04.03.2012
Zitat von c.wernerNur bin ich mir bei Russlands zukünftiger Haltung nicht so sicher, haben die dort doch verstärkt strategische Interessen.
Rußland hat in Syrien strategische Interessen. Das ist natürlich nicht zu bestreiten. Und der Westen? Läßt der sich nicht genauso von strategischen Interessen leiten? Oder glauben Sie wirklich, dem Westen gehe es um Menschenrechte?
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